2019: Wie digitalisiert ist der Gesundheitsmarkt?

13.05.2019 Studien
3 Minuten Lesezeit

Digitale Endgeräte wie Smartphone, Laptop oder Tablet spielen im privaten und beruflichen Leben vieler Beschäftigten im Gesundheitswesen eine immer größere Rolle. Aus diesem Grund hat das Beratungsunternehmen Deloitte eine Studie durchgeführt, bei der die digitale Evolution des Gesundheitswesens genauer unter die Lupe genommen werden sollte. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse für Sie auf einen Blick zusammengefasst.

created by freepik.com

Was war das Ziel der Studie und wie wurde sie durchgeführt?

Das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte wollte mit seiner Studie zum Thema „Digitale Evolution des Gesundheitswesens“ die folgenden vier Fragestellungen beantworten:

  • Wer sind die neuen Player am digitalen Gesundheitsmarkt? Entsteht eine neue Klasse von „Leistungserbringern“?
  • Welche Geschäftsmodelle verfolgen die neuen Player?
  • Inwiefern ergeben sich hieraus Veränderungen und Herausforderungen für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)?
  • Welche Implikationen ergeben sich im Hinblick auf die Governance-Strukturen der GKV? Sind die Instrumente der Selbstverwaltung und der gemeinsamen Selbstverwaltung optimal hierauf ausge- richtet? Welche Implikationen ergeben sich in Bezug auf Finanzierungsfragen?

 

Wie ging Deloitte dabei methodisch vor? Es erfolgte zunächst eine Bestandsaufnahme des digitalen Gesundheitsmarkts in Deutschland. Dieser wurde genau untersucht und die relevanten Entwicklungen im nationalen und internationalen Kontext näher analysiert. Bei der Analyse griff Deloitte auf Sekundärdaten zu Angeboten, Regularien und Finanzierungsakteuren zurück. Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, wurden außerdem Experteninterviews mit Marktteilnehmern im In- und Ausland geführt.

Welche Player gibt es am digitalen Gesundheitsmarkt und welche Ziele verfolgen sie?

Da Start-Ups aus dem Digitalbereich kaum mehr wegzudenken sind, ist es wenig verwunderlich, dass sie in Deutschland quasi das komplette Spektrum digitaler Gesundheitsangebote abdecken. Die innovativen Unternehmen liefern am Markt wichtige Impulse und setzen neue Geschäftsmodelle durch. Der Fokus liegt bei den Start-Ups auf den B2C- bzw. B2P-Bereich, wobei sie sich dabei großteils im zweiten Gesundheitsmarkt bewegen. Das heißt nicht, dass die Start-Ups den ersten Gesundheitsmarkt außer Acht lassen. Der Zugang gestaltet sich allerdings laut Deloitte als schwierig und ist nur durch Selektivverträge möglich.

Auf dem digitalen Gesundheitsmarkt probieren sich jedoch nicht nur (Tech-)Start-Ups aus. Ganz im Gegenteil: Viele der Anbieter agierten bisher eigentlich auf dem traditionellen Markt. Im digitalen Gesundheitsmarkt zielen ihre neuen Angebote hauptsächlich auf das B2B-Segment ab, weniger auf B2C-Lösungen. Die etablierten Anbieter sprechen bei der Digitalisierung der Pharma- und Gesundheitsbranche eher von einer Evolution als von einer Revolution – die Weiterentwicklung musste ihrer Ansicht nach kommen. Das erklärt, warum die digitalisierten Gesundheitslösungen für die am Markt Etablierten als Add-On gesehen werden.

Weitere wichtige Player am digitalen Gesundheitsmarkt sind laut Deloitte die Investoren – genauer Venture Capital Investoren und strategische Investoren. Während erstere ihr Investitionsportfolio mit Start-Ups erweitern, setzen letztere vorrangig auf ausgereifte Ideen in der Gesundheits- und Pharmabranche. Deutsche Investitionen machten von 2013 bis 2017 ca. 0,5 Prozent der Gesamtinvestitionen in Digital Health aus.

Allgemein gesehen fand die Studie heraus, dass digitale Gesundheitsangebote ganz andere Charakteristika als die nicht-digitalen aufweisen. Beim Markteintritt ist das digitale Produkt meist noch nicht final, weil es in einem agilen Prozess kontinuierlich weiterentwickelt werden muss. Deshalb unterscheiden sich auch die Ziele des digitalen Gesundheitsmarkts teilweise sehr deutlich von jenen des traditionellen Markts.

Was bedeuten die Ergebnisse für gesetzliche Krankenkassen, ihre Verbände und den GKV-Spitzenverband?

Deloitte leitet konkrete Implikationen für die gesetzlichen Krankenkassen, die Verbände und den GKV-Spitzenverband aus der Bestandsaufnahme der Angebots-, Anbieter- und Stakeholder-Landschaft ab. Die Implikationen können dabei in drei konkrete Themenfelder unterteilt werden: Steuerungshoheit und organisatorische Effizienz, Patientenschutz und Versorgungseffizienz, sowie die gesundheitspolitische Bedeutung.

Wenn man sich das Themenfeld Steuerungshoheit und organisatorische Effizienz näher ansieht, erkennt man: Im Bereich der Erhebung und Analyse von Gesundheitsdaten auf Patienten- und Populationsebene gibt es noch großes Potential. Da die GKV aufgrund der hohen Versichertenzahl über einen guten Zugang zu Daten verfügt, kann schnell eine kritische Masse an Analysewerten erhoben werden.

Beim Thema Patientenschutz und Versorgungseffizienz fällt unter anderem auf, dass Patienten sich immer mehr für digitale Diagnose-Angebote interessieren. Der Informationsbedarf steigt, die Bereitschaft in ein Behandlungszimmer zu gehen sinkt dagegen. Ungesteuert könnte das dazu führen, dass die GKV ihren Leistungskatalog ausweiten muss.

Implikationen von gesundheitspolitischer Bedeutung ergeben sich dagegen durch das Splitting in die zahlreichen Akteure am digitalen Gesundheitsmarkt. Die Technologieplayer und Start-Ups befinden sich eher im zweiten Gesundheitsmarkt und können – im Gegensatz zur GKV – am ersten Gesundheitsmarkt nur schwer Lösungen zur Verfügung stellen. Hier bedarf es einer klaren Positionierung der GKV und der Entwicklung konkreter Schritte zu einer besseren Integration digitaler Angebote in die Gesundheitswelt.

Print Friendly, PDF & Email