Auf Digitalisierungskurs: Der Vormarsch der Telemedizin

28.05.2019 Trends
2 Minuten Lesezeit

Eine weitere Digitalisierung der Gesundheitsbranche ist notwendig – hier sind sich alle Experten einig. Die neuesten Innovationen, Projekte und Versorgungslösungen auf dem Markt verfolgen zwar häufig ähnliche Ziele, unterscheiden sich jedoch in ihren Ansätzen teilweise sehr stark. Wir bieten Ihnen einen Überblick über den Fortschritt der Telemedizin.

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In der digitalen Zukunft angekommen?

Deutschland zieht in der Pharma-Branche den Ruf nach sich, in Sachen Digitalisierung noch weit hinter anderen Ländern hinterherzuhinken. Dabei gibt es einige Digitalprojekte und telemedizinische Versorgungslösungen, die ganz aktiv das Gegenteil beweisen möchten. Am Bayerischen Tag der Telemedizin (BTT), der von der Bayerischen Telemedallianz (BTA) initiiert wurde, wurde deutlich, dass die deutsche Telemedizin bereits im Jahr 2019 angekommen ist. Trotzdem gaben die Experten zu bedenken, dass es für ein leistungsfähiges und finanzierbares Gesundheits- und Pflegewesen noch mehr digitale und telemedizinische Innovationen braucht.

Die Preisträger des am BTT verliehenen Bayerischen Innovationspreis Gesundheitstelematik (BIG) dienen der Gesundheitsbranche dabei als Vorbild. In diesem Jahr ging der erste Platz auf dem Treppchen an das Projekt deepc, welches ein Diagnostic Decision Support System entwickelt und mit künstlicher Intelligenz pathologisches Gewebe analyisieren kann. Die Silbermedaille sicherte sich der mobile Kommunikationsassistent „MobiKA“. Mit diesem multifunktionalen Roboter sollen Ältere oder Pflegebedürftige ihren Alltag selbstständiger bestreiten können. Den dritten Platz machte die Innovation „Pathologie 4.0“, die Pathologielabore auf Dauer digitalisieren möchte. Das soll die finanzielle Rentabilität eines Labors sichern und die Effizienz steigern.

Diese Innovationen sind aber bei weitem nicht die einzigen Veränderungen auf dem telemedizinischen Markt.

Deutschland auf dem Weg zu Smart Hospitals

Die Telemedizin rückt auch bei der Zukunftsplanung deutscher Klinikketten wie Asklepios, Helios oder dem Rhön-Klinikum immer mehr in den Mittelpunkt. Eine spezielle Form der Telemedizin sind nämlich die sogenannten Smart Hospitals. Patienten sollen in Smart Hospitals unter anderem mit Ärzten vernetzt sein, die Ärzte wiederum mit der Verwaltung. Dazu muss sich zumindest der Patient nicht mehr unbedingt in Behandlungsräumen aufhalten, sondern kann von Technologien wie Apps zur Patientenbetreuung – ganz Zukunftsmusik – aus den heimischen vier Wänden Gebrauch machen.

Bis zum letzten Jahr waren Vorstöße in eine solche Richtung nahezu undenkbar. Erst beim Ärztetag 2018 wurde nämlich beschlossen, dass Ärzte nun auch Patienten via Internet behandeln dürfen, wenn sie vorher noch keinerlei Kontakt zueinander hatten. Die deutschen Klinikketten möchten von der Lockerung des Verbots der ausschließlichen Fernbehandlung natürlich profitieren und in Sachen Digitalisierung schnell aufholen.

Telemedizinische Projekte in Klinikkonzernen

So kündigte der CEO der Asklepios Kliniken, Kai Hankeln, an, dass sein Unternehmen bis 2024 rund 500 Millionen Euro in Digitalisierung – und damit auch in Telemedizin – investieren wird. Ein Teil des Budgets ist bereits fix für die Einführung der digitalen Patientenakte vorgesehen. Bis 2021 sollen damit zunächst alle Patienten der Hamburger Konzernkliniken digital erfasst werden. Andere Standorte sollen schnell nachziehen. Außerdem möchte man noch in diesem Jahr bei Asklepios eine telemedizinische Plattform launchen, die Patienten medizinische Videoberatung gegen Gebühr anbietet.

Den Ansatz der Videoberatung möchte auch die Klinikkette Helios für sich nutzen und weiterentwickeln. Bisher wurde dazu das Schlaganfallnetzwerk „Helios Neuronet“ gestartet. Wie das funktioniert? Ein Beispielszenario: Eine Person erleidet einen Schlaganfall und kann nicht direkt in ein Krankenhaus mit neurologischer Abteilung transportiert werden. Durch „Helios Neuronet“ kann sich der Arzt im behandelnden Krankenhaus jedoch per Videokonferenz mit anderen Experten zu den vorhandenen CT- und MRT-Bildern des Patienten abstimmen. Dem Patienten soll so möglichst schnell und effektiv geholfen werden.

Große Ambitionen im Bereich Telemedizin hat man im Klinikkonzern Rhön-Klinikum. Stephan Holzinger, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG, setzt sich immerhin die Marktführung bei den telemedizinischen und digitalmedizinischen Dienstleistungen zum erklärten Ziel der nächsten Jahre. Die Gründung einer telemedizinischen Gemeinschaft mit dem Schweizer Telemedizinanbieter Medgate soll dafür der erste logische Schritt sein. Aktuell steht noch kein Termin für den Start der Gesellschaft fest. Später sollen aber ungefähr 30 Prozent aller ambulanten Patienten mittels Telemedizin behandelt werden.

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