Boehringer Ingelheim kauft Tiroler Biotech Startup ViraTherapeutics

08.10.2018 Trends
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2013 wurde das Start-Up an der Uni Innsbruck gegründet und jetzt für 210 Millionen Euro von Böhringer Ingelheim aufgekauft. Der deutsche Pharma-Gigant Böhringer Ingelheim hatte sich schon früh an ViraTherapeutics interessiert und sich bereits 2016 die Kaufoption gesichert.

Viren gegen Krebs

Das Innsbrucker Forschungsteam von ViraTherapeutics fokussiert sich auf virenbasierte Krebstherapie. Diese Form der Therapie setzt einerseits auf der Fähigkeit des Immunsystems an, selbst Krebszellen zu bekämpfen – wenn sie als gefährlich erkannt werden. Dazu werden Viren in den Körper von Krebspatienten eingeführt, die spezifisch Krebszellen befallen. Nun wird nicht nur das Immunsystem aktiv, denn der Tumor wird, von einem „cold tumor“ zu einem „hot tumor“. Auch die Viren selbst greifen die Krebszellen an und zerstören oder schwächen sie.

Besonders interessant ist, dass das Immunsystem neben den infizierten auch nicht-infizierte Krebszellen erkennt und bekämpft. So weit zumindest die Idee. Zurzeit arbeiten verschiedene Unternehmen und Start-Ups an Viren, die auf diese Weise Krebs bekämpfen sollen.

ViraTherapeutics‘ Ansatz VSV-GP

Böhringer Ingelheim interessiert sich bereits seit 2016 für die Arbeit der Wissenschaftler aus Innsbruck, die eng mit der Universität verbunden sind und auch nach der Ausgründung weiterhin mit der medizinischen Fakultät kooperieren.

Der Ansatz von ViraTherapeutics ist die Arbeit an VSV-GP, dem „Vesicular Stomatitis Virus with modified glycoprotein“. Dieser Virus wird schon seit mehr als zehn Jahren als Kandidat für die Krebs-Therapie betrachtet und von einigen Teams untersucht.

Zusammenarbeit soll bestehen bleiben

Auch wenn Böhringer Ingelheim das Start-Up jetzt aufgekauft hat, soll die Kooperation mit der Uni bestehen bleiben. Die Übernahme ließ sich Böhringer Ingelheim rund 210 Millionen Euro kosten. Diese Kosten verteilen sich allerdings auf Anteile von 36 %, die Böhringer Ingelheim schon vor der Übernahme hatte, und den Restpreis, der jetzt bezahlt wurde. Die Zusammenarbeit ist also nicht neu, sondern bahnte sich schon seit einiger Zeit an. Dadurch hatten beide Seiten auch Gelegenheit, sich auf den Übergang einzustellen und Absprachen zu treffen.

ViraTherapeutics wird fortan formal ein Teil der Forschungs- und Entwicklungssparte von Böhringer Ingelheim. Der Standort bleibt aber Innsbruck – um die Zusammenarbeit mit der medizinischen Fakultät der Universität weiterhin zu ermöglichen. So kann Böhringer Ingelheim vielleicht weitere Talente sammeln – ein Nebenziel, das das Unternehmen seit einiger Zeit verfolgt.

Böhringer Ingelheim investiert in Gründungsphasen

Böhringer Ingelheim zeigt in letzter Zeit viele Bemühungen, sich als beweglicher Riese zu zeigen. Das große Unternehmen investiert in kleine Start-Ups, wenn sie noch mit Grundlagenforschung beschäftigt sind. Dabei werden geeignete Kandidaten, so das Unternehmen, nach der Kompatibilität mit eigener Expertise ausgewählt.

Außerdem hat Böhringer Ingelheim einige Millionen in die Gründung eines eigenen „Start-Ups“ investiert. In der Auslagerung „BIX“ hat sich Böhringer Ingelheim der Förderung von Talent durch Möglichkeiten verschrieben. Angesprochen werden Talente aus den Bereichen Pharma und Medizin, aber auch IT und Design.

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