Merck, Novartis & Co.: 5 Praxisbeispiele von Blockchain-Nutzung in der Pharma Branche

19.01.2019 Studien
3 Minuten Lesezeit

Blockchain-Technologie ist als der „Trick“ hinter Kryptowährungen berühmt, und dann auch berüchtigt geworden. Aber die Technologie ist nicht für die Revolution durch Bitcoin erfunden worden. Stattdessen steckt dahinter die Forschung im Bereich der Versionskontrolle.

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Auch die Pharmabranche ist interessiert an Blockchain-Technologien und hat einige Anwendungsfälle in der realen Welt gefunden. „Anwendung“ ist dabei allerdings unterschiedlich kompliziert definiert – größtenteils steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen.

Variante 1: Zurückgegebene Pharmazeutika kontrollieren

Oft erhalten Pharmahersteller Mengen ihres Produkts zurück. Beispielsweise, weil jemand zu viel bestellt oder sich ein Irrtum ergeben hat. Insgesamt macht das etwa 2-3 % der Verkäufe aus, aber auch das können einige Milliarden Dollar sein.

Pharmaunternehmen müssen mit den Rückgaben umgehen können. Sie können sie nicht einfach zurück in den Handel bringen, sondern müssen vorher verifizieren, dass es sich tatsächlich um die Medikamente handelt, die verkauft werden sollen.

Die Verifikation kann zentralisiert erfolgen (in der EU gibt es dafür eine Datenbank), in Amerika hingegen gibt es diese zentralisierte Stelle nicht. Eine Blockchain kann Verifikation bieten.

Merck und SAP arbeiten bereits an diesem Konzept und haben dazu die SAP Pharma Blockchain POC App entwickelt.

Variante 2: Fälschungen können verhindert werden

Blockchains haben vor allem den Vorteil und Anwendungszweck, Bewegungen oder Identitäten vor Fälschungen zu schützen. Das bedeutet, dass Pharmahersteller insbesondere Produkte herstellen, verschicken und liefern können, ohne sie „aus den Augen zu verlieren“. Selbst wenn die Produkte das Land wechseln und zwischendurch längere Zeit in Containern lagern.

Novartis arbeitet in diesem Bereich bereits an praktischen Lösungen. Damit sollen insbesondere Fälschungen verhindert werden: Die Medikamente oder pharmazeutischen Produkte können von der Herstellung bis zur Vergabe an Patienten verfolgt werden.

Variante 3: Compliance-Checks

Compliance von Zulieferern und Lieferanten ist nicht nur in der Pharmabranche ein wichtiges Thema, aber gerade hier. Medikamente, die nicht innerhalb der vorgegebenen Temperaturspanne transportiert wurden oder auf andere Weise falsch gelagert wurden, werden unbrauchbar.

Eine wichtige Ergänzung zu Blockchains im Allgemeinen sind sogenannte Smart Contracts. Diese können automatisch bei Lieferungen angehängt werden und dafür sorgen, dass die Produkte selbst eine Regelverletzung melden – oder Ersatz nachbestellen, wenn die Lagerungsbedingungen nicht angemessen waren.

Variante 4: Klinische Studien mit transparenten Consent-Vereinbarungen

Patienten müssen bei jedem Schritt einer klinischen Studie informiert sein und ihr Einverständnis geben. Dieses Einverständnis muss angemessen protokoliert werden und – auch unter aktuellen Datenschutzregelungen – sicher gespeichert werden.

Dabei ist wichtig, dass die Informationen auch im Nachhinein nicht verändert werden können. Auch hier sind Blockchains die passende Technologie und auch hier kann die Verbindung mit SmartConstraints die Lösung für aktuelle Probleme mit fehlenden oder verloren gegangenen Einverständniserklärungen sein.

Variante 5: Klinische Studien können verbessert werden

Blockchains können Patienten ermöglichen, ihre eigenen medizinischen Daten sicherer zu speichern. Die Gesundheitsakte von Versicherungen können beispielsweise durch Blockchains vor Manipulationen geschützt werden. Gleichzeitig können sie verschlüsselt werden. Eine Anwendung sind Gesundheitsakten im Allgemeinen.

Im Besonderen können aber gerade die Daten von Teilnehmern an klinischen Studien so gesichert werden. Die Kontrolle über ihre Daten gibt Patienten mehr Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Außerdem haben sie ein besseres Gefühl der Kontrolle, auch wenn die Studien sich auf Krankheiten beziehen, die sie tatsächlich stark einschränken.

Einige Pharmaunternehmen wie Pfizer, Amgen oder Sanofi arbeiten bereits an der Entwicklung von Blockchainprotokollen, die sich speziell auf klinische Studien beziehen. Ein Startup, das sich speziell mit diesem Bereich beschäftigt ist Exochain.

Blockchain für die Zukunft der Pharmaindustrie

Die Pharmaindustrie ist wie erwähnt nicht die einzige Branche, in der Blockchain-Technologien nützlich sein können. Die dezentralisierte Speicherung von Daten ist in vielen Bereichen wichtig. Gerade beim grenzüberschreitenden Transport von Produkten wie in der Pharmabranche üblich.

Die Speicherung unabhängig von zentralen Stellen kann auch nützlich sein, wenn die technische Ausrüstung in einem Land sonst eher qualitativ schlecht ist. Die Verifikationsmechanismen im Netz der Blockchain sorgen auch dafür, dass vorrübergehende Lücken in der Nachverfolgung kein Problem darstellen müssen.

Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass überzogene, extreme Hoffnungen in die Technologie der Blockchains eher zum Untergang der einzelnen Evangelisten führen können. Auch Pharma tut also gut daran, Blockchain kritisch zu beurteilen und ausführlich zu prüfen, ob die Implementierung einer Chain wirklich eine bessere Lösung als bisherige Technologien darstellt.

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