Apples Research Kit fehlt bisher ein Feature für langfristige Bindung

06.10.2016 Studien
3 Minuten Lesezeit

Apples Research Kit hat vor einiger Zeit bereits begonnen, Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen dabei zu helfen, iOS-Apps zu designen. Während die Möglichkeiten immer besser angenommen werden, tauchen neue Herausforderungen auf.

Das Research Kit wurde ursprünglich von Apple entwickelt, um es Forschern leichter zu machen, Apps für ihre Arbeit zu nutzen. Während in der Vergangenheit Tests und Studien meist vor Ort oder unter viel Aufwand in der Wohnung der Patienten stattfinden mussten, können durch gute Apps auch Studien entstehen, die Patienten jeden Tag begleiten. Patienten sollen motiviert werden, jeden Tag Informationen über sich preis zu geben oder an Studien teilzunehmen.

Das funktioniert beispielsweise mit der App Sea Hero Quest bisher gut – die meisten Apps erreichen aber nur initial viele Menschen und flauen dann ab. Patienten nehmen am Anfang teil, aber verschwinden wieder. Das ist zumindest das bisher beobachtete Phänomen. Ein zweiter Kritikpunkt bei der Verwendung von Apples Software ist die Reichweite und Vorauswahl der Kunden. Apples Geräte gelten als Luxusgut und man erreicht über iOS eben „nur“ rund 13% der Smartphonenutzer.*

Apples Research Kit schränkt den Nutzerkreis ein

Software, die nur auf iOS-Geräten läuft, erreicht auch nur Applenutzer. Auch wenn Apple eine riesige Präsenz auf dem Markt hat, nutzen nur wenige Anwender iOS-Geräte. Dem stehen zwar vergleichsweise kleine Zahlen anderer Anbieter gegenüber (wie 0,6 % für Windows Phone und 0,1 % fürs Blackberry), aber auch die enorm große Zahl von 86,2 % für Android.

Unternehmen, die mit Apps Geld verdienen wollen kennen die unterschiedlichen Nutzergruppen und richten sich dementsprechend aus. Luxus und iOS sind stärker verbunden. Es gibt sogar Apps, die für Android nichts kosten und auf dem iPhone kostenpflichtig sind – und das System funktioniert.

Für Forscher ist so eine Einschränkung natürlich vor allem dann bedenklich, wenn ihre Ergebnisse nicht auf eine bestimmte Gruppe beschränkt sein sollen. Wenn es um allgemeine Forschung geht oder ein Produkt nicht nur für Besserverdiener entwickelt werden soll.

Es gilt langfristiger zu denken

Viele Apps, die im ersten Schub durch Apples Research Kit entstanden sind, haben einen kurzfristigen Höhenflug erlebt und sind dann mehr oder weniger ausgelaufen. Patienten müssen durch verschiedene Ansätze motiviert werden, langfristig zur Forschung beizutragen. „Altruismus“ ist dabei ein Anreiz, der häufig genannt wird. Der große Vorteil der einfachen Botschaft „Durch Ihren Beitrag helfen Sie langfristig anderen Patienten.“ ist für Unternehmen natürlich, dass diese Motivation kostenlos bleibt.

Sie fruchtet aber eben nicht dauerhaft. Um Patienten zu motivieren, täglich Daten über sich in ihr Smartphone zu tippen, bedarf es etwas mehr als einem „Danke!“-PopUp auf dem Bildschirm. Der Nutzen des Patienten sollte nicht vernachlässigt werden, denn nur so können Langzeitbeobachtungen erfolgreich sein.

Incentives: Ansporn zur Teilnahme

Dabei kann man sich an klassischen Studien orientieren: Neben Bezahlung in Form von Aufwandsentschädigung bieten viele Onlinestudien oder -Fragebögen beispielsweise eine Kurzauswertung an. Kein Patient muss dafür betrogen werden: Auch wenn die Vorteile klar beworben werden – beispielsweise die Möglichkeit, seine eigenen Symptome grafisch übersichtlich zu überblicken – darf ein Hinweis auf die Studie selbst nicht fehlen.

Viele Forscher und Entwickler glauben, dass diese Möglichkeiten für Patienten interessant werden, wenn sie die Daten ihrem behandelnden Arzt mitbringen können. Wenn der Veränderungen anhand der Aufzeichnungen mit ihnen bespricht, kann er Therapieansätze vorschlagen. Das idealisiert aber vielleicht ein wenig die Beziehung zwischen Arzt und Patient. Gewisse Informationen behält ein Patient oft lieber für sich – oder trägt sie vielleicht in eine anonyme App ein.

Patienten, die beispielsweise ihren Salzkonsum einschränken sollen oder Entspannungsübungen machen sollen, befürchten von ihrem behandelnden Arzt (teilweise zurecht) eine Maßregelung. Durch die Aufzeichnungen in einer App können sie dagegen direkt selbst sehen, welchen negativen oder positiven Einfluss das Einhalten und Brechen der „Regeln“ hat. Verspricht die App guten Datenschutz, kann sie so sogar positiven Einfluss auf das Verhalten von Patienten haben.

Umdenken bei der Konstruktion von Forschungsapps mit oder ohne Apples Research Kit ist angesagt. Nachdem sich die erste Aufregung um neue Funktionen und Möglichkeiten gelegt hat, steht als nächstes eine erste Reihe von Verbesserungen an. Auch bei denen sollte – ganz angelehnt an die Marketingweisheiten – der Patient (oder Studienteilnehmer) im Mittelpunkt stehen.

*Quelle: IDC; Gartner, 2016

Print Friendly, PDF & Email