FDA lässt erstmals Pille mit integriertem Sensor zu

20.11.2017 Trends
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Die FDA, die Zulassungsbehörde für Lebensmittel und Medikamente in den USA, hat erstmalig eine Pille mit integriertem Sensor zugelassen, wie unter anderem STAT News vergangene Woche berichtete.

Der Sensor der Pille nimmt wahr, ob die Pille tatsächlich geschluckt wurde und meldet diese Information an ein Pflaster, das der Patient trägt. Dieses wiederum ist mit weiterer Technologie ausgestattet, um die Information über die Einnahme zusammenzufassen und zu protokollieren oder direkt an einen behandelnden Arzt weiterzuleiten.

Die Funktion ist in einer Zusammenarbeit vom japanischen Pharmakonzern Otsuka Pharmaceutical mit Proteus Digital Health, einem Unternehmen aus dem Silicon Valley, entstanden. Ausgestattet wurde damit ein Mittel, das bei Schizophrenie, bipolaren Störungen und Despressionen verschrieben wird und bereits seit 15 Jahren auf dem Markt ist: Abiligy.

Die Funktionsweise der Pille mit Sensor

Ärzte erhalten durch die Pille mit eingebautem Sensor die Möglichkeit, die Einnahmetreue ihrer Patienten zu überprüfen. Die Informationen werden zunächst vom Sensor der Pille an das Patch gesendet, das der Patient am Körper trägt. Von da aus werden die Informationen weiterverschickt an eine App, über die der Patient seine Daten selbst einsehen kann. Im nächsten Schritt kann er auch zulassen, dass Ärzte oder andere Pflegepersonen die Einnahme überwachen.

Vor 1,5 Jahren hatte es bereits einen ersten Antrag auf Zulassung gegeben, der abgewiesen wurde, weil der FDA zusätzliche Informationen zur Funktion der Pille und des Signalsystems fehlten. Insbesondere hatte sie Informationen zu Risiken und möglichen Fehlern in der Anwendung angefordert.

Die Pille mit integriertem Sensor als Mittel zur verbesserten Compliance

Die Idee hinter der Pille ist, das große Problem der Einnahmetreue anzugehen. Die Pharmabranche als ganzes hat bereits vor einer Weile dieses Thema als wichtigen Punkt herausgearbeitet. Insbesondere sind die großen Verluste für das Gesundheitssystem im Gespräch, die dadurch entstehen, dass Medikamente nicht konsequent eingenommen werden.

Genaue Informationen darüber, ob ein Patient ein Medikament wirklich regelmäßig und zu den vorgeschriebenen Zeiten genommen hat (oder das nur glaubt oder sagt), wären da sehr nützlich. Einerseits könnte es so genauere Angaben dazu geben, wie gut die Wirkweise von Medikamenten ist, wenn jemand sie tatsächlich vorschriftsmäßig einnimmt – im Gegensatz zu der Einnahme bei „üblichem“ Abweichen von dieser Vorgabe. Außerdem können Ärzte so besser einschätzen, wieso ein Medikament bei einem Patienten nicht anschlägt.

Gerade bei psychischen Erkrankungen, die dafür sorgen, dass der Patient sich nicht mehr genau erinnert, ob er ein Medikament bereits eingenommen hat oder nicht, sind die Pillen mit Sensor außerdem hilfreich zur Kontrolle.

Alternativen ohne elektronische Kontrolle

Die meisten Anwendungsszenarien, die sich darauf beziehen, dass der Patient die Kontrolle leichter hat, wirken allerdings etwas konstruiert: Eine Pille mit Sensor ist sicher in jedem Fall kostspieliger, als ein Tablettenblister, auf dem für jede Tablette ein Wochentag aufgedruckt ist, wie es bei vielen Verhütungspillen der Fall ist.

Neben der Tatsache, dass durch die Verwendung der App je nach Gerätehersteller Google oder Apple über die Einnahme eines solchen Medikaments informiert sind, ist auch sonst der Datenschutz bei der Verwendung alles andere als gesichert. Gerade die Information über die Behandlung von psychischen Krankheiten sollte dabei sehr strikten Datenschutzmaßnahmen unterzogen sein. Es bleibt auf jeden Fall zu hoffen, dass hier eine sichere und wirksame Lösung gefunden wird.

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