7 bioethische Fragen für die Zukunft der digitalen Gesundheit

10.10.2018 Tech
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Bei der Entwicklung neuer Technologien im Gesundheitsbereich sollten auch bioethische Fragen behandelt werden. Und dabei geht es nicht um dystopische Zukunftsszenarien sondern um einen echten und ehrlichen Diskurs.

Medizin im Wandel – so viel ist klar. Neben den aufregenden technologischen Möglichkeiten und digitalen Welten tun sich auch neue ethische Fragen für alle in Pharma und Medizin auf. Bioethische Fragen müssen diskutiert und teilweise schon vor der Entwicklung neuer Möglichkeiten berücksichtigt werden.

Besser ist es, jetzt schon ein wenig zu phantasieren und vielleicht auch mal eine Sci-Fi-Brille aufzusetzen, um auf Brennpunkte eingestellt zu sein.

7 Fragen, die sich schon jetzt abzeichnen, haben wir hier zusammengefasst.

1.      Geben Wearables mit Sicherheitslücken wirklich mehr Freiheit?

Wenn tragbare medizinische Geräte wie Insulinpumpen oder Herzschrittmacher gehackt werden können, bieten sie dann noch mehr Freiheit für die Patienten?

Oder werden große Menschengruppen leichter erpressbar und müssen auf eine ganz neue Art um ihr Leben fürchten? Wenn Computer die Kontrolle über das (Über-)leben eines Menschen übernehmen und diese Computer nicht sicher vor Angriffen sind, geben die Geräte keine Unabhängigkeit, sondern machen Angst.

2.      Wie viel Privatsphäre ist mehr Bequemlichkeit wert?

Bequemer ist es sicherlich, wenn die Krankenkasse alle Rezepte sofort elektronisch erhält, die Rechtfertigung vom Arzt für eine Ausgabe gleich beiliegt und dann auch noch eine App automatisch für gelaufene Schritte belohnt. Kein Papierkram, keine Telefongespräche, keine Anmeldung in Sportkursen für Boni.

Aber auch eine bessere Überwachung durch die Krankenkasse, durch Ärzte, durch andere Versicherungen – und je weiter die Daten verkauft werden dürfen, desto mehr Unternehmen haben Zugriff.

3.      Brauchen wir noch Ärzte?

Neue Instrumente helfen Ärzten durch mehr Daten. Und Algorithmen helfen Ärzten bei der Diagnose. Sie sind aber schon heute auch für Patienten verfügbar und ersetzen in den Augen des ein oder anderen den Besuch beim Arzt.

HIV-Tests sind beispielsweise in Deutschland nun auch für den Heimgebrauch erhältlich und zugelassen.

Steigert das die Qualität der medizinischen Versorgung der Bevölkerung? Oder werden Patienten schlicht mit Diagnosen allein gelassen, die selbst wenn sie korrekt sind, keine Lösung mitbringen?

4.      Wollen wir bionische Menschen als Elite der Zukunft?

Künstliche Beine können helfen, schneller zu laufen oder sogar weiter zu springen als mit normalen, gesunden Beinen. Hörimplantate können nicht nur das Hörvermögen verbessern – sondern Untertöne analysieren. In Sehhilfen lassen sich zusätzliche Funktionen einbauen – eine Rückwärtsbildersuche beispielsweise, die gleich die passende Erklärung zu Bildern liefert.

Dass Implantate so viel Hilfe leisten ist für jeden großartig, der Unterstützung benötigt. Wo beginnt „benötigen“? Und wenn Menschen mit eingebauter Verbindung zum Wissen des Internets zum Standard werden, was wird aus denen, die sich das neuste Update nicht leisten können?

5.      Wie lange wollen wir älter werden?

Das Leben zu verlängern ist heute wesentlich leichter geworden. Mittlerweile sterben einerseits dank Impfungen und besserer Technologie weniger Menschen lang bevor sie alt sind. Andererseits leben Menschen aber auch viel länger. Verlängern lässt sich das Leben allerdings bisher nur zum Ende hin – eine lange Jugend ist nicht jedem beschert.

6.      Wer steuert Schwärme von Nanobots?

Wenn Nanobots bald überall sind und zum Beispiel Krankheiten in unserem Körper entdecken oder angreifen – können sie dann ferngesteuert von Terroristen auch Krankheiten auslösen und uns mit Falschmeldungen Angst machen?

Und Nanoroboter kommen überall hin. Wenn sie zur Realität werden, sind sie das schnell für jeden Menschen – auch diejenigen, die sie nie gekauft haben.

7.      Sind Mathematiker medizinische Experten?

Mathematische Modelle und „AI“-basierte Technologie analysieren Menschen als statistische Datenpunkte. Die wahrscheinlichste Lösung heilt und die Zahlen sprechen am Ende für sich. Die Schlussfolgerungen vieler Algorithmen sind so komplex, dass kein Mensch mehr nachvollziehen kann, wieso eine bestimmte Entscheidung getroffen wurde. Wir sehen nur das Ergebnis und haben dann die Wahl: Wollen wir für größere Heilungswahrscheinlichkeit die individuelle Entscheidung aufgeben?

Was hier nach Dystopie klingt, sollte uns jetzt nicht bis zum Äußersten verunsichern. Sich diese Fragen zu stellen bedeutet auch, sich mit allen möglichen Blickwinkeln und Konsequenzen des eigenen Handelns zu beschäftigen. Gerade im Gesundheitsbereich sollte immer auch der Nutzen und die Sicherheit für den Patienten im Vordergrund stehen, wenn es um neue Technologien geht. Dabei ist die Lösung aber sicher nicht, neue technologische Entwicklungen pauschal als gefährlich abzustempeln. Ein echter Diskurs muss hier das vorrangige Ziel sein.

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