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ePharma Insider Interview – Dr. Lukas Zinnagl

https://www.youtube.com/watch?v=9Bzds9yQMME

Wir haben uns mit CEO und CO-Founder von Diagnosia, Dr. Lukas Zinnagl, zum ePharma Insider Interview getroffen. Im Video spricht er über sein eigenes Start-Up Diagnosia, die Digitalisierung in der Pharma Branche und die Wichtigkeit von Content-Marketing.

Außerdem verrät er uns, welches Element eines erfolgreichen Start-Ups häufig überschätzt wird:

Was am meisten überschätzt wird ist die Idee. Was oft nicht angesprochen wird ist die Ausdauer, die man eigentlich braucht, um die initiale Gründungsidee umzusetzen.
Dr. Lukas Zinnagl, CEO & Co-Founder Diagnosia

Das Transkript des Videos gibt es hier in voller Länge zum Nachlesen:

Dr. Höllerer: Herr Dr. Zinnagl, ich glaube wir können uns Duzen, wir haben beide gemeinsam Medizin studiert. Wir freuen uns sehr, dich heute beim ePharma Insider Interview begrüßen zu dürfen. Vielen Dank für dein Kommen.

Dr. Zinnagl: Ich danke.

Dr. Höllerer:  Du hast Medizin studiert – so wie ich. Warum bist du nicht den klassischen Weg gegangen und Arzt geworden?

Dr. Zinnagl: Das ist eine gute Frage, die ich oft höre. Die Frage würde ich umdrehen und sagen, warum sollte man unbedingt immer Arzt werden, nur, weil man Medizin studiert? Ich habe das eigentlich damals aus reinem Interesse studiert. Und habe dann gesehen während dem Studium, welche Möglichkeiten es mit diesem Studium eigentlich gibt. Ich habe mir schon sehr früh sehr schwer getan zu sagen, ich müsste mich auf eine Sache spezialisieren. Der zweite Grund dafür war zu sehen, als Arzt kann man immer nur einzelnen Personen immer individuell helfen. Aber es gibt sehr viele andere Möglichkeiten wo man von einem größeren Ganzen etwas bewerkstelligen kann mit einem Medizinstudium. Das waren so grundsätzlich die Gründe warum ich wahrscheinlich kein Arzt geworden bin.

Dr. Höllerer: Wie würdest du dich selbst in einem Satz beschreiben?

Dr. Zinnagl: Homo sapiens sapiens. Ich glaube, mehr gibt’s da nicht zu sagen.

Dr. Höllerer:  Du hast schon das eine oder andere Start-Up gegründet. Was fasziniert dich besonders an dieser Branche?

Dr. Zinnagl: Es ist sehr schnell, es ist sehr intensiv. Man lernt jeden Tag dazu. Man lernt jeden Tag neue Menschen kennen, die sehr interessant sind. Die von aller Couleur sind, von allen Richtungen sind. Das ist etwas, das einen persönlich auch sehr weiter bringt im eigenen Leben, wenn man in so einem Umfeld agiert – agieren darf.

Dr. Höllerer: Welches Element eines erfolgreichen Start-Ups wird am meisten unterschätzt?

Dr. Zinnagl: Was am meisten überschätzt wird, kann ich sagen, ist die Idee. Das kann ich jedem mitgeben auf den Weg. Ich glaube, was sehr wichtig ist und was oft nicht angesprochen wird, ist die Ausdauer, die man eigentlich braucht. Die Umsetzung letztendlich der initialen Gründungsidee. Wie lange das dauert – der Weg, der eigentliche Weg. Das ist das, was niemand sieht und was eigentlich die Herausforderung ist, was dieses ganze Start-Up und Gründungsthema ausmacht.

Dr. Höllerer:  Einen Rat, den du anderen Healthcare-Start-Up Gründern geben würdest?

Dr. Zinnagl: Da gibt’s natürlich mehrere Ratschläge, die ich gerne weitergeben würde. Es ist sehr schwer jetzt nur einen Ratschlag weiterzugeben. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist sich zu überlegen, mit wem man etwas gründet. Und der zweite Punkt ist, dass man dann in dem Umfeld, in dem man etwas gründet und agiert, dass man diesen Markt auch wirklich gut kennt.

Dr. Höllerer:  Die von euch entwickelte Medizinsoftware Diagnosia ist eine der am meistverwendeten Arzneimittelplattformen. Wie funktioniert das Business-Modell?

Dr. Zinnagl: Es ist grundsätzlich so, also wir sind der Marktführer in Österreich, wenn es um das Thema Arzneimittelsicherheit geht. Da ist der Fachbegriff dafür AMTS. Das ist eine mobile und webbasierte Plattform, die wir für medizinische Fachkreise wie Ärztinnen, Ärzte, Pharmazeuten zur Verfügung stellen. Und die mobile App ist jetzt auch kostenlos verfügbar. Dann gibt es weitere Ausbaustufen davon, die in Spitälern in Österreich zum Einsatz kommen und die kostenpflichtig sind. Wir arbeiten eigentlich mit allen Stakeholdern im Gesundheitssystem zusammen. Einerseits ist unser Businessmodell multilateral, wenn man so will, einerseits zahlen Ärzte dafür. Wir haben Kooperationen und Integrationen mit Pharmafirmen und wir haben große Spitäler und österreichische Träger als Kunden.

Dr. Höllerer:  Was waren die Beweggründe die App Diagnosia jetzt auch kostenlos verfügbar zu machen?

Dr. Zinnagl: Nach vielen Gesprächen mit der Industrie, mit vielen unserer Kunden, mit vielen Ärzten haben sie uns gesagt, es ist der Bedarf an einer kostenlosen Variante gegeben. Wir wollen neue innovative Geschäftsmodelle mit Partnern der Industrie ermöglichen, um möglichst vielen Ärzten diese Software bzw. diese App weiterhin zur Verfügung zu stellen.

Dr. Höllerer:  Welche Resonanz gab es von Seiten der Pharmaindustrie?

Dr. Zinnagl: Die war sehr positiv von sämtlichen Firmen mit denen wir gesprochen haben. Die Möglichkeiten die sich durch so einen mobilen Kanal im Pull-Marketing auf einmal ergeben, die Verschreiber, die Ärztinnen und Ärzte Point-of-care zu erreichen, hat es eigentlich in dieser Form in Österreich noch nicht gegeben. Wir sind Vorreiter in dieser Rolle und haben hier sehr interessante Modelle, wie man hier diesen Kanal auch effizient nutzen kann.

Dr. Höllerer:  Wie wird es mit Diagnosia weitergehen? Was sind die nächsten großen Ziele?

Dr. Zinnagl: Da muss man unterscheiden. Einerseits in der Produktentwicklung wird das Produkt laufend weiterentwickelt. Sowohl im Web als auch für die mobile Applikation. Das heißt wir integrieren laufend neue Wissensbasen für die Ärzte, die die Entscheidungen erleichtern im Indikationsprozess. Auf der Business-Development Seite gehen wir jetzt große Schritte in Richtung Internationalisierung. Deutschland, Schweiz… Wir schauen uns auch andere europäische Länder an. Das sind eigentlich die grundsätzlichen Wege wohin wir gehen.

Dr. Höllerer:  Als fleißiger Blogger bist du selbst auch in Sozialen Netzwerken aktiv. Welche Bedeutung hat Content-Marketing deiner Meinung nach?

Dr. Zinnagl: Ich glaube, die Bedeutung von Content-Marketing ist massiv unterschätzt. Ich glaube, Content-Marketing ist mittlerweile die beste, zielgerichtete und effizienteste Form des Marketings. Es ist gelebtes Pull-Marketing. Menschen und Kunden kommen eigentlich zu dir. Man baut eine extreme Glaubwürdigkeit und Trust für den eigenen Bereich auf. Und ich glaube, es sollte in dem Bereich viel mehr gemacht werden.

Dr. Höllerer:  Das Vorurteil, die Pharmabranche stehe der Digitalisierung äußerst kritisch gegenüber hält sich hartnäckig. Warum?

Dr. Zinnagl: Was wir gesehen haben, sind eigentlich die größten Blocker die Regulatoren. Der Wille ist meistens gegeben und ich kenne, muss ich sagen, auch sehr viele positive Beispiele, wo es schon sehr wohl möglich ist, trotz dieser Regulatoren digitale innovative Modelle zu fahren.

Dr. Höllerer:  In welche Richtung wird sich der digitale Pharmamarkt in den nächsten Jahren entwickeln?

Dr. Zinnagl: Da gibt es natürlich mehrere Thesen und mehrere Möglichkeiten wohin das geht. Ich glaube grundsätzlich ist es so, dass insbesondere durch die digitalen Möglichkeiten das Ganze von Push zu Pull umgeschwenkt wird. Das Zweite ist, und das geht mit dem einher, dass die Industrie und die Ärzteschaft mehr Partner sind und nicht gegenüberstehen, sondern Seite an Seite gemeinsam versuchen, bei medizinischen Problemen voranzukommen. Und der dritte sehr, sehr große Punkt: Pharma ist ein sehr Akquise-freundliches Umfeld wo derzeit eher Biotech-Firmen akquiriert werden. Ich glaube, dass in den nächsten 5-15 Jahren wahrscheinlich es auch sehr relevant für Pharmafirmen wird, mehr im Softwarebereich zu agieren. Healthcare IT, Software Start-Ups werden wahrscheinlich sehr wichtige Player, die für Pharmafirmen genauso relevant werden.

Dr. Höllerer:  Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Zinnagl: Ich danke.

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Über ePharma Insider

Der ePharma Insider ist ein 2017 gegründetes Online-Portal, das sich speziell an Pharma Marketing Interessierte richtet und von der Digitalagentur hello mint ins Leben gerufen wurde.

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