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ePharma Insider Interview – Mag. Martin Munte

Im ePharma Insider Interview spricht Mag. Martin Munte, Geschäftsführer von Amgen, mit Dr. Fritz Höllerer unter anderem über die Rolle als Pharmig Präsident. Wichtig sei ihm in seiner Amtszeit vor allem Transparenz. In Bezug auf Daten und Fakten, aber auch in Hinsicht auf die Zusammenarbeit mit den Fachkreisen.

Wir haben ihn auch gefragt, welchen Stellenwert der Standort Österreich in der Forschung hat und ob man heute schon von einer patientenzentrierten Healthcare-Revolution sprechen kann?

Der Patient ist das Wichtigste und der gehört auch in den Mittelpunkt. Vielleicht haben wir das im Gesundheitswesen alle hin und wieder leicht vergessen.

Mag. Martin Munte, Geschäftsführer Amgen, Präsident Pharmig

 

Das Transkript des Videos gibt es hier zum Nachlesen:

Dr. Höllerer: Herr Mag. Munte, wir freuen uns sehr, Sie heute als Gast beim ePharma Insider Interview begrüßen zu dürfen. Vielen Dank, dass sie sich Zeit genommen haben.

Mag. Munte: Gerne.

Dr. Höllerer: Sie haben Wirtschaftswissenschaften studiert und Ihre Karriere bei AstraZeneca begonnen. Was fasziniert Sie besonders an der Pharmaindustrie?

Mag. Munte: An der Pharmaindustrie hat mich immer schon begeistert, dass es hier die Möglichkeit gibt, mit modernen Medikamenten die Patienten und Patientinnen zu heilen. Das ist ganz etwas Tolles.

Dr. Höllerer: Sie sind heute auch Geschäftsführer bei der Firma Amgen. Hat Amgen bereits eine größere Digitalisierungswelle durchgemacht?

Mag. Munte: Ja, Amgen ist ein amerikanisches Biotech-Unternehmen, das sehr jung ist – wir sind 36 Jahre alt. Und dementsprechend haben wir uns auch der neuen Medien verschrieben. Ja wir haben schon eine Digitalisierungswelle durchgemacht und für uns ist es ganz besonders wichtig, auch zu kommunizieren an die entsprechenden Kanäle.  Auch eben in digitaler Form.

Dr. Höllerer: Wie stehen Sie zum Thema Social Media? Wird Social Media aktiv auch in Amgens Marketingkonzept integriert?

Mag. Munte: Ich denke bei Social Media, da müssen wir ein bisschen unterscheiden, weil ja unsere Kommunikation in der Pharmaindustrie an die Fachkreise erlaubt ist. Aber alles was in dem Rahmen erlaubt ist, aber auch mit Kommunikation über Multi-Channel zum Beispiel, das ist wichtig und das müssen wir auch tun. Wir können uns auch vorstellen in der Zukunft auch den Patienten oder die Patientinnen da entsprechend besser zu erreichen, wenn das natürlich auch die regulatorischen Herausforderungen hergeben.

Dr. Höllerer: Welche Kanäle fokussieren Sie dabei, bzw. welche Kanäle sind Teil ihrer Multi-Channel Marketing Strategie?

Mag. Munte: Es ist ganz, ganz wichtig zum Beispiel das Gebiet er Fortbildung. Es ist immer weniger Zeit da, um aktiv an Fortbildungen teilzunehmen, zu Kongressen zu gehen. Aber es ist sehr wichtig, dass sich die Fachkreise regelmäßig mit den neuen Innovationen auch im Medikamentenbereich befassen. Und da gibt es eben dann die Möglichkeit über Filme oder auch über Webcasts oder Liveübertragungen, Ereignisse auf Kongressen, die meilenweit entfernt sind, auch in Österreich gut einzufangen.

Dr. Höllerer: Ende April wurden sie für 3 Jahre zum Präsident der Interessensvertretung der österreichischen pharmazeutischen Industrie gewählt. Welche Ziele möchten Sie in den kommenden Jahren in dieser Position besonders fokussieren?

Mag. Munte: Wichtig ist es mir hier zu sagen, die Pharmig ist der größte freiwillige Verband in Österreich. Wir repräsentieren 120 Firmen, decken 85 Prozent des Marktes ab und haben über 18.000 Mitarbeiter in unseren Firmen. Die Pharmig steht für Transparenz, das ist auch das Motto meiner Präsidentschaft. Transparenz unter dem Motto Daten und Fakten. Was liefert denn die Pharmaindustrie an Innovation? Welchen Nutzen bringen denn diese Medikamente für den Patienten? Ein zweiter wesentlicher Aspekt ist auch Transparenz in der Zusammenarbeit mit den Fachkreisen. Sie wissen, dass es früher auch immer eine Zusammenarbeit mit den Ärzten gegeben hat, die unter Umständen manchmal etwas entwicklungsbedürftig gesehen wurde. Und wir haben das jetzt auf eine transparente Ebene gestellt. Wir veröffentlichen alle geldwerten Leistungen mit den Angehörigen der Fachkreise auf unseren Homepages. Und nicht zuletzt wollen wir mit der Pharmig auch Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Österreich stärken. Das ist unser Ziel.

Dr. Höllerer: Welchen Stellenwert hat der Standort Österreich, wenn es um die Entwicklung neuer Medikamente und Therapiemöglichkeiten geht?

Mag. Munte: Ich denke, wir haben sehr gute Voraussetzungen in Österreich. Erstens haben wir hochqualifizierte Mitarbeiter hier, sehr gut ausgebildete. Die Infrastruktur ist auch sehr gut. Aber wir würden uns auch wünschen eine stärkere Investition in Forschung und Entwicklung. Das heißt auch bei den klinischen Studien, die ja neue Medikamente frühzeitig auch nach Österreich bringen, dass wir die verstärkt auch in Österreich machen können. Das wir hier nicht zu sehr administrativ tätig sind, sondern wirklich auch die Forscher begeistern nach Österreich zu kommen, um hier eine Forschungsarbeit zu leisten.

Dr. Höllerer: Wie kann der Standort Österreich in Zukunft noch stärker gefördert werden?

Mag. Munte: Es gibt ja viele Forschungsförderungen und viele sind aber auch gleichzeitig sehr intransparent in dem Gebiet. Man weiß nicht genau, was ist für was jetzt wirklich möglich zu fördern. Unser Bestreben ist es hier ein klares Bekenntnis, schnellere Entscheidungswege für Förderungen, attraktive Standorte zu schaffen für Biotech-Unternehmen. Wir haben zum Beispiel in der Pharmig auch eine Biotech Plattform geschaffen, um eben diese Interaktion zwischen den großen Unternehmen und jungen Biotech-Starups zu haben. Das finden wir, ist ganz besonders wichtig.

Dr. Höllerer: Der Gesundheitsmarkt verändert sich wesentlich langsamer als andere Märkte. Wo sehen Sie Aufholbedarf, wenn es um das Thema Digitalisierung geht?

Mag. Munte: Ich denke, dadurch, dass wir im Gesundheitsbereich teilweise sehr reglementiert sind, glaubt man noch immer, dass sich unser Bereich langsam verändert. Tatsache ist aber, dass er sehr stark verändert wird. Denken Sie nur an das Internet. Und wenn Sie jetzt Beschwerden haben, dann tippen Sie gleich einmal beim Doktor Google ein und versuchen, sich da Tipps zu holen. Und um dann gleich auch auf die besten Ärzte und besten Medikationen zu schließen. Auf der anderen Seite ist das natürlich auch wichtig, dass das hier nicht einseitig passiert sondern, dass nach wie vor es auch wichtig ist den Zugang zu den Ärzten, Apothekern auch im direkten Gespräch zu haben und sich entsprechend auch zu informieren.

Dr. Höllerer: Vom Businessmodell Tablette zum Gesundheitsdienstleister. Ist die Pharmabranche bereit für den nächsten großen Schritt?

Mag. Munte: Das unbedingt. Es ist ganz, ganz wichtig, dass die Pharmabranche verstanden hat, dass es nicht mehr genügt nur ein Medikament auf den Markt zu bringen. Sondern erstens einmal auch den Nutzen zu zeigen, das ist ganz besonders wichtig bei den Kostenträgern aber auch bei den verschreibenden Ärztinnen und Ärzten. Und dann ist es natürlich auch wichtig, auch das Rundherum. Wie ist denn die Einnahme des Medikaments? Wie kann man zum Beispiel dem Patienten es einfach machen, diese berühmte Compliance, also diese Therapietreue, zu steigern? Und das ist das Rundherum wo die Pharmaindustrie auch in Zukunft sehr viel investieren wird, um das einfach deutlicher auch zu zeigen.

Dr. Höllerer: Der Patient rückt dabei immer mehr in den Mittelpunkt. Kann man von einer patientenzentrierten Healthcare-Revolution sprechen?

Mag. Munte: Der Patient ist auch das Wichtigste und der gehört auch in den Mittelpunkt. Und vielleicht haben wir das da und dort alle so im Gesundheitswesen hin und wieder mal so leicht vergessen. Wichtig ist, dass man den Patienten wieder da hineinbringt, da er auch wenn wir das Thema Digitalisierung ansehen, oder das Thema Big Data, diese Erfahrungen, diese Vernetzung. Das ist ganz wichtig, das auch so zu übersetzen, dass die Patientin der Patient auch versteht, damit die auch erkennen können okay diese Therapie hilft mir wirklich, um mein Leben zu verlängern. Oder meine Leiden zu mindern.

Dr. Höllerer: Stichwort Patientenkommunikation: Durch soziale Netzwerke ergeben sich neue Möglichkeiten, mit Patienten in den Kontakt zu treten. Wie kann diese Entwicklung sinnvoll genutzt werden?

Mag. Munte: Die Entwicklung muss sicher sinnvoll genutzt werden. Wichtig ist es auch einmal zu betonen, dass wir im Moment an den Patienten oder die Konsumenten keine Werbung richten dürfen. Sondern das darf nur an die Angehörigen der Fachkreise passieren. Auf der anderen Seite ist Information ganz besonders wichtig, um auch so alte Mythen von neuen Fakten und Daten zu unterscheiden. Uns ist es hier sehr wichtig Plattformen zu schaffen, damit eben auch diese Fakten und Daten zugänglich sind.

Dr. Höllerer: Zum Abschluss meine letzte Frage: Einen Rat, den Sie Ihrem 20-jährigen Ich heute geben würden?

Mag. Munte: Mach es genauso, aber hab mehr Spaß daran!

Dr. Höllerer: Vielen Dank! Danke für das Interview.

Mag. Munte: Bitte.

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Über ePharma Insider

Der ePharma Insider ist ein 2017 gegründetes Online-Portal, das sich speziell an Pharma Marketing Interessierte richtet und von der Digitalagentur hello mint ins Leben gerufen wurde.

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