Elon Musk: Einfluss von Hirnimplantaten auf Gesundheitsbranche?

09.08.2019 Trends
3 Minuten Lesezeit

Vor Kurzem stelle Elon Musk in einem Vortrag vor einem Publikum aus Tech-Experten in San Francisco die Fortschritte seines neuen Projekts vor. Mit dem Startup Neuralink folgt Musk seiner Idee einer Symbiose mit künstlicher Intelligenz. Mit kleinen Implantaten, die den Menschen ins Gehirn implantiert werden, soll es zukünftig möglich sein, Computer und Smartphones alleine durch Gedankenkraft zu bedienen. Wir zeigen Ihnen mögliche Potenziale für die Healthcare-Branche.

created by unsplash.com

Nach zahlreichen Tierversuchen, überwiegend an Ratten, verfolgt Elon Musk mit seinem Unternehmen Neuralink das Ziel, bis Ende nächsten Jahres erste Versuche an Menschen durchführen zu können. Bislang wartet man allerdings noch auf die Erlaubnis von der Food and Drug Administration (FDA), um die sogenannten „Brain-Machine-Interfaces“ an Menschen zu testen, die an einer Lähmung leiden. Ryan Stellar, Vice President of Product Management bei Enzyme, einem Startup-Unternehmen, das an Software arbeitet, um Life-Science-Unternehmen beim Zulassungsprozess durch die FDA zu unterstützen, sagte gegenüber STAT, dass er eine ehrgeizige Technologie erwarte.

„Wenn die FDA nicht von Elons ‚Sternenmacht‘ geblendet wird, wird wahrscheinlich eine Vormarktstudie von signifikanter Größe“ – 100 – 1.000 Menschen – „benötigt, mit einer Mindestbeobachtungszeit von zwei Jahren, aber vielleicht sogar von bis zu sieben Jahren“, spekulierte Stellar. Max Hodak, Präsident von Neuralink, äußerte auf Nachfrage, dass Neuralink versuchen würde, eine frühe Machbarkeitsstudie durchzuführen, die unter einer sogenannten Ausnahmeregelung für Prüfmittel möglich sei.

Gesunde Menschen als digitale Superintelligenz

In seiner Präsentation im Golden Gate Park in San Francisco sprach Elon Musk dabei erstmals öffentlich über sein geheimnisvolles neues Startup, welches seit seiner Gründung im Jahr 2016 bereits 158 Millionen US-Dollar an Finanzierungen erhalten haben soll. Alleine 100 Millionen kamen dabei von Elon Musk selbst. Neben der Präsentation veröffentlichte das Unternehmen ebenfalls ein White Paper, welches von Elon Musk und Neuralink verfasst wurde und die Technologie beschreibt. Zusätzlich zu den Implantaten hat Neuralink auch einen chirurgischen Roboter gebaut, um diese in das Gehirn einzuführen. Die Idee ist, dass Elektroden, deren flexible Fäden dünner als menschliches Haar sind, Signale an ein Airpod-ähnliches Gerät weiterleiten. Dieses ist hinter dem Ohr montiert und kommuniziert drahtlos mit einer Smartphone-App, die vom Träger des Implantats so gesteuert wird.

Mit seiner Technologie könne Neuralink hoffentlich schon bald Menschen mit schweren Hirnschäden darin unterstützen, ihr Gehirn wieder möglichst normal nutzen zu können. So erhoffe man sich, dass das Einsetzen des Implantats in Zukunft den Status eines Routineeingriffs erlangt und zum Standard wird, wie beispielsweise eine LASIK-Augenkorrektur. Langfristig gesehen liegen die Ziele des Unternehmens jedoch nicht im medizinischen Bereich. Auch für gesunde Menschen soll die Technologie zukünftig verfügbar sein und eine Art Superintelligenz erschaffen.

Zahlreiche Hindernisse für Elon Musk & Neuralink

Laut Ulrich Dirnagl, Direktor der Abteilung Experimentelle Neurologie an der Berliner Charité, sei das Vorhaben von Elon Musks Unternehmen zwar beeindruckend, aber keineswegs solch eine Innovation, wie von Musk dargestellt. Trotz der Begeisterung über Schnittstellen zwischen Gehirn und Maschine hat das Feld seit der Entwicklung der ersten Prototypen vor mehr als einem Jahrzehnt kaum kommerzielle Fortschritte gemacht.

Was seine geplante klinische Studie betrifft, sagte Neuralink, dass es sich auf die Aufnahme von Patienten mit Lähmung aller vier Gliedmaßen aufgrund einer Rückenmarksverletzung konzentrieren würde. Es wurden keine Details über den beabsichtigten Umfang der Studie oder die spezifischen Endpunkte, die sie evaluieren würde, mitgeteilt. Musk sagte jedoch leichtfertig, dass eines der Ziele des Unternehmens darin bestünde, querschnittsgelähmten Patienten die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken mit einer Rate von 40 Wörtern pro Minute zu tippen. Bei seiner weiteren Forschung wird sich Neuralink darauf vorbereiten müssen, eine lange Liste von gewaltigen Hindernissen zu überwinden. Die Entschlüsselung der Geheimnisse des menschlichen Gehirns stellt eine der größten Herausforderung in der Wissenschaft dar. Veröffentlichte Daten von Versuchen an Ratten enttäuschen in der Regel, wenn sie auf menschliche Patienten übertragen werden. Diesen Schritt will und muss Neuralink in naher Zukunft jedoch erst noch gehen.

Suche nach Expertenteam

Mit seiner exzentrischen Persönlichkeit und seltsamen Twitter-Präsenz hat Musk in der Vergangenheit eine Art Kultstatus in der Tech-Szene erlangt. Auch während seines Auftritts in San Francisco blieb er sich dahingehend treu. Dennoch betonte er, dass sich das Unternehmen über die Ernsthaftigkeit der Thematik bewusst sei.

Eine Teilnahme an Neuralinks Präsentation war nur geladenen Gästen möglich, die über ein Online-Formular eine Bewerbung ausgefüllt haben, in der Gründe dargelegt werden mussten, weshalb man einen Zugang zum Event erhalten solle. Hauptzweck der Veranstaltung war, laut Musk, die Rekrutierung von weiteren Talenten für sein Startup. Aktuell verfügt das Unternehmen über etwa 100 Mitarbeiter, sucht jedoch händeringend nach weiteren Spezialisten, um die gesteckten Ziele erreichen zu können. Zu den Mitgliedern seines Teams aus Wissenschaftlern und Führungskräften zählt Neuralink unter anderem Philip Sabes, der zuvor als Professor an der University of California an der Verarbeitung von Bewegungen durch das Gehirn forschte.

Print Friendly, PDF & Email