LGBTQ-Jugend bevorzugt bei psychischen Problemen digitale Hilfe

26.06.2019 Studien
2 Minuten Lesezeit

Die NGO The Trevor Project befragte 34.000 Jugendliche, die sich als LGBTQ identifizieren, und fand heraus: Im letzten Jahr haben fast 40 Prozent von ihnen ernsthaft über Suizid nachgedacht. Ein großer Teil der Jugendlichen möchte in solchen psychischen Krisen auf digitale Hilfsangebote zurückgreifen.

Stigmatisierung von LGBTQ

The Trevor Project, eine US-amerikanische Telefonseelsorge-NGO für LGBTQ, veröffentlichte kürzlich ihre National Survey on LGBTQ Youth Mental Health. Dazu wurden 34.000 lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle und queere US-amerikanische Jugendliche im Alter von 13 und 24 Jahren zur Einschätzung ihrer psychischen Gesundheit befragt.

Nach Einschätzung von Amy Green, Director of Research bei The Trevor Project, sei nicht die Tatsache, dass die Jugendlichen LGBTQ sind, der Hauptgrund für psychische Erkrankungen. Vielmehr führe die Stigmatisierung von LGBTQ und ihr Stand in der Gesellschaft zu mentalen Problemen und Suizidgedanken bzw. Selbstmorden. Die Stigmatisierung kommt häufig aus dem nächsten Umfeld der Jugendlichen: Freunde, Familie, Bekannte, aber auch Lehrer, Ärzte und Pfleger. Das dürfte erklären, warum sich weniger als die Hälfte der Befragten bei einem Erwachsenen in der Schule geoutet haben. Rund die Hälfte dagegen hat die eigenen Eltern in ihre sexuelle Orientierung eingeweiht. Meistens bevorzugen die jungen Menschen aber weiterhin andere LGBTQ, um sich ihnen anzuvertrauen.

Aus der Studie von The Trevor Project geht eindeutig hervor: Die LGBTQ-Jugend ist sehr anfällig für mentale Krisen und demnach auch für Suizidgedanken. So gaben 67 Prozent der Befragten an, dass sie bereits jemand vehement davon überzeugen wollte, ihre (sexuelle) Identität und Orientierung zu ändern. Von dieser Mehrheit gaben wiederum 23 Prozent an, dass sie danach einen Selbstmordversuch unternommen haben.

Bisher fühlen sich die Jugendlichen von der Gesellschaft nur wenig verstanden und unterstützt – obwohl die allgemeine Akzeptanz für queere Menschen zumindest scheinbar steigt. Nur scheinbar, da 76 Prozent der Befragten angeben, dass sie ihre psychische Gesundheit durch die aktuelle US-amerikanische Politik negativ beeinflusst sehen.

Digitale Hilfe in akuten Krisen

Für die Pharma- und Gesundheitsbranche dürften die folgenden Ergebnisse der Studie eine hohe Relevanz haben. An mentalen Tiefpunkten würden 76 Prozent der Jugendlichen digitale Hilfe suchen und beispielsweise eine Online-Interventionsgruppe kontaktieren. Diese sollte niederschwellig mittels Textnachrichten, Chats oder Instant Messenger erreichbar sein.

Eine große Mehrheit – nämlich 81 Prozent – der befragten LGBTQ-Jugendlichen gab außerdem an, dass für sie ein „sicheres“ soziales Netzwerk für sie sehr wertvoll sei. Was das genau bedeutet? Die Jugendlichen wünschen sich keine weiteren Dating-Apps oder Netzwerke für Erwachsene, sondern auf ihr Alter zugeschnittene Social-Media-Angebote. Für sie sei es wichtig, dass sie beispielsweise bei ihrem Coming Out und anderen Problemen unterstützt werden und Orientierungsmöglichkeiten erhalten. In psychischen Krisen kann ein solches soziales Netzwerk eine gleichgesinnte Community bieten, die bereits ähnliche Situationen überstanden hat. Bis heute muss die LGBTQ-Jugend jedoch viel Aufwand betreiben, um sich und ihre Identität in den gängigen sozialen Medien sicher ausleben zu können.

Allerdings gibt es im Social Web einen weiteren großen Einflussfaktor auf die psychische Gesundheit von LGBTQ-Jugendlichen. The Trevor Project stellte fest, dass gerade Facebook, Twitter und Youtube noch sehr wenig gegen hasserfüllte Kommentare gegen LGBTQ vorgehen. Facebook hat jedoch bereits angekündigt, in nächster Zeit stärker gegen solche Hasskommentare vorzugehen.

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