Internet of Things: Pfizer und IBM zusammen für Parkinsonforschung

02.06.2016 Marketing
3 Minuten Lesezeit

Das Internet of Things (oder IoT) ist aktuell einer der großen Trends der Computerbranche. Auch in der Pharmaforschung wird das IoT Einsatz finden. Einen großen Schritt in diese Richtung machen jetzt Pfizer und IBM gemeinsam. Damit kooperiert ein Pharma-Unternehmen für die Forschung direkt mit einem Computergiganten.

Die beiden Unternehmen planen, gemeinsam Geräte zu entwickeln, die die Wirkung von Medikamenten für Parkinson-Patienten überprüfen sollen. Anders als bei gewöhnlichen klinischen Studien könnten Gadgets und Entwicklungen aus dem Forschungsgebiet Internet of Things es möglich machen, dass die Patienten nur selten ihren Alltag unterbrechen müssen, um mit einem Arzt zu sprechen und die Wirkung des Medikaments prüfen zu lassen.

Das Internet of Things

Das Internet of Things oder kurz IoT ist ein großer Trend der Computerbranche und wird meist mit Toastern und Kaffeemaschinen beworben, die das Frühstück in Abstimmung mit dem Wecker zubereiten, oder Häusern, deren Licht, Heizung und Musikanlagen vom Smartphone aus gesteuert werden können.

Im Bereich Pharmakologie und eHealth kann man sich Entwicklungen näher am Menschen vorstellen: Angefangen bei der Überwachung alltäglicher Aktivitäten durch Apps und Smartwatches – wie zum Beispiel Schrittzähler, Pulsmesser und Diättagebücher – geht die Entwicklung in Richtung präziser Unterstützung von Patienten im Alltag. Ein Gerät, das wie eine Armbanduhr getragen wird, könnte dann beispielsweise den Tag über nicht nur den Puls messen und aufzeichnen, sondern auch die Bewegung des Patienten und seine üblichen Aufenthaltsorte. So können datengesteuert Muster erkannt werden, die man sonst übersehen würde.

Herausforderungen bei der Parkinsonforschung

Nach Angaben der Parkinson-Stiftung leiden weltweit rund sieben bis zehn Millionen Menschen an Parkinson.* In Österreich geht man von etwa 20.000 Betroffenen aus. In der Parkinsonforschung ist das Ziel der Behandlung (zurzeit) nicht die Heilung der Krankheit, sondern eine Verbesserung der Symptomatik. Das meistverwendete Medikament, Carbidopa/Ievodopa, ist seit den 50er Jahren auf dem Markt und hilft vielen Patienten, die Symptome der Krankheit zu lindern. Es hat allerdings teilweise erhebliche Nebenwirkungen wie Übelkeit und geistige Verwirrung.

Die Beurteilung der Verbesserung der Symptome aber auch der Nebenwirkungen beruht bei den meisten bisherigen Therapien und Studien auf Befragungen der Patienten, die ihre Alltagskompetenz selbst beurteilen. Diese Auswertung ist nicht nur sehr subjektiv, sondern auch von vielen anderen Faktoren beeinflusst, die vielleicht bei bisherigen Studien noch nicht erkannt wurden. Hier setzt die größere Datensammlung durch Methoden des Internet of Things an.

“Things” aus dem Internet of Things und ihre Rolle im Alltag von Parkinson-Patienten

Die Forschung von Pfizer und IBM steckt noch in den Kinderschuhen – wie übrigens die meiste Forschung zum Internet of Things. Die Idee ist sehr neu und viele Experten versprechen sich enorme Wissensgewinne von einem gut funktionierenden IoT. Welche Geräte genau sie bei der Parkinsonforschung einsetzen wollen, können auch IBM und Pfizer noch nicht sagen – bisher existiert noch kein Prototyp.

Denkbar sind bei der Verknüpfung der Ansätze allerdings beispielsweise tragbare Geräte, die das unwillkürliche Zittern des Trägers bei Alltagshandlungen wie Zähneputzen, An- und Ausziehen oder beim Essen messen und auch die Regelmäßigkeit dieser Aktivitäten aufzeichnen können. Ein Kerngedanke hinter dem IoT ist die Verknüpfung von verschiedenen Geräten, sodass beispielsweise das Monitoring-Gerät am Handgelenk mit der Zahnbürste „sprechen“ kann und neben der Bewegung der Hand direkt auch Informationen über den Druck und die Geschwindigkeit der Bewegungen erhält.

Bedenken und Chancen

Natürlich schleicht sich bei diesen Beschreibungen schnell auch das Wort „Überwachung“ in den Kopf. Die meisten Menschen fühlen sich unwohl bei dem Gedanken, dass jede ihrer Bewegungen aufgezeichnet wird und so Maschinen Informationen über sie lernen könnten, die sie selbst noch nicht kannten – beispielsweise, dass ihre Toilettengänge einem bestimmten Muster folgen oder ganz banal, dass sie sich viel weniger bewegen, als sie selbst dachten.

Auch hier zählt allerdings die Perspektive: Forschung ohne Auswertung von Daten und Informationen kann nicht funktionieren und bleibt blind. Deswegen müssen für jede Studie Daten gesammelt und ausgewertet werden. Der Vorteil der maschinellen Überwachung kann darin liegen, dass all diese Auswertungen passieren, ohne dass der Patient seine gewohnte Umgebung verlassen muss. Die Zuordnung von Informationen zu einzelnen Patienten kann durch den richtigen Einsatz der Technik sogar wesentlich schwieriger sein, als wenn einzelne Ärzte oder Pflegepersonen Berichte verfassen.

Konkrete Pläne für die Parkinsonforschung bei Pfizer

Bisher wird über die Pläne nach außen hin zwar nicht im Detail gesprochen, Pfizer und IBM haben allerdings scheinbar schon konkrete Ideen: Schon 2018 soll ein klinischer Test mit Hilfe des IoT gestartet werden. Bedenkt man die Vorlauf- und Produktionszeiten der Geräte für die geplanten 200 Versuchspersonen, kann man davon ausgehen, dass die Unternehmen bereits Genaueres wissen, als sie bekannt geben.

Ebenfalls geheim gehalten wird die Höhe der Investitionen, die Pfizer und IBM tätigen. Dafür ist bekannt, dass Pfizer plant, die Tests mit dem Internet of Things schon 2019 auf das zurzeit in der ersten Testphase befindliche PF-06649751 anzuwenden.

Langfristig wird das Internet of Things auf jeden Fall nicht nur Einzug in die Erforschung, sondern auch Behandlung von Krankheiten halten. Viele Therapien könnten davon profitieren, wenn behandelnden Ärzten mehr Informationen zur Verfügung stünden. Andererseits kann das IoT auch eine aktive Rolle im Leben der Patienten spielen und beispielsweise durch Erinnerungen oder Anregungen Patienten helfen, länger selbstständig zu bleiben.

*Quelle: Parkinson’s Disease Foundation. Statistics on Parkinson’s. Available at www.pdf.org/en/parkinson_statistics Zugriff: 25.08.2016

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