ePharma Insider Interview – HappyMed Gründer Philipp Albrecht

19.12.2016 Interviews
5 Minuten Lesezeit

Alles fing an mit einer Wurzelbehandlung Mitte 2013. Für Philipp Albrecht ein unangenehmes Erlebnis.

Ich habe mir irgendwie gewünscht die Situation für mich zu verbessern. Mich abzulenken währenddessen und auf andere Gedanken zu kommen. Es gab keine wirkliche Lösung dafür und seit knapp drei Jahren bin ich nun auf dem Weg, diese Lösung zu bauen und zu vermarkten.

Philipp Albrecht, Co-Founder und CEO von HappyMed

Wir haben uns mit dem sympatischen Gründer von HappyMed unterhalten und Einblicke in die Welt eines Healthcare Start-ups bekommen, dessen Erfinder als Quereinsteiger ursprünglich gar nicht aus der Medizinbranche kommt.

Das Transkript des Videos gibt es hier in voller Länge zum Nachlesen:

Dr. Fritz Höllerer: Lieber Herr Albrecht, wir bedanken uns recht herzlich, dass Sie Zeit gefunden haben, heute beim ePharma Insider Interview dabei zu sein. Kommen wir gleich zur ersten Frage. Welche Berufsbezeichnung würden Sie sich selbst geben?

Philipp Albrecht: Unternehmer und Erfinder.

Dr. Fritz Höllerer: Wie kam es dazu, dass Sie beruflich im Medizinbereich gelandet sind?

Philipp Albrecht: Mit einer persönlichen Erfahrung beim Zahnarzt. Das war Mitte 2013. Ich hatte eine Wurzelbehandlung und es war alles andere als angenehm. Ich habe mir irgendwie gewünscht, die Situation für mich zu verbessern. Mich abzulenken währenddessen und auf andere Gedanken zu kommen. Es gab keine wirkliche Lösung dafür und seit knapp drei Jahren bin ich nun auf dem Weg, diese Lösung zu bauen und zu vermarkten.

Dr. Fritz Höllerer: 2014 haben Sie das Start-up HappyMed gegründet. Was ist die genaue Vision dahinter?

Philipp Albrecht: Die Vision ist Menschen weltweit in einer Situation, der sie an sich sehr ausgeliefert sind, zu helfen. Beispiel: Wir sind im OP. Der Patient liegt da, die Gedanken kreisen die ganze Zeit nur um die Operation. Was wird passieren? Wie geht’s mir danach? Werde ich das überleben? Sehr viele Ängste, sehr viel Stress, sehr viele Sorgen sind da. Das einzige was es aktuell als Alternative dazu gibt, sind Beruhigungsmittel, Tablette, Sedativa. HappyMed ist ein Medikament, das ich über Augen und Ohren aufnehme. Das sehr gut hilft – was auch die Resonanz am Markt gezeigt hat. Das ist total schön, dieses Rückmeldung die wir hier bekommen. Und wir konnten auch bereits zeigen, dass mit HappyMed bei Sedativa tatsächlich auch gespart werden kann.

Dr. Fritz Höllerer: Können Sie in ein paar kurzen Worten beschreiben, was HappyMed genau ist und was HappyMed genau macht?

Philipp Albrecht: HappyMed ist eine Videobrille. Die kann ich mir als Patient aufsetzen, wenn ich zum Beispiel beim Zahnarzt bin. Auch vor oder während einer OP kann ich sie benutzen. 80 Prozent unserer Sinneseindrücke kommen über Augen und Ohren. Ich bediene diese Sinnesorgane damit, das heißt ich bekomme die ganze stressige Umgebung nicht mehr mit. Die Zeit vergeht für mich ein bisschen schneller, ich bin einfach entspannter und im besten Fall brauche ich auch weniger Sedativa. Im Hintergrund hat man dann eine riesen Auswahl an Filmen – vom Kinderkanal bis zu klassischen Konzerten. Hier kann man sich mit einer kleinen Fernbedienung selbst auswählen was man gerne anschauen möchte. Das Besondere an dem Produkt ist, dass das Krankenhaus dafür nichts umbauen muss. Es arbeitet komplett offline. Das heißt man kann es bei uns bestellen und es funktioniert sofort. Man braucht nichts umbauen, keine Kabel verlegen – es geht einfach.

Dr. Fritz Höllerer: Wie sieht das Geschäftsmodell von HappyMed aus?

Philipp Albrecht: HappyMed gibt es in der Miete. Das heißt pro System wird mit den Krankenhäusern eine Miete vereinbart auf eine gewisse Laufzeit. Das inkludiert die Hardware plus die Filmlizenzen. Der ganze Lizensierungsprozess für Spitäler ist extrem aufwendig, komplex und teuer und auch diese Aufgabe übernehmen wir für die Krankenhäuser. Dadurch ist HappyMed ein Komplettsystem, das die Hardware mit den Filmen kombiniert.

Dr. Fritz Höllerer: Wie viel Zeit ist von der Idee bis zur finalen Umsetzung und dem Launch schlussendlich vergangen?

Philipp Albrecht: Also die Idee musste erst mal ein halbes Jahr im Kopf reifen bis ich gesagt habe, okay jetzt lege ich damit los. Das war Anfang 2014. Ich habe mir dann einen Partner gesucht, den Florian Fischer. Über die letzten zwei Jahren haben wir das jetzt aufgebaut und haben mittlerweile ein Team von 10 Leuten. Seit Anfang 2016 gibt’s das Ganze jetzt auch am Markt. Also zwei Jahre Entwicklungszeit.

Dr. Fritz Höllerer: Wie waren die ersten Reaktionen auf Ihr Produkt?

Philipp Albrecht: Sehr positiv. Wir sind als erstes einmal mit einer kleinen Holzbox hinausgegangen, die wir selbst gebaut haben, um uns erste Rückmeldungen am Markt zu holen. Wir sind dann mit dieser Holzbox zum Zahnarzt. Das war natürlich alles andere als steril (lacht). Und jeder hat uns eigentlich bestärkt auf diesem Weg weiterzugehen. Irgendwann haben wir dann festgestellt, dass es neben dem Zahnarzt – wo wir eigentlich dachten, das ist unser Hauptmarkt – auch noch das Krankenhaus gibt, was eigentlich viel spannender ist. Mittlerweile werden wir in OPs verwenden, in der Chemotherapie, während der Patient dasitzt und die Tropfen zählt, die runterfallen. Und sich hier natürlich auch wieder sehr viele Sorgen macht. Es tun sich immer wieder neue Anwendungsfelder auf. Das ist total schön.

Dr. Fritz Höllerer: Was waren die größten Schwierigkeiten und Herausforderungen, die Sie bei der Gründung von HappyMed erfahren mussten?

Philipp Albrecht: Das war sicherlich die Tatsache, dass wir nicht aus dem Markt sind. Das heißt wir haben uns vieles wesentlich einfacher vorgestellt, als es dann tatsächlich war. Uns haben die Zugänge im Markt gefehlt. Wir mussten also erst einmal sehr viele Unterstützer finden, die für uns gewisse Türen geöffnet haben. Und dann natürlich als Quereinsteiger ein Hardware Produkt zu bauen im medizinischen Markt. Da haben wir sehr viele schwierige Faktoren miteinander kombiniert, wodurch es dann auch ein bisschen schwierig geworden ist, ein Anfangsinvestment zu finden. Aber auch das haben wir dann geschafft.

Dr. Fritz Höllerer: In welchem Bereich kommt HappyMed am meisten zum Einsatz?

Philipp Albrecht: Aktuell ist das die Anästhesie. Da haben wir die meisten Rückmeldungen im Moment. Was sich aber gerade neu auftut ist die Onkologie. Und natürlich der Zahnarztbereich. Aber der größte Bereich ist die Anästhesie.

Dr. Fritz Höllerer: Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Krankenhäusern und HappyMed aus? Wird eure Idee positiv wahrgenommen?

Philipp Albrecht: Ja absolut. Wir haben jetzt die größte Klinikkette Deutschlands gerade dafür gewinnen können. Die sind total euphorisch und sagen, sie wollen es gar nicht mehr hergeben. Es rufen uns Krankenhäuser an und sagen bitte schicken Sie uns ein Angebot. Das ist wirklich ein riesen Geschenk. Aktuell arbeiten wir hauptsächlich noch mit Key Opinion Leadern zusammen, weil wir auch noch ein bisschen in der Evaluierung sind. Das heißt wir wollen schauen, was wir an dem Produkt noch verbessern können. Mit unseren Kunden sind wir also noch sehr eng im Austausch. Dadurch, dass ich das momentan größtenteils auch noch selbst mache, finden die das natürlich toll, dass der Erfinder direkt bei ihnen ist. Das ist etwas ganz Besonderes und dadurch hat man eine schöne Basis, um miteinander zu arbeiten.

Dr. Fritz Höllerer: Welche großen Meilensteine stehen euch in Zukunft noch bevor?

Philipp Albrecht: Gute Frage. Internationalisierung ist ein großes Thema und Vertriebspartneraufbau. Wir haben jetzt erste Kooperationen. Wir haben die ersten Ketten, die Interesse haben, aber die müssen natürlich auch ausgestattet werden. Das muss man auch von der Manpower erst einmal schaffen.

Dr. Fritz Höllerer: Die ganze Healthcare Branche befindet sich ja mitten in einem großen digitalen Wandel. Wo wird der Fokus Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren liegen?

Philipp Albrecht: Ich denke, wir gehen immer mehr zum papierlosen Krankenhaus über. Wir haben hier sehr komplexe Prozesse, wo Dinge auch teilweise sehr überreguliert sind, meiner Meinung nach. Das ergibt sich auch aus den Gesprächen mit verschiedensten Leuten aus dem Bereich. Hier ist es notwendig auch den Bereich etwas zu öffnen für Innovationen. Weil er einfach unglaublich träge ist. Kleines Beispiel: Ein Arzt findet ein System toll und das braucht teilweise zwei Jahre, bis es zum ihm ins Haus kommt. Speziell im deutschsprachigen Raum. Was bedeutet das? In zwei Jahren, wenn ich das System bekomme, ist es eigentlich schon wieder veraltet, weil was viel Neueres am Markt ist. Und da sind andere, z.B. die Schweiz oder die Niederlande, viel besser unterwegs. Die sagen sie wollen etwas haben und zwei Wochen später kann der Beschaffungsprozess sofort stattfinden. Und natürlich ist auch ein Mindset Wechsel notwendig. Die besten Lösungen bringen nichts, wenn es vom Personal nicht adaptiert wird. Das heißt, man muss natürlich auch das ganze Personal einschulen auf diese ganzen neuen Möglichkeiten, die sich da auftun mit Tablets und Co.

Dr. Fritz Höllerer: Eine letzte Frage zum Abschluss: Wo sehen Sie sich und HappyMed in 10 Jahren?

Philipp Albrecht: Ich sehe mich noch immer an der Spitze von HappyMed. Vielleicht nicht mehr alleine. Mit vielen anderen Partnern, wo man gemeinsam die Idee, die Vision noch größer macht. Wo man mehr Menschen unsere Produkte zur Verfügung stellt, wo wir tolle neue Produkte entwickelt haben. Viel Spaß und ein tolles Team im Hintergrund, wo ich dann mein Wissen, das ich bekommen habe auch weitergeben kann.

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