Beyond the Pill: Medisafe ist mehr als nur ein Wecker

07.06.2017 App
2 Minuten Lesezeit
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Viele Produkte und Apps zur Medikamenteneinnahme sind vor allem Erinnerungen in der ein oder anderen Form an ein Medikament. Zum Beispiel durch eine Nachricht auf dem Smartphone oder ein klingelndes Gerät – die Botschaft ist einfach: Es ist wieder Zeit für die Pille oder Spritze.

Diese Produkte haben viele Vorteile und helfen vielen Menschen, sich besser daran zu erinnern, ein Medikament zu nehmen. Sie sind aber vor allem das: Erinnerungen oder, wie die Hersteller von Medisafe sagen würden, hochstilisierte Wecker.

Ein großer Unterschied zwischen der Herangehensweise von Medisafe und der anderer Produkte ist, dass die Frage nicht einfach nur lautet: „Wann hat der Patient zuletzt das Medikament genommen?“, sondern auch: Warum nimmt er es nicht wie vereinbart?

Ursachenforschung für regelmäßigere Medikamenteneinnahme

Die Gründe, wieso jemand seine Medikamente vergisst, sind vielfältig. Das einfachste Beispiel ist schlicht Ablenkung, Stress oder ein schlechtes Gedächtnis. Gerade Tabletten, die man nur für kurze Zeit nehmen muss, bedeuten oft eine Gewohnheit, die man erst entwickelt hat, wenn man sie nicht mehr braucht. Bei chronischen, langfristen Krankheiten vergisst man die regelmäßige Aktion schnell.

Aber es gibt auch Gründe, wieso Menschen Medikamente nicht einfach vergessen, sondern absichtlich nicht nehmen. Dazu zählen gerade in Amerika und anderen Ländern ohne flächendeckende Gesundheitssysteme finanzielle Schwierigkeiten. Patienten strecken Medikamente und nehmen beispielsweise nur jede zweite Dosis ein oder verzichten ganz darauf, ein Medikament nachzukaufen.

Oder Patienten haben das Gefühl, dass ein Medikament gar nicht wirkt, zu wenig wirkt oder die Nebenwirkungen stärker sind als die erhoffte Erleichterung. Also setzen sie ein Medikament ab, weil sie frustriert sind.

Ansätze durch eine App zur Medikamenteneinnahme

Die App Medisafe will all diesen Gründen etwas entgegensetzen können. So sollen Patienten aus ganz unterschiedlichen Gruppen zu einer besseren Medikamenteneinnahme gebracht werden.

Eine Erinnerungsfunktion bietet Medisafe natürlich wie andere Apps auch. Dabei wird aber vor allem auch darauf geachtet, dass die Erinnerungen nicht mahnend oder finster daherkommen. Die Patienten sollen motiviert werden, ihre Medikamente einzunehmen und sich an einen Plan zu halten. Dazu arbeitet die App mit positiven Darstellungen und einer freundlichen Oberfläche.

Wenn Patienten aus finanziellen Gründen keine weiteren Medikamente einnehmen wollen, kann die App sie über Alternativen zur Finanzierung informieren. Das kann auch für den Bereich der Zuzahlung zu Medikamenten relevant sein, die grundsätzlich von der Krankenkasse übernommen werden.

Patienten, die an Nebenwirkungen leiden, können mit einem Arzt oder anderen Ansprechpartner verbunden werden. So können sie direkt diskutieren, ob sie das Medikament weiter einnehmen sollten. Präventiv kann die App außerdem zu einem Medikament vorab einblenden, welche Nebenwirkungen normal sind. So wissen Patienten zumindest, dass sie nicht beunruhigt sein müssen.

Apps, die auf den Patienten zugehen

Die neuen Apps machen einen Schritt auf Patienten zu und werden in Hinblick auf vielseitige Konzepte entwickelt. Dadurch, dass im Hintergrund kein einzelner Pharmakonzern steht, ist Medisafe vielseitiger und interessiert an den unterschiedlichen Bedürfnissen von Patienten.

Die App wird zurzeit vor allem von Patienten mit Depressionen ausprobiert. Hier ist gerade die Motivation und Begleitung ein wichtiger Aspekt. Zunächst dauert es recht lang, bis die meisten Medikamente eine Veränderung bewirken können. Später setzen Patienten ein Medikament oft ohne Gespräch mit ihrem Arzt wieder ab und riskieren so einen Rückfall.

Anders als andere Produkte – wie PillsyCap – ist Medisafe nicht nur auf eine Art Medikamente und eine Art der Darreichung spezialisiert. Insgesamt zeigt Medisafe einen starken patientenzentrierten Ansatz, von dem sowohl Patienten als auch Pharmaunternehmen profitieren können. Ein Unternehmen, das die App nutzt oder Daten zur Verfügung stellt, wird als patientennäher wahrgenommen.

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