John Gordon, Pfizer, im Interview: „Kommunikation muss agil und maßgeschneidert ablaufen“

06.12.2017 Interviews
3 Minuten Lesezeit

Wir haben John Gordon, Head of Digital bei Pfizer Innovative Health auf der diesjährigen Frontiers Health Konferenz in Berlin getroffen. Im ePharma Insider Interview verrät er, wie Digital Health bei Pfizer zum Einsatz kommt und welche Chancen in dem Bereich für die Pharma- und Gesundheitsbranche bevorstehen.

Wir müssen die richtige Balance zwischen rechtskonformem Handeln und einer Konversation finden, die dennoch so agil und maßgeschneidert wie möglich abläuft.

ePharma Insider: Im letzten Jahrzehnt konzentrierte sich die Pharmaindustrie darauf, Geschäftsmodelle „beyond the pill“ zu etablieren. Wo steht Pfizer, wenn es um diesen Ansatz geht?

John Gordon: Es gibt viele Probleme mit denen Patienten während der gesamten Behandlung konfrontiert sind. Um die besten Ergebnisse aus unseren Arzneimitteln zu erzielen, müssen wir neue Technologien erforschen, die sowohl bei der frühzeitigen Diagnose und Behandlung von Krankheiten als auch im fortlaufenden Selbstmanagement und bei der Therapieadhärenz helfen können. Daher glauben wir, dass Lösungen „beyond the pill“ ein wichtiges Instrument sind, um sicherzustellen, dass Patienten die besten Behandlungsergebnisse erzielen.

Wo werden neue Technologien in den nächsten zehn Jahren die größten Auswirkungen auf die Pharmaindustrie haben?

Die größte Chance im digitalen Bereich liegt für Pharma im Gebiet der Datenanalyse. Es gibt jetzt bereits so viele Informationen, die uns helfen die Herausforderungen für Patienten und medizinisches Fachpersonal zu verstehen. Das bedeutet, dass wir durch effektive Analyse Lösungen viel effektiver gestalten und anpassen können, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Wie nutzt Pfizer Digital Health, um Ärzte anzusprechen?

Wir tun dies auf viele verschiedene Arten. Auch hier denke ich, dass wir uns darauf konzentrieren werden, echte Probleme für Patienten zu lösen, und hier auch bei Angehörigen der Gesundheitsberufe ansetzen müssen. Wir haben eine Reihe von Beispielen für digitale Gesundheitsinitiativen. Diese reichen von Wearables für die Betreuung von chronischen Schmerzpatienten zur Verfolgung und Verwaltung ihrer Symptome, bis hin zu Partnerschaften mit Sensorfirmen, die praktische Ansätze zur Identifizierung von Arrhythmien außerhalb der Klinik bieten können.

Was macht eine digitale Kampagne für Sie erfolgreich und wie messen Sie diesen Erfolg?

Für uns ist wichtig herauszufinden, ob tatsächlich ein Problem des Patienten gelöst werden kann. Dabei sind uns drei Aspekte besonders wichtig: Die Patientenerfahrung und die Zufriedenheit mit der Lösung, die Reichweite dieser bestimmten Aktivität, so dass wir eine große Kohorte von Patienten erreichen und das beste Ergebnis für sie erzielen können. Zuletzt schauen wir uns natürlich an, ob wir die Ergebnisse produzieren, die wir initial tatsächlich erreichen wollten. Unterstützt die Kampagne zum Beispiel eine bessere Therapieadhärenz oder treibt sie eine frühzeitige Diagnose einer bestimmten Erkrankung voran?

Welche Initiativen waren in der Vergangenheit besonders erfolgreich?

Ich denke, die erfolgreichsten Initiativen sind jene, die sich darauf konzentrieren dem Patienten umfassende und qualitativ hochwertige Informationen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig müssen diese Informationen gut zugänglich und verständlich aufbereitet sein.

In welchem ​​digitalen Bereich möchten Sie Budgets erhöhen bzw. wo liegt Ihr Fokus?

Wir möchten noch stärker erforschen, wie Sensorik und Wearables die bestehenden Therapien ergänzen können, die wir anbieten. Dabei wollen wir Patienten helfen, den Nutzen dieser Therapien wirklich zu verstehen und Ärzte dabei unterstützen, diesen Mehrwert ebenfalls zu sehen.

Wenn es um Social Media geht, ist die Pharmaindustrie bisher sehr vorsichtig unterwegs. Ist die Branche wirklich bereit für den direkten Kontakt mit Patienten?

Ja, ich denke, dass viele der pharmazeutischen Unternehmen jetzt umfassende Richtlinien einführen, wie sie sich in ein wechselseitiges Gespräch mit Patienten einbringen können. Ich denke, wir haben einige schöne Beispiele für diese spezielle Art von Aktivität und das wird im Laufe der Zeit noch stärker zunehmen. Wir müssen aber zusätzlich noch die richtige Balance zwischen rechtskonformem Handeln und einer Konversation finden, die dennoch so agil und maßgeschneidert wie möglich abläuft.

Trotz aller digitaler Initiativen hält sich das Vorurteil, dass die Pharmaindustrie der Digitalisierung äußerst kritisch gegenüberstehe. Warum?

Wir haben ein Geschäftsmodell, das seit vielen Jahren sehr effektiv ist. Es ist natürlich eine Herausforderung, dieses Geschäftsmodell so schnell und nachhaltig zu ändern, wie das in anderen Branchen der Fall ist. Außerdem ist die Gesundheitsbranche sehr stark reguliert und man hat bisher sehr viel Zeit damit verbracht, herauszufinden, wie man im Bereich Digital Health innerhalb der Richtlinien arbeiten kann.

Ich denke, wir sehen jetzt eine riesen Möglichkeit mit der Digitalisierung. Das betrifft einerseits unsere Kollegen mit Kundenkontakt, aber auch die Art und Weise, wie Angehörige der Gesundheitsberufe online auf Informationen zugreifen können. Es ist nicht mehr zwingend erforderlich, dass sie bei Fragen zu ihrem Vertreter gehen. Sie können rund um die Uhr Informationen abrufen, die auf die klinische Praxis abgestimmt sind.

Außerdem denke ich, dass die wirklich große Chance für Patienten besteht. Wir wissen, dass Patienten immer mehr an ihrem persönlichen Gesundheitsmanagement interessiert sind und hier auch verstärkt aktiv nachforschen. Wir wissen, dass Patienten ein Symptom online recherchieren, bevor sie zu einem Arzt gehen. Oder sie googeln ein Produkt, bevor sie entscheiden, ob sie es einnehmen oder nicht. Es besteht hier eine große Chance für uns, Patienten besser über ihre Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären, damit sie das Beste aus ihrer Therapie herausholen können.

Wir müssen aber zusätzlich noch die richtige Balance zwischen rechtskonformem Handeln und einer Konversation finden, die dennoch so agil und maßgeschneidert wie möglich abläuft.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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