Empathie heilt: Parkinsonsimulation für Ärzte und Vertreter

11.05.2017 Studien
2 Minuten Lesezeit
(c) Matthias Zomer / Shutterstock.com

Die Parkinsonsimulation startete mit einer sehr einfachen Idee: Vertreter, die ein Produkt anpreisen, sollen verstehen können, was sie überhaupt verkaufen.

Für Menschen, die kein Parkinson haben, ist das oft schwierig. Was bedeutet das Zittern? Wie fühlt es sich an, wenn die Muskeln nicht so reagieren, wie man möchte? Und letztlich auch: Welchen Unterschied machen Medikamente?

Parkinsonsimulation durch ein Gerät

Das kleine Gerät heißt SymPulse und wurde von der Firma Klick Labs entwickelt. Einen Teil trägt ein Patient, der an Parkinson erkrankt ist. Den anderen trägt ein gesunder Mensch, der erfahren möchte, wie sich die Krankheit anfühlt.

SymPulse misst, wie sehr der Patient gerade zittert. Diese Messwerte überträgt er dann auf den anderen Träger. Die zweite Person spürt eine Simulation der Krankheit. So können Angehörige oder Freunde spüren, wie sich die Krankheit anfühlt – zumindest für einige Zeit.

Erste Versuche mit einem Pateinten und seinem Zwillingsbruder und seiner Frau beispielsweise haben gezeigt, wie groß der Unterschied zwischen wissen und verstehen ist.

Verstehen für Pharmareferenten

Die ursprüngliche Entwicklung war wie erwähnt für Vertreter gedacht. Welchen Unterschied macht ein Medikament für jemanden, der unheilbar krank ist? Die meisten Vertreter können sich das nicht aus ihrem eigenen Alltag vorstellen. Also können sie auch nicht wirklich verstehen, welchen Unterschied ihr Produkt machen könnte.
Und wer nicht versteht, wieso ein Produkt wirklich einen Unterschied macht, kann diesen Unterschied nicht kommunizieren und das Produkt nicht verkaufen.

Also sollten die Pharmavertreter lernen, wie sich Parkinson anfühlt – mit und ohne Behandlung. Denn wenn das Gerät an zwei verschiedenen Patienten angelegt wird, dann spürt auch ein Vertreter die Veränderung zwischen jemandem, der behandelt wird und jemandem ohne Behandlung. Dieses Gefühl kann er im nächsten Gespräch mit einem Arzt kommunizieren und die Vorteile einer Behandlung darstellen.

Empathie für Ärzte und Healthcare-Experten

Aber die Parkinsonsimulation ist nicht nur für Angehörige und Vertreter eine mögliche Bereicherung. In einer Studie der Universität Harvard, durchgeführt von Dr. Helen Riess, Associate Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School, gaben 53 % der befragten Ärzte an, dass ihr Mitgefühl mit den Patienten mit der Zeit sinke – sie fühlen sich weniger davon betroffen, was passiert. Wenn auch nachvollziehbar bedeutet das für viele Patienten, dass sie sich zurecht nicht mehr wirklich von ihren Ärzten verstanden fühlen.

Das Gefühl, dass der andere die Situation tatsächlich begreift, ist allerdings oft entscheidend dafür, wie ein Patient seine Behandlung wahrnimmt. Wenn Patienten sich verstanden fühlen, weil der Arzt (aus eigener Simulationserfahrung) weiß, welchen Unterschied eine Behandlung versprechen kann, sind sie eher bereit, sich auch auf eine versuchsweise Behandlung einzulassen.

33 % der befragten Ärzte sagten in der Studie, die im May 2012 im Journal of General Internal Medicine veröffentlicht wurde, dass sich über die Jahre ihre Empathie für die Patienten verbessert hat. Vielleicht lässt sich mit einer Simulation wie SymPulse diese Zahl wesentlich erhöhen.

Weitere Möglichkeiten

Die Parkinsonsimulation ist nicht die einzige Möglichkeit, die Klick Labs im Kopf haben – und auch andere Unternehmen arbeiten an diesen oder ähnlichen Simulationen. Die können für unterschiedliche Krankheiten ein besseres Einfühlungsvermögen von Ärzten, Angehörigen und Pharmavertretern bewirken.

Ein großer Unterschied zwischen denjenigen, die die Krankheit tatsächlich haben, und denen, die sie nur ausprobieren, ist der Zeitfaktor. Es gibt ein gewisses Risiko, dass jemand, der eine Krankheit nur „austestet“ dieses Erlebnis mit einer alltäglichen Einschränkung vergleicht und die Zeitkomponente vergisst.

Deswegen kann ein Gerät wie die Parkinsonsimulation nicht als reines Gadget funktionieren. Zu der Anwendung gehören gute Schulungen, in denen aus einfachem „Fühlen“ tatsächlich Empathie wird. Die beiden zu verwechseln – Spüren und Empathie haben – wäre für alle möglichen Zielgruppen kontraproduktiv.

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