Führt Empathie zu besseren Ergebnissen in klinischen Studien?

09.11.2019 How-To
3 Minuten Lesezeit

Die Verkündung neuer Partnerschaften mit Unternehmen aus dem Pharma-Bereich soll dem amerikanischen Forschungsunternehmen Verily dabei helfen, neue Tools und Wege zu entwickeln, um die Teilnahme von Patienten an klinischen Studien zu verbessern.

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Trotz zahlreicher medizinischer Fortschritte in den vergangenen Jahren, scheitern immer noch viele klinische Studien. Ein Erfahrungsbericht zeigt, dass ein Umdenken in der Herangehensweise dabei helfen könnte, zukünftig verbesserte Ergebnisse zu erzielen. Dabei spielt auch Empathie eine Rolle.

Empathie zusätzlich zu Kennzahlen

Klinische Studien entstehen meist im Labor und drehen sich vor allen Dingen um Zahlen und Daten. Es werden Kunden befragt, Erkenntnisse gewonnen und neue Lernprinzipien angewandt, um Lösungen zu entwickeln. Doch obwohl zwar Daten das übergeordnete Ziel einer Studie darstellen, muss der Weg dorthin nicht ausschließlich von Daten gepflastert sein. Ein humanerer Ansatz, der auf Empathie basiert, könnte dabei helfen. Es sollte darum gehen, eine ansprechende, einfühlsame und effektive Erfahrung im Rahmen einer klinischen Studien aufzubauen und nicht nur um das Sammeln von Kennzahlen.

Der Patient im Zentrum

Patienten bilden zwar das Fundament einer jeden Studie, werden meist jedoch behandelt wie ein beliebiger Baustein. Es empfiehlt sich also, ein Umdenken auf den Weg zu bringen und den Patienten in das Zentrum der Studie zu stellen. Sicherlich geht es dabei nicht um die Customer Experience als ausschlaggebenden Faktor für die Zulassung einer Behandlungsmethode. Eine Erfahrung, die die Bedürfnisse des Patienten erfüllt, kann jedoch zu einer verbesserten Patienten-Compliance führen und den Studienerfolg maximieren.

Ein patientenorientierter Ansatz kann das Design und die Durchführung fast aller Schritte einer Studie verbessern, beginnend mit den Rekrutierungsprozessen. Zwar werden oft viel Zeit und Mühe für das Recruiting aufgewendet, um eine Vielzahl an potenziellen Teilnehmern zu lokalisieren, jedoch sind die meisten Studienorte gar nicht für eine hohe Zahl an Teilnehmer ausgerichtet. Auch werden meist die Reisestrapazen der Teilnehmer nicht einkalkuliert. Auch das Handeln konkurrierender Unternehmen wird oft vernachlässigt, sodass die Chance aus Fehlern anderer zu lernen oftmals nicht genutzt wird.

Einfachheit und menschliche Kommunikation

Studien sind meist so konzipiert, dass sie von Patienten selbst durchgeführt werden können. Damit sind die Teilnehmer aber häufig bereits überfordert. Es muss also die Frage gestellt werden, welchen Aufwand Patienten erbringen müssen, um an einer Studie teilnehmen zu können und welche Lebensumstände möglicherweise hinderlich sein könnten. Beachtet man all diese Punkte bereits früh im Prozess, so können zudem Kosten und Zeitaufwand auf der Suche nach Teilnehmern reduziert werden.

Bei der Kommunikation mit potenziellen und bereits rekrutierten Teilnehmern sollte man aber auch bedenken, wo sich Patienten emotional befinden. Wie wird mit Patienten kommuniziert und wie kommunizieren die Patienten? Patienten nehmen im Gegensatz zu den Koordinatoren in der Regel erstmalig an einer Studie teil. Jede Interaktion zwischen Arzt und Studienkoordinator bietet somit die Gelegenheit, Bedenken auszuräumen, Fragen zu beantworten, Erwartungen zu stellen und den Patienten einfach wissen zu lassen, dass er nicht allein ist. Empathie und Information können helfen, den Weg erfolgreich zu beschreiten. Leicht zugängliche FAQs können zum Beispiel vorab bereits wichtige Fragen klären und Visualisierungen helfen dabei, wichtige Meilensteine der Studie zu vermitteln.

Begegnet man Teilnehmern empathisch, anstatt sie wie Nummern zu behandeln, nimmt man ihnen zudem Angst und Nervosität und stärkt zusätzlich ihre Bereitschaft. Patienten spüren Vertrauen, wenn man ihnen das Gefühl gibt, an einer großen Sache teilzuhaben und etwas Positives für die gesamte Gesellschaft zu leisten.

Abhilfe dank neuer Technologien

Auch bei der Dokumentation von Daten sollte der Ansatz patientenorientierter Natur sein. So steige neben der Antwortqualität auch die Abschlussquote von klinischen Studien. Der Einsatz neuer Technologien kann hierbei helfen, die Erfahrung der Patienten während einer Studie zu erleichtern. Für Teilnehmer, die zum Beispiel an Erkrankungen leiden, die sie körperlich einschränken, ist es eine Qual, den 20-seitigen Fragebogen handschriftlich auszufüllen.

Wichtig ist auch der Umgang mit den Studienergebnissen. Neben der offiziellen Kommunikation schätzen es auch die Studienteilnehmer, wenn die entsprechenden relevanten Ergebnisse mit ihnen geteilt werden. Für sie kann es wichtig sein, die Ergebnisse der eigenen Arbeit zu sehen und zu sehen welcher Nutzen dahinter lag.

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