Dieses Videospiel soll Kindern mit ADHS helfen

12.12.2017 Kampagnen
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Kinder mit ADHS werden häufig mit Medikamenten behandelt. Zukünftig sollen auch andere Möglichkeiten zur Behandlung des neurologischen Problems stärker in Betracht gezogen werden.

Beispielsweise ein Videospiel, das jetzt von Akili Interactive Labs entwickelt und vorgestellt wurde. Nach einer vierwöchigen Testphase zeigten sich erste Erfolge des neuen Ansatzes.

Ein Spiel als Neuro-Therapie

Das Spiel fällt in die Kategorie Action-Jump’n’Run, in dem der Spieler eine Figur durch Lava oder eine Eiswüste steuert und dabei verschiedene Aufgaben bewältigen muss. Akili Interactive Labs beschreiben die Wirkweise des Produkts relativ allgemein und diffus:

Basierend auf der patentierten EVO™ Technologie des Unternehmens wirkt das Spiel gegen ADHS durch Aktivierung bestimmter Gehirnregionen. Durch EVO™ werden ausgewählte kognitive neuronale Systeme im Gehirn, die durch unterschiedliche medizinische Probleme Mängel aufweisen, aktiviert. AKL-T01 (so der formale Name des Spiels) nutzt „adaptive Algorithmen, um Reize zu präsentieren, die die anvisierten neuronalen Systeme im präfrontalen Kortex aktivieren.“ Der präfrontale Kortex spielt eine Rolle für kognitive Kontrolle und funktioniert bei Patienten mit ADHS weniger gut als bei gesunden Kindern oder Erwachsenen.

Weiter wird die Funktion von AKL-T01 so beschrieben: In einem geschlossenen Regelkreis passt der adaptive Algorithmus automatisch das Level bzw. die Dosis für eine personalisierte Behandlungserfahrung an, die genau auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist.

Wie funktioniert das Spiel gegen ADHS?

So ganz deutlich wird daraus nicht, wie das Spiel funktioniert. Einer Vergleichsgruppe wurde in der Studie ein anderes Actionspiel gezeigt, das sie ebenfalls beschäftigen und unterhalten sollte. Diese Vergleichsgruppe zeigte signifikant geringere objektiv messbare Verbesserungen im Test of Variables of Attention (T.O.V.A.®), der als Hilfsmittel zur Diagnose von ADHS und anderen Aufmerksamkeitsstörungen verwendet wird.

Die Beschreibung der Funktionsweise des Spiels lässt sich allerdings auch auf andere Action- oder Jump’n’Run-Spiele anwenden: Die meisten Spiele verlangen vom Spieler eine gewisse Aufmerksamkeit, Selbstkontrolle und Reaktionsgenauigkeit. Auch andere Spiele haben einen „geschlossenen Regelkreis, der automatisch das Level anpasst“: Dadurch, dass die meisten Spiele von Level zu Level schwieriger werden, bleiben Spieler normalerweise auf einem Level, das zu ihren aktuellen Reaktionszeiten und Fähigkeiten passt.

Es bleibt also die unpräzise Beschreibung von EVO: Eine Plattform, die so designet ist, dass genau das „anvisierte neuronale System“ aktiviert wird. Auch hier ähnelt das Spiel gewöhnlichen kommerziellen Spielen: Die sind darauf ausgelegt, dem Spieler immer genau so viele Belohnungen und „Preise“ zu schenken, dass er das Gefühl hat, diese verdient zu haben. Ohne gleichzeitig die Lust zu verlieren oder aus Frustration abzubrechen.

Gute Erfolge in Studie

Wie erwähnt konnte sich AKL-T01 in einer Studie der Hersteller allerdings deutlich gegenüber einem Vergleichsprodukt abgrenzen, das als Placebo designt wurde. Über vier Wochen haben 348 Kinder an fünf Tagen in der Woche jeweils 30 Minuten mit dem Spiel verbracht. Davon ein Teil mit dem Original und ein Teil mit einem „Placebo“. Eltern und Ärzte beschrieben subjektiv über beide Gruppen hinweg Verbesserungen in der Aufmerksamkeit und im Verhalten der Kinder. Der TOVA-Test ergab signifikant größere Verbesserungen für die Gruppe mit dem echten Spiel.

Die FDA soll nun über die Zulassung des Spiels als Therapie in den USA entscheiden. Dabei ist zu hoffen, dass ihr wesentlich detailliertere Informationen zur Funktionsweise und Abgrenzung des „Placebo“-Spiels zur Verfügung gestellt werden. Dann kann langfristig diese neue Therapierichtung vielleicht durchdacht Anwendung in der Therapie von Kindern (und Erwachsenen) mit ADHS finden.

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