Arzneimittel Apps – Diese Anwendungen sollten Sie kennen!

16.08.2019 Trends
6 Minuten Lesezeit

Dass der Gesundheitssektor immer digitaler wird, ist kaum mehr zu übersehen. Neben den großen Pharmaunternehmen in Deutschland, die nach und nach die sozialen Netzwerke Facebook, Instagram und Co besetzen, nutzen nun auch mehr und mehr kleinere medizinische Unternehmen das Internet für sich.

Arzneimittel Apps – Diese Anwendungen sollten Sie kennen!

Zwischen dem digitalen Wandel der Gesundheitsbranche fallen einige Innovationen besonders auf. Dazu zählen  insbesondere Arzneimittel Apps und medizinische Programme sowie Portale. Diese Programme für mobile Geräte wie Handys oder Tablets und auch Computer, ermöglichen es Ärzten und Patienten ganz einfach herauszufinden, wie Symptome zuzuordnen sind oder welche Medikamente akute Beschwerden lindern könnten. Das sind nur zwei von vielen Beispielen, welche auf die neuen Programme zutreffen.

ePharmaINSIDER hat sich für Sie mit den besten Arzneimittel Apps auf dem Markt auseinandergesetzt. Im heutigen Artikel möchten wir Ihnen die sinnvollsten Anwendungen, die Sie kennen sollten, einmal vorstellen.

Welche Arzneimittel Apps haben es in den medizinischen Alltag von Praxen, Krankenhäusern und Ärztehäusern geschafft?

Nach der Befragung von coliquio in Deutschlands Ärzte 360° kam heraus, dass die fünf am häufigsten von deutschen Ärzten genutzten Apps „IFAP Arznei Aktuell“, „stiko@rki“, „Gelbe Liste PharmaIndex“,  „Arzneimittel Pocket“ und „Embryotox“ sind.

IFAP Arznei Aktuell

Diese Arzneimittel App steht bei Ärzten sehr hoch im Kurs. Fast jeder zweite Arzt nutzt dieses Programm nach der Befragung täglich in seinem Berufsalltag. Die Arznei-App Arznei Aktuell, stellt dem behandelnden Arzt dabei die volle Arzneimittel-Datenbank von IFAP zur Verfügung. In dieser befinden sich über 80.000 gelistete Medikamente mit knapp dreieinhalbtausend Wirkstoffen.

Benötigt ein Patient ein bestimmtes verschreibungspflichtiges Medikament, kann der Arzt die Arzneimittel App dazu nutzen, um herauszufinden, ob Wechselwirkungen mit anderen Stoffen vorliegen, oder eine Fahruntüchtigkeit nach der Einnahme zu befolgen ist. Die App Arznei Aktuell ist dabei in komplettem Umfang kostenlos verfügbar und bietet vollen Zugriff auf die gesamte Datenbank von IFAP.

Arznei Aktuell Vorschau

Stiko@RKI

Die Stiko ist die erste Impf-App, die es für Ärzte auf dem Markt gibt. Herausgebracht wurde sie vom Robert Koch Institut (RKI). Die Arzneimittel App der Ständigen Impfkommission (STIKO) beantwortet dem Arzt jegliche Fragen über zugelassene Impfstoffe. Zudem kann erstmals digital der Impfstatus des jeweiligen Patienten abgerufen werden. In der Anwendung lassen sich schnell die relevanten Daten, wie Alter, Geschlecht, Impfstatus und –historie eintragen. Ausstehende Impfungen und Impflücken können auf diese Weise identifiziert werden.

In der technischen Anwendung liegt der Vorteil der App darin, dass Ärzte das Programm einerseits von jedem mobilen Gerät verwenden können und andererseits auch eine Desktop-Version zum Download verfügbar ist. Im weiteren Umfang der Arzneimittel App des Robert Koch Institutes findet man auch einen Ratgeber über häufig gestellte Fragen zum Thema Impfen, sowie zugehörigen präventablen Krankheiten.

Diagnosia

Im Jahr 2011 wurde Diagnosia von einem Team aus Medizinern, Betriebswirten und Softwareexperten gegründet. Dahinter steckt eine umfassende Arzneimittel-Datenbank mit medizinischen Erkenntnissen über die Wechselwirkungen von Medikamenten. Mehr als 4.500 Ärzte nutzen die App täglich in ihrem medizinischen Alltag. Die Informationen stammen von nationalen sowie internationalen Zulassungsbehörden sowie dem Karolinska Institut. Die Diagnosia-Datenbank steht sowohl in mobiler Version als auch als webbasierte Applikation zur Verfügung. Ein Barcode-Scanner oder die Spracheingabe, Offline-Verfügbarkeit sowie eine In-App-Chat-Funktion zeichnet die Usability dieses Tools aus. Zusätzlich stehen verifizierten Ärzten Key Opinion Leader diverser Fachrichtungen über das Digitale Konsil In-App für medizinische Fälle zur Verfügung.

Diagnosia

Gelbe Liste Pharmaindex

Über vierzig Prozent der deutschen Ärzte nutzen das Programm Gelbe Liste Pharmaindex. Neben Wirkstoffen und Medikamenten, wie man sie auch mit Arznei Aktuell recherchieren kann, eignet sich die Gelbe Liste Pharmaindex auch dazu nach Herstellern, ATC oder dem ICD-10 System zu suchen. Die Datenbank gestaltet sich dank dieser Funktionen als noch genauer und detailreicher. Aufgrund dessen richtet sich die Anwendung explizit an Experten der Pharma- und Medizinbranche. Dank der leicht zu bedienenden Suchfunktion, erhalten Anwender der App schnell alle relevanten Informationen angefangen bei der Anwendung, über Nebenwirkungen bis hin zu Packungsgrößen von jeglichen Medikamenten und Wirkstoffen. Für eine erleichterte Suche vor Ort, hat das Programm zusätzlich einen Barcode-Scanner integriert, mit dem sich Medikamente schnell ausfindig machen lassen.

Arzneimittel Pocket

Diese App, die vom Börm Bruckmeier Verlag entwickelt wurde, wird nach der Umfrage immerhin noch von etwas mehr als jedem dritten Arzt täglich verwendet. Ähnlich, wie die anderen Arzneimittel Apps der Konkurrenz, informiert Arzneimittel Pocket den behandelnden Arzt über mehr als anderthalb tausend Wirkstoffe und mehr als dreieinhalb tausend Handelsnamensgebungen. Hinzu kommt eine sehr detailreiche Auflistung aller Wirkungen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Wechselwirkungen. Verglichen mit der Arzneimittel App IFAP Arznei Aktuell, ist Arzneimittel Pocket hinsichtlich der Wirkstoffe zwar nicht so breit aufgestellt, geht dafür jedoch in die Tiefe.

Zum Wirkstofflexikon des Programms kommen insbesondere Therapierichtlinien zu verschiedensten medizinischen Feldern. Diese fangen an bei Anästhesie, über Notfallmedizin, HNO und Psychiatrie, bis hin zu Dermatologie, um nur eine Hand voll zu nennen. Zuletzt wird die App aufgrund der Auflistung von Notfallmedikamenten besonders von Sanitätern und Notfallmedizinern geschätzt.

embryotox

Embryotox richtet sich, wie der Name bereits erahnen lässt, an Ärzte und Hebammen, die mit Patientinnen in der Schwangerschaft und Stillzeit zu tun haben. Das Programm liefert Informationen über bislang rund 400 Wirkstoffe. Der Nutzer kann für diese Wirkstoffe einsehen, ob sie für die Schwangere oder Stillende als riskant oder sicher gelten. Auf diese Weise kann der behandelnde Mediziner schwangere und stillende Frauen direkt über mögliche Wechselwirkungen oder Risiken, die mit dem jeweiligen Wirkstoff in Verbindung stehen, aufklären. Dieser Schnellzugriff auf Informationen über die Arzneimittel App embryotox hilft den Frauen Sicherheit zu vermitteln, die sich um des Kindes Gesundheit bemühen.

Die App arbeitet dabei mit einem einfachen Ampelsystem, welches das Verständnis des Programmes simple gestaltet. Der Vorteil dessen liegt auf der Hand: Schwangere und Stillende können mit einem Blick auf die Ampel selbst einschätzen, ob sie ein Medikament während der Schwangerschaft für unbedenklich halten oder lieber noch einmal mit dem behandelnden Mediziner sprechen sollten. Das System verleiht den Frauen zusätzliche Sicherheit.

Embryotox ist derzeit noch ein relativ überschaubares Programm mit gutem Potential zur Ausbaufähigkeit. Die App wird entwickelt  und angeboten vom Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin in Berlin.

arznei apps

Die Digitalisierung hält in der Gesundheitsbranche ein: Weitere Arzneimittel Apps und Medizin-Programme

Neben den klassischen Arzneimittel Apps, die meistens von Ärzten verwendet werden, gibt es noch einige weitere spannende Gesundheits-Programme, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Dazu zählen die Dienste „medgate“, „docdirekt“ und die App „LifeTime“.

Während medgate und docdirekt sich auf die digitale Bereitstellung eines Arztes für den Patienten kümmern, fokussiert die LifeTime App ein ganz anderes Konzept, Laborberichte und vertrauliche Patienten-Dokumente können mit diesem Programm sicher verschickt werden.

medgate

Medgate ist eine der ersten Digital Health Lösungen im deutschsprachigen Raum. Das Schweizer Tele-Medizin Unternehmen ist dennoch kein neuer Player am Markt. Tatsächlich feiern sie im nächsten Jahr schon ihr zwanzig jähriges Bestehen. Dennoch, mit der Zeit hat sich einiges getan. Mit über dreihundert Mitarbeitern ist Medgate mittlerweile das größte Telemedizin-Zentrum in ganz Europa.

Passend zum digitalen Wandel lässt sich Medgate, genauso wie die Arzneimittel Apps, einfach auf das eigene Smartphone holen. Die Medgate-App ermöglicht es Patienten und Ärzten von überall auf der Welt schnell und sicher über das Internet zu kommunizieren. Das spart zum einen Zeit für Ärzte und Patienten. Zum anderen müssen Patienten, die zur Gesundung eigentlich nicht das Bett verlassen sollten, nicht mehr den unter Umständen weiten Weg in die Praxis auf sich nehmen. Dank der fortschrittlichen Medgate-App kommt der Arzt zum Patienten, wo auch immer dieser sich aufhalten mag.

Für die Untersuchungen bietet die Anwendung auch eine integrierte Terminbuchung. Bis zu 48 Stunden im Voraus kann auf diese Weise direkt ein Termin für ein digitales Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens eingebucht werden. Im nächsten Schritt können Dokumente wie Fotos oder Beschreibungen der Beschwerden des Patienten in der App hochgeladen werden. Passiert das im Vorhinein, hat der Arzt bereits Zeit sich die Daten anzuschauen. In Kombination mit anderen Arzneimittel Apps, kann der Mediziner sich bereits vor dem eigentlichen Gesprächstermin ein Bild vom Patienten machen und Behandlungsmöglichkeiten, sowie Medikamente eruieren.

docdirekt

Docdirekt lässt sich natürlich wie alle andere Arzneimittel Apps auch auf jedes mobile Gerät laden. Das Programm stellt Patienten zu jeder Zeit an jedem Ort einen sogenannten „Online-Arzt“ zur Verfügung. Im Gegensatz zu Medgate bleibt Docdirekt dabei jedoch vollkommen kostenlos. Die Diagnose erfolgt bei Docdirekt ebenfalls telemedizinisch durch einen geschulten Arzt.

Im ersten Schritt müssen Sie sich die App auf Ihr Mobiltelefon laden. Über die Anwendung lassen sich beratende Ärzte wochentags von neun bis neunzehn Uhr erreichen. Bei auftretenden Beschwerden kann der Patient sich in dieser Zeit einfach per App melden. Im Anschluss nimmt eine medizinische Fachangestellte alle Personalien des Patienten auf. Dann werden die vertraulichen Daten sicher an einen Tele-Mediziner weitergeleitet. Im nächsten Schritt meldet sich der Arzt beim Patienten, sobald dieser Zeit hat. Falls notwendig kann im Anschluss des Gespräches auch sofort ein persönliches Gespräch in einer Praxis vereinbart werden. Um zu überprüfen, ob sich der Patient auf dem Weg der Genesung befindet, meldet sich die medizinische Fachkraft, die zuvor die Daten des Patienten entgegen genommen hat, noch einmal beim Patienten.

LifeTime

Das letzte Programm, das wir Ihnen in Verbindung mit Arzneimittel Apps vorstellen möchten, ist LifeTime. Der digitalisierte, medizinische Dienst richtet sich insbesondere an medizinische Einrichtungen wie Kranken- und Ärztehäuser, sowie Gesundheits- und Reha-Zentren. LifeTime ermöglicht es Ärzten und Praxisteams jegliche Patientenbefunde in Form von Bildern und weiteren Dateiformaten direkt an Kollegen oder Patienten zu versenden. Der Dienst legt dabei großen Wert auf Sicherheit bei den sensiblen Daten.

Sicherheit ist bestimmt die wichtigste Frage für einen Digital-Dienst wie LifeTime. Zur Übertragungssicherheit setzt die App dabei auf eine asymmetrische Verschlüsselung. In Kombination mit einer zusätzlichen  Zwei-Faktor-Authentifizierung sorgen höchste Standards der Sicherheit dafür, dass wirklich nur Ärzte und Patienten auf die Daten zugreifen können.

Ein immenser Vorteil der Digitalisierung aller medizinischen Dokumente via App sind die Kostenersparnisse, die sonst durch Druckpapier und Porto anfallen würden. Zudem kann man als Patient ein Profil innerhalb der App anlegen. Diesem gesicherten Profil werden dann die Daten zugeordnet. Auf diese Weise wird die Kommunikation via App zwischen Ärzten und Patienten erleichtert.

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