Health-Apps: Bleibt die Privatsphäre auf der Strecke?

08.05.2019 Studien
3 Minuten Lesezeit

Health-Apps auf dem Smartphone sind eine niederschwellige Möglichkeit, um das eigene Gesundheitsverhalten zu reflektieren und konkret daran zu arbeiten. Eigentlich sollten solche Apps für ihre User damit vor allem positive Seiten haben. Eigentlich.

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Denn was geschieht mit intimen User-Daten? Dieser Frage ging die University of New South Wales Sydney in einer Studie zur Privatsphäre in Health Apps nach.

Was passiert mit den sensiblen Userdaten?

Nachdem Sie als User eine Health-App auf Ihr Smartphone geladen haben, müssen Sie im Normalfall der Datenschutzerklärung zustimmen und gegebenenfalls Informationen wie die E-Mail-Adresse oder den Wohnort angeben. Bisher gibt es also keinen Unterschied zu anderen Apps. Gerade bei Health-Apps geben die User in weiteren Schritten jedoch sehr sensible Daten an. Seien es nun Informationen zum eigenen Krankheitsverlauf, dem täglichen Kalorienverbrauch oder sogar dem Schlafverhalten – was auf den ersten Blick die Gesundheit der Einzelpersonen fördern kann, interessiert manche Firmen hauptsächlich aus finanziellen Gründen. Warum? Sie erhalten von Drittunternehmen Geld für die Daten, die Sie nach der Zustimmung zur Datenschutzerklärung teilweise freigegeben haben. Nicht jedem Nutzer ist dies bewusst und nicht jeder Nutzer ist damit gänzlich einverstanden.

Wie wurde das Design der Studie zur Privatsphäre aufgebaut?

An diesem Punkt setzt die Studie der University of New South Wales Sydney an und will Antworten darauf geben, wie Health-Apps eigentlich mit der Privatsphäre ihrer User umgehen. Dafür wurden in der Querschnittsstudie die 36 beliebtesten Apps (Stand: Januar 2018) für Raucherentwöhnung und Depressionen in den USA und Australien auf iOS und Android genauer unter die Lupe genommen. Das sind rund acht Prozent aller Apps zu Depressionen und sechs Prozent aller Apps zu Raucherentwöhnung. Die Forscher untersuchten die Apps darauf, ob und inwiefern sie eine Datenschutzerklärung für ihre Konsumenten implementiert hatten. Außerdem stellten sich die Wissenschaftler die folgenden Fragen: Wie gehen die Apps wirklich mit ihren Userdaten um? Werden Daten möglicherweise sogar ohne Einverständnis an kommerziell interessierte Dritte weitergegeben? Zur Beantwortung der Fragen wurden die Datenschutzerklärungen der Apps genau evaluiert und in Relation zu einer technischen Analyse der Datenweitergabe gestellt. Was dabei herauskam?

Studien-Ergebnisse zur Privatsphäre

Nur bei 25 Apps (69 Prozent) konnten die Forscher überhaupt eine Datenschutzerklärung finden. In Österreich wäre das rechtlich bereits problematisch, weil eine solche Erklärung nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bei jeder Smartphone-App verpflichtend ist. Von diesen 25 Apps gaben 22 (88 Prozent) Informationen zur primären Nutzung der Userdaten an. Die sekundäre Datennutzung – diese ergibt sich erst aus der Verarbeitung von Primärdaten – wird in 16 Apps (64 Prozent) beschrieben. Eine ärztliche Schweigepflicht bei Apps? Gibt es scheinbar nicht. Die Wissenschafter fanden nämlich auch heraus, dass 33 der 36 Apps (92 Prozent) die Userdaten an Dritte weitergaben – nur 23 der 25 Apps (92 Prozent) mit Datenschutzerklärung gaben dies aktiv an. Die User von 25 der gesamten 36 Apps (81 Prozent) gaben ihre Daten bewusst oder unbewusst zu Werbezwecken an exakt zwei Datenriesen weiter: Google und Facebook.

Macht Datenschutz Health-Apps für Konsumenten und Beschäftigte bedenklich?

Die Forscher der University of New South Wales Sydney kommen mit ihrer Studie zu der Conclusio, dass Apps großes Potential dafür haben können, den Zugang zum Gesundheitswesen und zu Vorsorgemöglichkeiten zu erleichtern. Klar ist aber auch, dass das Business-Modell vieler Health-Apps auf der Weitergabe von User-Daten basiert. Das liegt auch daran, weil die Apps bisher nur selten von der Regierung gefördert oder durch Versicherungsunternehmen finanziert werden. Es ist also für den Schutz Ihrer Privatsphäre unerlässlich, dass Sie sich die Datenschutzerklärung der Smartphone-App durchlesen und bei Verständnisschwierigkeiten bei dem App-Entwickler nachfragen. Nach dieser Vorgehensweise steht der Nutzung von Health-Apps durch die Konsumenten und Beschäftigten im Gesundheitswesen zumindest beim Thema Datenschutz nichts mehr im Wege. So oder so sollten die App-Entwickler jedoch weiter an ihrer (Daten-)Transparenz arbeiten, um bei den Nutzern ein Gefühl des Vertrauens zu erwecken. In den nächsten Jahren dürfte man dazu noch einige Innovationen erwarten – auch, um in Zukunft ganz neue Formen von Userdaten zu erheben.

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