Wie digitale Senioren ihre Medikamente managen

02.08.2019 Studien
3 Minuten Lesezeit

Medikamente wie verschrieben einzunehmen, stellt für viele Menschen eine Herausforderung dar. Gerade Senioren tun sich oft schwer damit, bei mehreren Medikamenten den Überblick zu behalten. Je älter die Gesellschaft wird, desto größer wird dieses Problem werden. Die zunehmende Digitalisierung kann eine Lösung bieten.

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Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran. Inzwischen gibt es hunderte Pillen-Reminder und Apps zum Managen von Medikamenten. Heute sind 65 Prozent der über 65-jährigen US Amerikaner „digitale Senioren“, die ein Smartphone besitzen.

25 Millionen digitale Senioren

Senioren haben generell eine schlechte Medikamenten-Compliance. Diese ist durch verschiedene Faktoren begründet. Manche Patienten sind einfach vergesslich. Andere haben das Gefühl, dass die Medikamente nicht helfen oder sie empfinden die Nebenwirkungen als zu stark. Wieder andere haben Probleme mit dem Füllen ihrer Pillendosen, mit der Dosierung oder mit der Bezahlung ihrer Therapie.

Viele Menschen und Unternehmen nehmen an, dass Senioren keinen Zugang zur digitalen Welt hätten. Dies ist jedoch falsch. Tatsächlich nutzen allein in Amerika rund 25 Millionen Menschen im Alter von über 65 Jahren Smartphones. Das sind 11 Prozent mehr als noch vor 2 Jahren. Laut einer Studie des Pew Research Centers sind sogar 30 Prozent der US-Amerikaner zwischen 73 und 90 Jahren digitale Senioren und in Besitz eines Smartphones.

Der App-Entwickler Medisafe hat sich dieser neuen Zielgruppe angenommen und sie analysiert. Die Studien des Unternehmens zeigen, dass in den letzten drei Jahren mehr als 11 Prozent der amerikanischen Medisafe Nutzer 65 Jahre und älter waren. 65 Prozent von ihnen mussten fünf oder mehr unterschiedliche Medikamente einnehmen, 36 Prozent nahmen sogar 9 oder mehr Medikamente ein. Auf dieser Grundlage führte Medisafe detailliertere Analysen durch.

Aktive Nutzer von Medikamenten-Apps

Im Vergleich zu jüngeren Usern der Medisafe App (65 Jahre und jünger) nutzen digitale Senioren ihr Smartphone fast doppelt so häufig in gesundheitlichem Kontext. Dazu gehören das Lesen von relevanten Informationen, das Ansehen von Videos und Tutorials sowie das Teilen von Untersuchungs- und Laborergebnissen mit Familienmitgliedern und Pflegepersonal.

Mehr als 35 Prozent der älteren Medisafe Nutzer verwenden die App, um Gesundheitsdaten zu speichern und zu managen. Sie zeichnen Werte wie ihr Gewicht, ihren Blutdruck und Laborergebnisse auf. Menschen aus dieser Gruppe zeigten auch höhere Adhärenzraten im Vergleich zu den Medisafe Usern unter 65. Die durchschnittliche Adhärenz der digitalen Senioren liegt bei 80 Prozent. Bei jüngeren Nutzern beträgt sie rund 77 Prozent.

Viele der Senioren nutzen Medisafe nicht nur für das Managen ihrer eigenen Medikamente, sondern durchaus auch für die Arzneimittel ihrer Partner oder sogar ihrer Haustiere. Besonders wichtig ist den älteren Nutzern, dass die App zuverlässig und simpel ist. Beliebtes Feature ist der Alarm, der an Familie und medizinisches Personal versandt wird, wenn eine Medikamenteneinnahme vergessen wurde. Außerdem wissen die Nutzer die Warnungen vor Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und die Option, Berichte über die Adhärenz mit medizinischem Fachpersonal zu teilen, zu schätzen.

Drei wichtige Key Performance Indikatoren

Senioren nutzen Smartphones und empfinden digitale Programme zum Medikamentenmanagement als nützlich. Auch wenn die Anzahl der Smartphone Nutzer in dieser Altersgruppe ständig zunimmt, besitzen bis heute noch nicht alle Senioren ein Smartphone. Wenn man also digitale Produkte für die ältere Bevölkerung entwerfen und entwickeln möchte, braucht man einen klaren Fokus auf eindeutige und messbare Erfolgsparameter für die Programme.

Medisafe identifizierte 3 wichtige KPIs (Key Performance Indicators), um erfolgreiche digitale Programme zu bewerten:

  • Installationsraten – Eine Beurteilung der Effektivität jeden Programmes beginnt mit dem Messen der Installationsraten. Insbesondere ist die Frage wichtig, wie viel Prozent der Senioren die App installieren. Programme, die für Untergruppen der Senioren mit speziellen Indikationen (wie zum Besipiel Kardiologie) entworfen wurden und persönliche Netzwerke der Zielgruppe enthalten, sollten mit Installationsraten von 50 Prozent oder mehr rechnen.
  • Aktivitätslevel – Sobald die App installiert wurde, geht es um die Aktivität. Wie viel Prozent der Senioren sind aktive Nutzer? Und für wie lange? Verschiedenste Elemente beeinflussen diese Zahl. Aus der Erfahrung heraus schätzt Medisafe, dass Ziele in Höhe von 50 bis 65 Prozent aktiven Usern über einen Zeitraum von 12 Monaten sinnvoll sind.
  • Geschaffener Einfluss – In zwei Bereichen sollte sich der Wert von digitalen Medikationsprogrammen unmittelbar zeigen: Eine verbesserte Gesamtadhärenz sowie eine bessere Identifikation von nicht-adhärenten Risikopatienten. Laut Medisafes Erfahrungen sollten sich erfolgreiche Programme eine Verbesserung der Gesamtadhärenz um 10 bis 20 Prozent als Ziel setzen. Eine angestrebte Verbesserung um 5 bis 15 Prozent im Bereich der Identifikation der Risikopatienten ist ebenfalls sinnvoll.

 

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