DocCheck CEO Frank Antwerpes im Interview

16.08.2016 Interviews
3 Minuten Lesezeit
(c) docckeck.ag

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Dr. Frank Antwerpes

– Ausbildung: Arzt und Zahnarzt
– aktuelle Position: Vorstandsvorsitzender DocCheck AG und antwerpes ag, Geschäftsführer DocCheck Medical Services GmbH und  DocCheck Guano AG
– frühere Positionen: freiberuflicher Texter und Konzeptioner[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]

Der Patient ist die beste Quelle für neue Produktideen und -verbesserungen.

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Du hast Medizin studiert und warst danach als Arzt tätig. Wann kam der Punkt an dem du beschlossen hast, als Unternehmer tätig zu werden und der Medizin den Rücken zu kehren?

Das war schon relativ früh, bereits im Studium habe ich in Agenturen geschnuppert und dort als Freelancer gearbeitet. Nach einem kurzen Intermezzo als Betriebsarzt und Landarzt habe ich dann den weißen Kittel endgültig an den Nagel gehängt – und es nie bereut.

Was magst du besonders an deinem Beruf?

Dass er mir ermöglicht, viele Ideen umzusetzen und damit andere Menschen zu inspirieren. Es macht Spaß, wenn Du Dir etwas aus dem Nichts ausdenkst, und plötzlich beschäftigen sich ein paar Dutzend Leute den ganzen Tag damit.

Warst du deiner Zeit voraus, als du 1996 DocCheck gegründet hast?

Ja, aber das hatte auch seine Schattenseiten, denn es hat sehr lange gedauert, bis sich unsere  Plattform am Markt etabliert hat. Da brauchten wir einen sehr langen Atem. Der Gesundheitsmarkt verändert sich halt wesentlich langsamer als andere Märkte.

Dein jüngstes Unternehmen ist die Guano AG, wo du in eHealth Start-Ups investierst. Wie werden Start-Ups bei Guano konkret gefördert und was muss ein Unternehmen mitbringen, um ein Investment zu erhalten?

Guano bietet mehr als „Kackpital“. Wir unterstützen Startups nicht nur mit Geld, sondern auch mit unserem Branchen-Know-How und knüpfen für die Gründer wichtige Kontakte im Gesundheitsmarkt. In der DocCheck-Community testen wir neue Ideen und verhelfen den jungen Unternehmen rasch zu mehr Bekanntheit. Dieses Paket finden viele Startups interessant – deshalb haben wir in kurzer Zeit schon 4 Beteiligungen closen können.

Die eHealth und ePharma Branche hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Welche neuen Trends kommen auf uns zu?

Die Veränderungen betreffen alle Teilbereiche des Gesundheitsmarkts. Entscheidende Einflussfaktoren kommen dabei aus der Sensorik und der künstlichen Intelligenz. Das Deutungsmonopol der Ärzte wird durch die Eigendiagnostik der Patienten und automatisierte Systeme zunehmend in Frage gestellt werden. Schon heute sind in einigen Bereichen der Bildgebung KI-Systeme menschlichen Betrachtern deutlich überlegen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Heimlabor im Zusammenspiel mit neuronalen Netzen eine bessere, schnellere und billigere Diagnose stellen kann als wir Mediziner. Das heißt nicht, dass wir überflüssig werden, aber unser Tätigkeitsprofil wird sich ändern. Telemedizin und Telediagnostik werden sich trotz manchem rechtlichen Hemmschuh als Standardelement der Gesundheitsversorgung  etablieren.

Die Zukunft der Pharmaindustrie wird vor allem durch das Molecular-Printing beinflusst. Erst kürzlich hat das MIT den Prototyp eines Printers vorgestellt, der Millionen unterschiedlicher Moleküle „drucken“ kann. Dadurch kann die Herstellung von Arzneimitteln dezentralisiert werden und  der Patentschutz auf Herstellungsverfahren wird Makulatur. Es kommen spannende Zeiten auf uns zu!

Stichwort Digitalisierung: Wo siehst du hier Verbesserungspotential in der Pharma Branche?

Die Pharmaindustrie geht die Digitalisierung mit zu viel Zurückhaltung an. Das hat damit zu tun, dass man gedanklich immer noch sehr um das Business-Modell „Tablette“ kreist – so wie die Verlage um Zeitschriften und Bücher. Darüber hinaus ist der Arzneimittelmarkt stark gesetzlich reglementiert, was sich gerade in Zeiten schnellen technischen Fortschritts als Innovationsbremse erweist.

Arzneimittelhersteller sind aber keine Pillendreher, sondern Gesundheitsdienstleister. Sie sollten mehr digitale Mehrwerte um ihre Produkte herum aufbauen und den Patienten in den Mittelpunkt ihres Denkens stellen. Bei jedem Turnschuhhersteller kann ich mir individuelle Designs bestellen – warum nicht bei Arzneimitteln individuelle Dosierungen und Tablettenformen? Die Ansprüche der Konsumenten an die Usability, Individualisierung und Verfügbarkeit von Produkten steigen. Daher wird sich die Pharmaindustrie dem auf Dauer nicht verschließen können.

Stichwort Social Media: Ist die Pharmaindustrie bereit für den aktiven Dialog mit Patienten?

Dieser Dialog findet zu wenig statt.  Auch hier stehen gesetzliche Rahmenbedingungen im Weg. Habe ich als Pharmafirma Lust auf aktiven Austausch mit dem Patienten, wenn ich jede Äußerung über ein Produkt, die als Nebenwirkung verstanden werden kann, unter Strafandrohung sofort melden muss? Erstmal nicht. Die Industrie muss sich aber auch an die eigene Nase fassen, denn die Angst vor einer „UAW-Flut“ ist stark übertrieben. Wir betreiben für einige Firmen Social-Media-Auftritte und die Anzahl der Meldungen, die da reinkommt, ist sehr gering.

Durch die Ängstlichkeit vergeben die Arzneimittelhersteller viele Chancen, denn der Patient ist die beste Quelle neuer Produktideen und -verbesserungen. Und nicht zu vergessen: Er ist letztlich derjenige, der zahlt.

War die Idee des HealthShareAwards, die Pharmaindustrie hier ein wenig wachzurütteln bzw. auf diese Art der Kundenkommunikation aufmerksam zu machen?

Absolut. Der HealthShare Award will mutige Ideen auszeichnen und dadurch bekannter machen. Man lernt am besten an guten Beispielen. Und davon gibt es glücklicherweise immer mehr.

Welchen Rat möchtest du den Lesern des ePharma Insiders geben? Was sollten Pharma Marketers, Ärzte und Healthcare Journalisten beim Thema digital besonders beachten?

Habt mehr Lust, neue Dinge auszuprobieren und habt keine Angst vor Fehlern. Ich habe immer am meisten aus den Dingen gelernt, die ich intensiv versiebt habe.

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