E-Health: Der Nutzen der Digitalisierung für das Gesundheitswesen

10.09.2019 Trends
7 Minuten Lesezeit

E-Health ist mittlerweile in aller Munde und steht für alle neuartigen, digitalen Technologien im Healthcare-Bereich. Sie haben das Thema noch nicht komplett durchdrungen, möchten aber mehr darüber erfahren? Dann sind Sie hier genau richtig.

ePharmaINSIDER hat sich mit den Thematiken rund um E-Health beschäftigt und sie in diesem Artikel für Sie aufgearbeitet und zusammengefasst.

E-Health Definition – Was ist E-Health? Einfach erklärt!

Zum Einstieg in das Thema möchten wir Ihnen kurz die Definition von E-Health aufzeigen. E-Health, auch Electronic-Health, beziehungsweise elektronische Gesundheit steht nach Definition für die neuen digitalen Lösungen und Technologien, die im Gesundheitswesen derzeit zum Einsatz kommen. Zu diesen zählen alle Dienstleistungen sowie Hilfsmittel, bei denen sogenannte Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) verwendet werden.

Die digitalen Technologien von E-Health erfüllen dabei den Zweck bestimmte Aufgaben der Healthcare-Branche zu erleichtern. Dazu zählen unter anderem Diagnose, Prävention, Behandlungen oder Verwaltung und Überwachung.

Ursprünglich bezeichnete die elektronische Gesundheit bloß digitalisierte Daten des Gesundheitswesens, wie zum Beispiel digitale Patientenakten. Mittlerweile ist daraus jedoch ein umfassendes Themenfeld entstanden, zu dem unter anderem  auch die Telemedizin, als Teilgebiet der Telematik, Pharma- und Arzneimittelapps oder medizinische Internetportale wie DocCheck Flexikon zählen.

E-Health für Unternehmen – Es geht kein Weg daran vorbei

Es gibt viele Gründe, weshalb sich Unternehmen aus der Healthcare- und Pharmabranche mit dem Thema E-Health auseinandersetzen sollten. Im Folgenden möchten wir Ihnen die Wichtigsten davon aufzeigen.

Mittlerweile führt wohl kein Weg mehr an neuartiger Technologie vorbei. Was meinen Sie, was ein Patient oder Erkrankter tut, wenn er bei sich erste Symptome bemerkt? Viele Menschen setzen sich heutzutage vor den Rechner und nutzen eine bekannte Suchmaschine wie Google oder YouTube, um zu ermitteln, worauf die auftretenden Symptome deuten könnten.

Ein weiterer Grund ist die Kommunikationsgeschwindigkeit, die vom Internet ausgeht. Auf welchem Wege kann der Allgemeinmediziner fachbezogene Daten am schnellsten weiterreichen? Denken Sie hierbei an die Vermittlung des Patienten an einen Spezialisten, einen Facharzt oder eine Klinik. Die Antwort ist, über digitale Informationswege.

Erkrankte und Patienten nutzen für die erste Selbstauskunft in vielen Fällen mittlerweile medizinische Portale wie DocCheck Flexikon, netdoktor.de, oder onmeda.de. Die Menschen verwenden heutzutage das Internet um sich anonym und selbstständig Gesundheitsratschläge zu holen. Viele große Pharmaunternehmen wie Pfizer, GSK und Bayer haben diesen Trend mittlerweile erkannt. Die Konsequenz ist offensichtlich. Gesundheitskampagnen, die vor einigen Jahren noch über Inserate von medizinischen Fachzeitschriften verbreitet wurden, finden Sie jetzt zwischen Katzenfotos und den Postings Ihrer Freunde auf sozialen Netzwerken wie Facebook.

Für Unternehmen bedeutet E-Health somit digitaler zu werden und die Zielgruppe dort anzutreffen, wo sie sich aufhält: Auf Google, Facebook und Co.

Wie sieht es aus mit der angesprochenen hervorragenden Kommunikationsgeschwindigkeit, die das Internet zu bieten hat? Zum einen eröffnet Electronic Health hier ganz neue Möglichkeiten. Das können Sie daran sehen, dass neue Zweige wie die Telemedizin entstehen. Arzt-Patienten-Gespräche laufen mittlerweile völlig ohne räumliche Bindung ab. Das Internet ermöglicht den direkten Kontakt zwischen medizinischem Fachpersonal und dem Erkrankten über E-Health-Technologien wie die Videotelefonie. Wir sind uns sicher, dass sich mit Virtual Reality in den nächsten Jahren noch einmal etwas tun wird.

Des Weiteren können Ärzte über das Internet Patientendaten und -akten in Echtzeit übermitteln. Auf diese Weise kann ein unkomplizierter Datentransfer zwischen Kollegen gewährleistet werden. Neben der Mensch-zu-Mensch-Datenvermittlung verändert E-Health ebenfalls die Maschine-zu-Mensch- oder Maschine-zu-Maschine-Übermittlung von medizinischen oder pharmazeutischen Datensätzen. Über Technologien des elektronischen Gesundheitssystems sind Menschen und Maschinen miteinander verkoppelt. Das bietet einerseits viele Vorteile in der Kommunikation. Andererseits geht es bei den Datenübertragungen immer noch um intime, medizinische Daten. E-Health ist eine Digitalisierung vertraulicher Informationen. Wie sieht es also mit dem Datenschutz und der Gesetzeslage aus?

E-Health Gesetz – Wie sieht die Vernetzung der Gesundheitsbranche rechtlich aus?

Bestimmt haben Sie sich beim Lesen der vorherigen Abschnitte schon den einen oder anderen Gedanken über die Sicherheit von elektronischen Gesundheitstechnologien gemacht. Die Frage nach dem Datenschutz ist berechtigt und eine zentrale Fragestellung, wenn es um E-Health geht. In Deutschland ist die Datenverarbeitung von digitalen Technologien des Gesundheitswesens nach dem „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen sowie zur Änderung weiterer Gesetze geregelt. Im Detail ist das Gesetz darauf aus, die Patientenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dazu sollen schrittweise die papierbasierten Daten kontrolliert digitalisiert werden. Weitere Regelungen des Gesetzes beziehen sich auf die telemedizinische Infrastruktur sowie die elektronische Gesundheitskarte.

E-Health Gesetz im Jahre 2019 – Was hat sich geändert?

Das Gesetz für E-Health listet verschiedene Schwerpunkte, die von Zeit zu Zeit ergänzt werden. ePharmaINSIDER hat die wichtigsten und aktuellsten Punkte für Sie herausgesucht. 2019 kamen einige Änderungen hinzu. Widmen wir uns zuerst jedoch einigen relevanten Punkten der Vorjahre.

  • Die Telemedizin ist ein wichtiger Bereich der elektronischen Gesundheit. Schon 2017 wurden räumlich unabhängige Videosprechstunden für Ärzte und Patienten gesetzlich festgehalten. Für Ärzte bedeutet das, dass sie diese auch als Arbeitszeit geltend machen können.
  • Mit Einführung der neuen elektronischen Gesundheitskarte, die Patientendaten digital speichern kann, haben Patienten seit 2018 die Möglichkeit ihren Medikationsplan zu digitalisieren und ihn auf der Karte zu speichern und mit sich zu tragen.
  • Das Gesetz regelt weiterhin eine Notfalldatensicherung von Patientendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte. Patienten können sich demnach dazu entschließen Informationen, die für einen medizinischen Notfall relevant wären, unter anderem Blutgruppe, Vorerkrankungen oder Allergien auf der Karte zu speichern.

Im Jahre 2019 kam eine weitere Ergänzung zur Karte hinzu. Seit dem ersten Januar gibt es ein elektronisches Patientenfach. Dieses ist dazu da, dass die Daten von Patienten, zum Beispiel die zuvor erwähnten Notfalldienst-Daten erhoben, verarbeitet und genutzt werden können. Auf dieses Fach hat jedoch nicht jeder einen Zugriff, die gesetzliche Regelung sieht hier vor, dass dazu ein elektronischer Praxisausweis nötig ist.

E-Health Initiative

Wie kann neben dem Ausbau der Telematikinfrastruktur der Einsatz und der Nutzen digitaler Technologien im Gesundheitswesen verbessert werden? Dieser Frage widmet sich die E-Health Initiative. Dieser gehört zum einen das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) an, zum anderen die Organisationen der Selbstverwaltung und die Unternehmensverbände. Die E-Health Initiative möchte digitale Anwendungen qualitativer und transparenter gestalten. Das Ziel der Initiative richtet sich seit 2010 auf die Identifizierung und die Überwindung von Hürden, die bei der Etablierung neuer Technologien auftreten können.

Die E-Health Initiative sorgte in den letzten Jahren für ein Fortschreiten der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Zum einen wurde das Nationale Telemedizinportal namens „gematik“ gegründet. Zum anderen wurde die sogenannte Planungsstudie Interoperabilität durchgeführt. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben und soll Vorschläge für Strukturen und Verfahren erarbeiten, wie die Interoperabilität für das Gesundheitssystem vorangetrieben werden könnte.

Stellen Sie sich dazu vor, ein allein lebender Rentner sei krank und unterliege der regelmäßigen ärztlichen Kontrolle. Dank neuster medizinischer Systeme kann er aber weiterhin zu Hause wohnen bleiben. Denn durch das Telemonitoring ist der behandelnde Arzt in der Lage wichtige Werte auch von Distanz aus im Auge zu behalten. Die Digitalisierung des Gesundheitssystems bietet an dieser Stelle gleich mehrere entscheidende Vorteile. Erstens kann der Patient weiterhin zu Hause in gewohnter Umgebung wohnen. Zudem benötigt der Betroffene kein Zimmer in einem Heim oder Krankenhaus, was Kosten spart. Zuletzt ergibt sich auch für den Arzt eine Kosten- und Zeitersparnis.

Der beschriebene Fall ist ein gutes Beispiel für Interoperabilität. Hier arbeiten viele Systeme zusammen und schaffen eine neue digitale Gesundheitswelt, die vernetzte Welt der E-Health.

Big Data in der Healthcare-Branche – Was geschieht mit all den Daten?

E-Health ist die Digitalisierung der Gesundheitssysteme. Während medizinische Daten vor zwanzig Jahren noch deckenhohe Schränke mit dicken Ordner füllten, müssen all diese Daten nun in digitaler Form abgespeichert werden. Wie Sie sich vorstellen können, handelt es sich dabei um abertausende Datensätze, die unzählige Terabytes an Festplatten- und Serverspeicher beanspruchen. Wenn es um diese Flut an Datensätzen geht, spricht man von Big Data.

Der Begriff bezeichnet dabei zwei unterschiedliche Aspekte. Zum einen geht es um die stetig zunehmende Menge an Datensätzen, zum anderen um die Entwicklung neuer besonders leistungsfähiger IT-Lösungen, die einen besseren Umgang mit der Datenflut ermöglichen sollen.

Big Data und E-Health

Big Data betrifft mittlerweile so gut wie alle Branchen, denn die Digitalisierung hält im gesamten Arbeitsmarkt Einzug. Die Healthcare- und Pharmabranche stellt dennoch eine Ausnahme dar, denn die Erzeugung und Speicherung von Datensätzen ist hier besonders gravierend. Denken Sie nur einmal an die Menge von Patientendaten: Allergienachweise, Impfschutz, Informationen zur Medikamenteneinnahme, Blutgruppe oder Vorerkrankungen – all das sind Beispiele für erfassbare Daten, die irgendwo gespeichert werden müssen. Hinzu kommen all die Daten von neuen Technologien und Systemen, die aus der Telematik oder Medizintechnik stammen: Sensoren von telemedizinischen Maschinen, maschinelle Daten von Geräten aus der Medizintechnik, Fallakten, Forschungsergebnisse aus der Krebsforschung und anderen Fachbereichen, Klinikdaten und viele mehr.

Big Data im Pharma- und Healthcarebereich zählt daher zu den am schnellsten wachsenden Bereichen, noch vor dem Produktionssektor, vor der Finanzbranche und vor der Medienbranche. Bis zum Jahre 2025 wird ein Gesamtwachstum von rund 36 % für die Gesundheitsbranche prognostiziert.

Big Data und Pharma

Wissen ist Macht. Entsprechend dieses Sprichworts lassen sich auch Daten in der Pharmabranche deklarieren. Denn Informationen sind hier eine echte Goldgrube. Gelingt es beispielsweise alle Studien zu einem bestimmten Forschungsgebiet adäquat auszuwerten, kann schneller ein passendes Medikament gefunden und entwickelt werden. Das Problem ist bloß, dass Mitarbeiter, die dazu beauftragt werden Daten auszuwerten, vor einem „Big Data Mountain“ stehen. Die Problematik wird oftmals von komplexer Software gelöst, denn Datenauswertung stellt sich als offensichtlicher Wettbewerbsvorteil heraus. Pharmaunternehmen, die große Datenmenge besser zu leserlichen, brauchbaren Informationen zusammenfassen können, sind ihrer Konkurrenz überlegen. Betrachtet auf diese Grundlage ergibt es durchaus Sinn Kapital in die Entwicklung von Software-Technologie zu stecken. Alternativ gibt es auch bereits Software-Technologien zur Datenauswertung auf dem Markt, die den Anforderungen der Pharma- und Healthcarebranche gerecht werden wollen. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Sinequa.

E-Health Apps – Smartphone-Anwendungen für Ihre Gesundheit

Wenn es um das Thema Software geht, möchten wir Ihnen abschließend noch die besten E-Health Apps vorstellen. Auch die Technologie der Anwendungen von mobilen Geräte hat sich mittlerweile weiterentwickelt. Wie wir bereits am Anfang dieses Artikels ausgeführt haben, nutzen immer mehr Patienten moderne Medien wie das Internet für die erste selbstständige Recherche ihrer Symptome. Auch Ärzte werden immer digitaler und so werden Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets zum Begleiter des Berufsalltags. Um diesen Wandel des Nutzerverhaltens zu verwirklichen, sind E-Health Apps notwendig.

E-Health Apps reichen von Fitnesstrackern, wie Apps zum Kalorien- und Mahlzeiten zählen, über Meditationsanwendungen bis hin zu Arzneimittel Apps. Eine ausführliche Auflistung der besten Arzneimittel Apps haben wir hier in diesem Artikel für Sie recherchiert und zusammengefasst.

Deutsche E-Health Apps und der Datenschutz

Dass die Angelegenheit des Datenschutzes in Bezug auf E-Health ein großes Thema darstellt, haben wir zuvor bereits festgestellt. Im besonderen Maße trifft das jedoch auch auf die E-Health Apps zu. Der Grund liegt in den mobilen Anwendungen, die für Nutzer häufig kostenlos angeboten werden. Nicht selten dienen die Programme als Datenkrake, die den Anwender mit kostenfreien Inhalten auf sich aufmerksam machen. Einmal heruntergeladen und installiert, zeichnen die Apps das Nutzerverhalten auf. Es werden Kalorien gezählt, Schritte gesammelt, Impfdaten notiert und Menstruationszyklen errechnet. Das Sammeln der Daten wäre an sich noch kein Problem, würden die Daten nicht von Dritten gespeichert und ausgelesen werden. Datenhandel ist profitabel, wenn die Apps Aufschluss über das Essverhalten, das individuelle Bewegungspensum oder den Impfstatus einer Person geben können. Besonders bei deutschen E-Health Apps wird hier der Datenschutz verletzt.

Wie das möglich ist, fragen Sie sich jetzt? In Deutschland gibt es für E-Health Apps, die mit privaten Daten arbeiten, weder Zertifikate oder Gütesiegel, noch Qualitätskontrollen. Zwar unterliegen personenbezogene Gesundheitsdaten nach dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) besonderem Schutz, jedoch werden Anwender über die Aufzeichnung und Weiterverarbeitung der intimen Daten nicht ausreichend aufgeklärt. In den Fällen, in denen bei E-Health Apps gültige Datenschutzerklärungen hinterlegt sind, bekommen Nutzer wenig Hinweise darauf. Oftmals führen Links auch ins Leere oder auf verwaiste Seiten. ePharmaINSIDER empfiehlt Ihnen zu Ihrem eigenen Datenschutz daher unbedingt vor Verwendung einer Gesundheits-Apps die vorliegende Datenschutzerklärung unter die Lupe zu nehmen.

Fazit zum Thema E-Health – Das sollten Sie mitnehmen

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet voran. E-Health ist ein Thema, an dem Sie im Gesundheitssektor kaum mehr vorbeikommen. E-Health steht für alle digitalen Lösungen des Gesundheitswesens. Dazu gehören unter anderem die Telematik, Programme zur Digitalisierung von Patientenakten sowie Gesundheits-Apps. Bei der Sicherung all dieser Daten steht die Healthcare-Branche aktuell noch vor einem Problem. Die Berge an Daten, die sogenannte „Big Data“ muss verarbeitet und ausgewertet werden. Der Datenschutz bleibt in Bezug auf E-Health eine große Thematik, schließlich wird mit vertraulichen Daten gearbeitet. Die Datenverarbeitung wird dabei vom sogenannten Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen sowie zur Änderung weiterer Gesetze geregelt. Hierunter fallen unter anderem die Gesundheitsdaten der neuen elektronischen Gesundheitskarte oder die Nutzung von modernen Technologien wie der Videotelefonie für die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten. Bei E-Health Apps sollten Sie dennoch vorsichtig sein. Gerade für deutsche Anwendungen gibt es keine Qualitätssicherungen. Häufig werden hier über kostenlose Anwendungen Nutzer gewonnen, deren Daten anschließend gehandelt werden. Zuletzt setzt sich die E-Health Initiative für die Etablierung und Fortentwicklung neuer Gesundheitstechnologien ein.

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