Zu früh gefreut: Britische Arzneimittelaufsicht straft AstraZeneca

03.04.2022 Trends
2 Minuten Lesezeit

Eine britische Arzneimittelaufsichtsbehörde straft Unternehmen für unerlaubte Marketingaktivitäten. Darunter ist auch der COVID-Impfstoff-Lieferant AstraZeneca.

Im November 2020 klang es nach der lang ersehnten Befreiung: Das britische Pharma-Unternehmen AstraZeneca gab Studiendaten bekannt, wonach sein neu entwickelter Impfstoff bei der Vorbeugung von COVID-19 hochwirksam sei. Diese Tatsache bejubelte ein in den USA tätiger, leitender Mitarbeiter des Unternehmens auf LinkedIn mit begeisterten Worten.

„Das ist erst der Anfang. Ich bin all jenen dankbar, die unermüdlich an diesem Impfstoffprogramm gearbeitet haben. Es gibt vielen Staaten auf der ganzen Welt neue Hoffnung“, schrieb er. Mit den zahlreichen Hashtags wie #happythanksgiving, #vaccines, #covidinnovation und #immunization verlinkte er auf eine Pressemitteilung, in der über die damals sensationelle Neuigkeit berichtet wurde.

Posten und liken als unerlaubte Werbung

Neun Mitarbeiter in Großbritannien haben den Beitrag geliked und verbreiteten ihn damit in ihrem Netzwerk und in weiterer Folge an die britische Öffentlichkeit. Und dafür wurde das Unternehmen nun bestraft.

Aus welchem Grund? – möchte man fragen. Die durch das Liken auf einer Social-Media-Plattform erfolgte Verbreitung an die britische Öffentlichkeit, stellt einen Verstoß gegen den Verhaltenskodex des Verbandes der britischen Pharmaindustrie (ABPI) dar. Die dem Verband beigeordnete Aufsichtsbehörde (Prescription Medicines Code of Practice Authority PMCPA) sah nämlich in dem nach außen dringenden Jubel über die Forschungserfolge eine Werbung für einen nicht zugelassenen Impfstoff.

Und dafür gab es jetzt eine Strafe, wie Mitte März in britischen Branchenmagazinen berichtet wurde. Demnach wurden AstraZeneca und vier andere Unternehmen wegen Marketingaktivitäten belangt, die gegen die Industriestandards verstießen und geeignet waren, „das Ansehen der Pharmaindustrie in Misskredit zu bringen und das Vertrauen in die Branche zu erschüttern.“

Zwar verteidigte AstraZeneca das Posting, das laut Aussage des Unternehmens gar nicht als Werbung gedacht war, sondern lediglich eine persönliche Anschauung eines Mitarbeiters darstellte. Das ließ die Regulierungsbehörde aber nicht gelten. Denn das Posting habe die Aufmerksamkeit auf die Forschung eines Unternehmens gelenkt – „zu einem Zeitpunkt, an dem großes öffentliches Interesse an der Thematik bestand.“

…zum Zeitpunkt erhöhten öffentlichen Interesses…

Überdies wird die Tatsache, dass es sich bei dem postenden Mitarbeiter um einen Angestellten in führender Stellung handelte, in die Abwägung mit eingeflossen sein. Einem leitenden Angestellten wird man die Einsicht über die (auch juristischen) Konsequenzen seines Handelns in sensibler Umgebung unterstellen dürfen – vor allem in Hinblick auf die Aufmerksamkeit, die ein Publikum seiner Expertise und seinen Unternehmenseinblicken gegenüber aufbringt.

Auch die Mehrheit der anderen disziplinierten Pharma-Unternehmen wurden wegen Verstößen des Direct-to-Costumer-Werbeverbotes für verschreibungspflichtige Medikamente in sozialen und elektronischen Medien belangt. So etwa wurde eine Schönheitsklinik für das Bewerben von Botox-Behandlung in der Öffentlichkeit gestraft.

Interessant ist bei den Vorfällen die Tatsache, dass der strafwürdige Sachverhalt offenbar nicht lediglich aus der Posting-Handlung eines leitenden Mitarbeiters besteht, sondern dass das Liken von geposteten Erfolgsmeldungen durch nicht an Marketingaktionen beteiligten Mitarbeitern als Teil der strafwürdigen Aktivitäten angesehen wurde.

Print Friendly, PDF & Email