Die 10 Social-Media-Trends 2022

15.12.2021 Trends
4 Minuten Lesezeit

Das neue Jahr steht vor der Tür – Zeit um ein wenig zurückzublicken. Wir wollen aber nicht nur zurückblicken, sondern schauen auch ein wenig voraus. Welche Trends stehen uns, vor allem im Bereich der sozialen Medien, im Jahr 2022 bevor und was bedeutet das für Pharma-Social-Media?

1. Live is Life: Livestreaming ist das Leben

TikTok hat kürzlich in UK die Livestream-Funktion derart aufgepeppt, dass man dort jetzt im Livestream klickbare Links einbaut. Das ist ein bemerkenswerter Schritt in Richtung Livestream-Commerce. Die Mitbewerber der anderen Plattformen werden nicht lange warten hier nachzuziehen. Die daraus resultierenden Möglichkeiten sind enorm: Marketing- und Sales-Aktivitäten können ineinander übergehen. Wenn in Awareness-Videos Marken angeklickt werden können, wenn Hashtag-Challenges, Links zu anderen Landing-Pages beinhalten und Live-Performances Produkte verkaufen.

Überhaupt können wir davon ausgehen, dass Live(streaming) auch weiterhin die Trends setzt. Authentizität, Persönlichkeit und die Relatability werden immer stärker die Schlüsselfaktoren für den Erfolg in den sozialen Medien. Die Vermenschlichung der Marke ist und bleibt angesagt. Genauso angesagt sind die organischen Trends, die die Generation Z vorgibt, die eine Welle von Popkultur und aktuellen Ereignissen erzeugen, auf der gutes Marketing surft. Doch – um beim Bild zu bleiben – die Wellenlänge wird sich verkürzen: Nutzer konsumieren Trends in einem rasanten Tempo und es wird die Herausforderung für Marketing (nicht nur im Pharma-Bereich), sich der Schnelllebigkeit anzupassen.

2. TikTok wird zur Supermacht

Da denkt man sich als Pharma-Marketer vielleicht: Na und? Obwohl TikTok noch immer den kindlich-jugendlichen Touch hat, ist die Plattform die am stärksten wachsende. Eine Milliarde User hat TikTok schon – und das können nicht nur Kinder sein. Klar, die Plattform bietet viele Möglichkeiten. Etwa auch die, Gesundheitsinhalte und wissenschaftlichen Informationen schnell und leicht verdaulich unter´s (junge) Volk zu bringen. Davon ist nicht nur Alyssa Palermo von Ogilvy überzeugt, wenn sie klar bekennt: „Tiktok ist eine perfekte Plattform für Pharma-Brands, um simple Informationshäppchen zu publizieren, die uns über komplexe Themen aufklären.“

Ein Beispiel gefällig? Reckitt Benckiser hat es in den USA mit einer aufsehenerregenden Kampagne geschafft, auf TikTok über 120 Millionen Views zu generieren und mit der Hashtag-Challenge #BeatTheZombieFunk das Erkältungsmedikament Mucinex einem jugendlichen Publikum näher zu bringen. Von den Themen Erkältung, Hautpflege und Brustkrebsprophylaxe ausgehend eröffnet TikTok sicherlich enormes Potential für kreative Köpfe im Pharma-Marketing.

3. Augmented Reality dominiert Kunden-Marken-Kommunikation

Augmented Reality (AR bzw. erweiterte Realität) ist ja nichts Neues. Neu wird die Durchdringung des Marketings durch AR-Anwendungen sein. Medizinische Fachliteratur experimentiert zum Beispiel schon länger mit AR-Applikationen zur Produktion realitätsnaher Illustrationen.

Immer mehr Unternehmen werden auf AR setzen, um ihren (potenziellen) Kunden die Möglichkeit zu geben, ihre Produkte zu testen. Hubspot ist der Ansicht, dass AR-Optionen die Klickraten bis hin zum Kauf, um bis zu einem Drittel erhöht.

Vor allem Snapchat glaubt davon zu profitieren. Die Plattform ist zwar sehr jung (in den USA werden 75 % der unter 34-Jährigen erreicht, bei den unter 24-Jährigen sind es über 90 %), aber jedenfalls im Marketing ein Trendbarometer. Im Pharma-Bereich sind das nicht unbedingt die primären Käuferschichten, aber auch Twens werden mal älter – und gesundheitsbewusster…

4. Instagram und Twitter werden für B2B interessanter

Instagram und Twitter sind beide keine New Kids on the Block. Aber im internationalen Markt erreichte Twitter im Jahr 2021 einen Zuwachs von 13 % an täglichen Nutzern. Instagram wuchs 2020 um 14 %. Im Jahr 2021, für das noch keine Instagram-Zahlen vorliegen, wird wohl kaum von einer schlechteren Performance auszugehen sein. Manche Umfragen wollen ein verstärktes Werbe-Engagement vor allem auf Twitter und Instagram voraussehen.

Konsequenterweise gehen Trendscouts davon aus, dass das Marketing-Investment in diesen Kanälen steigen wird. Vor allem die vielfältigen Möglichkeiten der Story-Ads auf Instagram haben es vielen Marketern angetan.

5. Social Selling wird wachsen

2022 werden immer mehr Unternehmen Social Selling nutzen, um User dort zu erreichen, wo sie viel Zeit verbringen: auf Social-Media-Kanälen. Und die Voraussetzungen werden immer besser. Denn alle sozialen Plattformen haben bisher schon viel Geld investiert, um den Usern (und Werbekunden) zu ermöglichen, Produkte direkt zu kaufen, ohne die Plattform zu verlassen.

Am besten ablesen kann man diesen Trend an Instagram. Für Reels, Direct Messages und Live hat Instagram 2021 unzählige Features in seine Welt gekippt, wie Link Stickers für Stories, die Collab-Option zur Erleichterung vom Viral-Gehen, neue Datenanalyse-Tools und – nicht zu vergessen das Cross-App-Messaging mit FB. Insta investiert also viel in eCommerce- und Creator-Tools, um Sales & Marketing zu erleichtern. Menschen kaufen Schuhe über Shoppable Stories, warum nicht auch Heilmittel gegen Erkältungen…

6. SoMe-Werbung wird anspruchsvoller

2022 wird den Tod des Third-Party-Cookies erleben. Das geschieht im Vorfeld des von Google für 2023 angekündigten Auslaufens von Cookie-Tracking. Zwar sind damit einige Browser schon vorgeprescht (Firefox und Safari blocken Third Party Cookies ohnehin schon jetzt), aber mit Chrome stemmt sich der Riese gegen das Cookie-Tracking.

Selbstverständlich bedeutet das für viele Marketer eine Umstellung, wenn man den Streuverlust von Werbung auf sozialen Medien geringhalten will. Ob die neuen Möglichkeiten Goodle AdID, semantisches Targeting oder die von der internationalen Online-Werbebranche vorgestellte anonyme Digitrust Universal ID heißen wird, bleibt abzuwarten.

7. Mehr Video – in kleinen Bissen

Video-Content wird weiterhin im Trend bleiben. Hubspot geht davon aus, dass annähernd neun von zehn Marketern verstärkt in Video-Inhalte investieren wollen. Die Aufmerksamkeitsspanne in sozialen Medien wird auch im Jahr 2022 nicht wachsen. Viele User scrollen endlos durch ihre Feeds. Thumbstopper bremsen sie da nur geringfügig: „Snackable Content“, also wenige Sekunden dauernde Videos, bringt die Botschaften an Mann und Frau.

64 % der US-Marketer denkt verstärkt an Snackable Content: Das ist die Marketing-Antwort auf die Tendenz der User von Youtube, Werbebotschaften bereits nach fünf Sekunden wegklicken zu können. (Ergo muss in fünf Sekunden alles gesagt sein.) Zu welcher Form man hintendieren wird, muss jeder Markenverantwortliche da für sich selbst entscheiden. Aber die Kurzlebigkeit empfiehlt knappe Botschaften, schnell lesbare Hashtags, kurze Videos.

8. Mehr Audio

Was sicherlich auch kommen wird, ist eine verstärkte Hinwendung zu Live-Audio-Chatrooms: Clubhouse startete Anfang 2021 in Europa und Twitter antwortete ein paar Monate später mit Twitter Spaces, und auch Facebook bietet Live Audio Rooms. So bieten sich neue Möglichkeiten der Live-Kommunikation. Diese Mischung aus Podcast und Social Media spricht Junge an. Die Möglichkeit in Echtzeit Menschen persönlich zu erreichen und auf User zu reagieren, bietet vielleicht auch für manchen Pharma-Vermarkter neue Möglichkeiten.

9. Bedeutenderes Influencer-Marketing

COVID 19 brachte in vielen Bereichen neue Entwicklungen. So auch in Social Media. Während der Pandemie vertrauten viele Menschen Influencern deutlich mehr als Marken. Daher wird das Influencer-Marketing auch weiterhin an Einfluss gewinnen. 2022 werden wir noch mehr Influencer erleben, die im Rahmen von Content-Partnerschaften Marketing-Botschaften verbreiten.

Da ist es dann wichtig, sich die richtigen Influencer ins Boot zu holen, die für die eigene Marke passen, auch wenn (oder gerade weil) sie in einem Nischenbereich aktiv sind.

10. Omnichannel-Engagement macht Monitoring und Listening noch wichtiger

Aktuelle Informationen – auch Nachrichten – werden von Usern zunehmend über Social Media konsumiert. Da die meisten User auf mehr als einem Kanal unterwegs sind, ist Omnichannel-Präsenz wichtig. Denn wo die Kunden sind, dort sollte man als Unternehmen auch sein. Das bedeutet aber auch, dass man nicht nur in vielen Kanälen aufscheint, sondern die eigene Präsenz dort auch pflegt: Social Media Monitoring und Social Listening werden auch 2022 bedeutsamer – und benötigen Ressourcen, wenn sie sinnvoll und effektiv sein sollen.

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