Angst vor Nadeln? Neue Impf-Kampagne von Merck

20.12.2016 Kampagnen
2 Minuten Lesezeit
(c) Kaplan Thaler Group/http://www.zostavax.com

Eine neue Kampagne von Merck wirbt mit Angst – und versucht so, die Rate der geimpften Erwachsenen in Amerika zu erhöhen und natürlich den eigenen Absatz zu steigern.

Angst vor Impfungen

Impfungen sind in Amerika ein besonders schwieriges Thema. Sie werden nicht einfach nur als lästige Aufgabe gesehen, der man gelegentlich nachgehen muss, sondern auch als Risiko. Denn viele Gruppen propagieren mit Halbwissen alle möglichen „Nebenwirkungen“ der Impfungen: Von Aliensendern bis zu Autismus soll alles mögliche „eingeimpft“ werden.

Dazu kommen die allgemeinen „Probleme“ beim Impfen: Bequemlichkeit und wenig Wissen. So ganz klar ist vielen nicht, welche Impfungen sie eigentlich brauchen und welche nicht.

Seit ungefähr zehn Jahren empfiehlt das Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) in Amerika beispielsweise die Impfung gegen Herpes Zoster (Gürtelrose) für Menschen über 60. Seit fünf Jahren ist die Altersklasse auf Menschen ab 50 erweitert.

Neue Kampagne von Merck wirbt mit Angst

Die neue Kampagne von Merck wirbt mit der Angst vor der Krankheit, nicht vorm Impfen. Gürtelrose verläuft oft vergleichsweise „harmlos“. Gerade für ältere Patienten kann sie aber durchaus gefährlich werden. Außerdem ist das Ansteckungsrisiko gegenüber schwangeren sehr groß.

Die Kampagne setzt bei der Sorge um die eigene Gesundheit an: Düstere Bilder zeigen eine Frau beim Schwimmen und im Off spricht die Stimme der Krankheit. „Es ist beeindruckend, Linda, wie wenig dir dein Alter zu schaffen macht. Aber dein Immunsystem wird trotzdem schwächer und es wird einfacher für mich, den Gürtelrosenvirus. Ich lauere in dir, seit du Windpocken hattest. Und ich könnte jederzeit als schmerzhafter, blasiger Ausschlag an die Oberfläche kommen. Einer von drei Leuten erkrankt in seinem Leben an mir, Linda. Wirst du dazu gehören?“

Dieser Tonfall ist nicht ungewöhnlich für eine neue Reihe von Impfkampagnen in Amerika.

Aufschrecken statt nur zu erschrecken

Die Kampagnen sollen nicht einfach Angst machen, sondern, so Marketingchef Patrick Bergstedt von Merck, vor allem dazu mahnen, etwas zu tun. „Tu etwas, bitte.“ – diese Botschaft, sollte die Zuschauer erreichen und natürlich dazu auffordern, den Impfstoff von Merck zu kaufen.

Ohne die negativen Folgen der Krankheit in drastischen Bildern zu zeigen, wird sehr deutlich, welche Auswirkungen eine Erkrankung haben könnte. Auch wenn der Virus nur in wenigen Fällen „Lindas“ Leben gefährdet, ist die düstere Stimmung angemessen.

Ähnlich wie andere Krankheiten aus dieser Reihe der düsteren Impfkampagnen – Keuchhusten und Hirnhautentzündung – sind die Folgen vor allem auch für andere schwerwiegender als für die Zielgruppe. Eltern und Großeltern sind vielleicht bereit, eine eigene Krankheit zu ignorieren. Aber sie setzen sich stärker ein, wenn sie wissen, dass die Krankheit auch ihr Kind oder Enkelkind bedroht.

Während der „blasige Ausschlag“ für einen Erwachsenen „nur“ unangenehm ist, kann er für Kinder oder gerade Neugeborene viel gefährlicher sein. Ähnlich sieht es mit Keuchhusten aus. Deswegen verwandelt sich im passenden Video dazu von GlaxoSmithKline auch eine Großmutter in den Wolf, der das Kleinkind hält.

Die richtige Balance der passenden Emotionen

Die neue Kampagne von Merck spricht ältere Erwachsene an und bringt die eindringliche Botschaft „Du solltest wirklich etwas tun!“ rüber. Das gleiche Prinzip lässt sich nicht auf alle Bereiche übertragen. Und das Thema Impfen ist ein durchaus emotionales. Auch hierzulande gibt es immer wieder Diskussionen und sogenannte „Impfgegner“.

In Deutschland läuft beispielsweise die Kampagne „Deutschland sucht den Impfpass“, die verschiedene, meist junge Leute auf der Suche nach diesem Dokument zeigt. Die Botschaft ist klar: Impfungen sind auf jeden Fall notwendig und richtig. Sie tatsächlich zu bekommen ist vor allem eine Frage der Organisation. Ist der Impfpass gefunden, werden viele Impfungen immerhin auch von den Krankenkassen bezahlt.

 

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