Der Nocebo-Effekt: Gute und schlechte Seiten des Symptome-Googelns

Der Effekt von Placebos auf Menschen ist bekannt: ein Medikament muss keine Wirkstoffe enthalten, um eine Wirkung auf Patienten zu haben. Dabei gilt sogar: Je teurer das Placebo, desto besser sein Effekt.

Patienten können sich eine Heilung einreden, die durch nichts anderes als die „Kraft der Gedanken“ erfolgt – auch wenn ihr Mittel der Wahl tatsächlich die Kraft ihrer Gedanken sind. Umgekehrt hat der Geist aber auch starken Einfluss auf den Körper von Patienten, wenn es um negative Wirkweisen geht. Wer eine Reihe von Symptomen hat und ein weiteres intensiv genug fürchtet, bekommt es oft. Beispielsweise nachdem ein Patient die Nebenwirkungen im Beipackzettel gelesen hat, oder sich online über Symptome informiert

Patienten befragen Google vor ihrem Arzt

Viele Patienten informieren sich online vor oder nach einem Arztbesuch. Teilweise suchen sie dabei schon nach einer ersten Diagnose. Anfangs waren Ärzte damit vor allem überfordert: Patienten, die sich schon auf eine Diagnose oder Therapie festgelegt hatten, waren nicht immer gut beraten. Denn im Internet stehen via Google nicht nur seriöse oder zuverlässige Quellen zur Verfügung, sondern auch eine Menge zweifelhafter Informationen.

Wie eine Studie der Bertelsmannstiftung kürzlich zeigte, sind die Patienten mit dieser Vorinformationen eher in der Mehrheit als Minderheit. Also sollten Ärzte auf das Gespräch vorbereitet sein, in dem beide Seiten eine Diagnose anzubieten haben.

Google sorgt für den Nocebo-Effekt

Andererseits hat Google auch echte negative Effekte auf die Behandlung und Diagnose. Patienten, die sich schon auf ein bestimmtes Krankheitsbild versteift haben, entwickeln im Zweifel auch noch Symptome, die sie eigentlich gar nicht gehabt hätten. Und so verwischen sie unabsichtlich die eigentliche Ursache der Krankheit und machen die Behandlung schwerer.

Oder sie bekommen sogar erst durch die Behandlung zusätzliche Probleme. Wenn viele andere Patienten online davon berichten, dass ein bestimmtes Medikament Nebenwirkung X auslöst, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch ein Patient, der davon liest, unter X leidet.

Hier helfen natürlich einerseits seriöse Informationen von Seiten der Gesundheits- und Pharmabranche – die Nebenwirkungen können mit tatsächlichen Zahlen und Wahrscheinlichkeiten versehen werden. Andererseits müssen Patienten gezielt über die Verzerrungen im Internet informiert werden. Ein unzufriedener Mensch meldet sich online mit größerer Wahrscheinlichkeit zu Wort – also tauchen oft mehr negative Berichte auf als Kommentare von beschwerdefreien Patienten.

Google macht die Diagnose einfacher – sogar für Ärzte

Auch Ärzte können von dem Googeln und den Vorinformation der Patienten profitieren. Deswegen lohnt es sich, Zeit in den Bereich „Patienten und Internet“ zu investieren.

Wenn sie sich richtig darauf einlassen und ihre Patienten auch mit den richtigen Informationen versorgen beispielsweise. Dazu müssen Ärzte selbst gute Online-Quellen  kennen, auf die sie ihre Patienten aufmerksam machen können. Dann überspringen Patienten die Suche bei Google und landen direkt bei den passenden Informationen.

Aber auch in anderen Situationen können Ärzte offen bleiben für die „Selbstdiagnose“ der Patienten. Statt genervt zu reagieren, lohnt es sich, die Ideen der Patienten anzuhören – auch, weil dann klar wird, wo ihre Bedenken und Sorgen liegen und welche Symptome sie als wichtig empfinden.

Aber auch, weil Google manchmal Informationen aufwirft, die viele Patienten mit ähnlichen Symptomen zusammengetragen haben. Dann können Ärzte von der Erfahrung einer Community profitieren, die eigentlich sehr klein und weit verstreut ist.


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