Johnson & Johnson macht’s vor: Robotik für Pharmafirmen

17.04.2019 Trends
2 Minuten Lesezeit

Johnson & Johnson hat für mehrere Milliarden die Firma Auris Health aufgekauft, einen Hersteller von Operationsrobotern. Durch diesen Schritt verfolgt Johnson & Johnson das langfristige Ziel, im Robotik-Bereich der Gesundheitsbranche zu wachsen.

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Insgesamt hat sich Johnson & Johnson den Kauf des Robotik-Unternehmens 3,4 Milliarden Dollar kosten lassen. Dafür nimmt Johnson & Johnson mit Auris Health ein Unternehmen auf, das sich auf Technologien zur Behandlung von Lungenkrebs spezialisiert hat. Dabei helfen die Roboter im OP: Sie sind speziell für die Chirurgie geschaffen und unterstützen Ärzte bei Operationen.

Robotik als Perspektive für Pharmaunternehmen?

Johnson & Johnson geht einen Schritt in Richtung Pharma-Robotik, den auch andere Unternehmen bald machen werden. Denn Robotik gilt als eine der nächsten „großen Lösungen“ für die Pharmabranche. Die automatisierte Abwicklung von Prozessen kann vor allem Kosten einsparen und damit diverse Entwicklungen günstiger machen.

Dabei können Roboter mit hohen Anschaffungskosten langfristig teurere menschliche Arbeiter ersetzen und so Kosten einsparen. Gleichzeitig können automatische Prozesse eingesetzt werden, um die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Medikamenten zu erhöhen. Ein mittlerweile etablierter Pfad in dieser Hinsicht ist die Nachverfolgbarkeit von Medikamenten-Verpackungen, die von der Produktion bis zum Patienten durch diverse Verfahren ermöglicht wird. So steigern automatisierte Prozesse auch die Sicherheit von Patienten.

Roboter können teure Arbeitskräfte ersetzen

Die Kosten der Produktion von Medikamenten sind eine starke Bremse für die Pharmaindustrie und verhindern teilweise die Entwicklung von neuen Medikamenten. Insbesondere die Produktion von persönlichen und individuellen Wirkstoffmischungen oder Dosen ist bei der Herstellung durch menschliche Arbeitskräfte nicht finanzierbar.

51 % der Vertreter der Pharmabranche sagten in einer Umfrage von Global Data, dass sie erwarten, dass Vorschriften zur Regulierung von Medikamentpreisen und Erstattungen einen negativen Einfluss auf die Pharmabranche haben werden. Deren weltweiter Wert wurde 2017 auf 959,4 Milliarden Dollar geschätzt und soll nach Schätzungen der Umfragen-Veranstalter bis 2024 jährlich um 6,7 % wachsen – auf 1,51 Billionen Dollar im Jahr 2024.

Dieser Anstieg kann vor einem Verlust durch Beschränkungen oder Regeln geschützt werden, wenn Pharmahersteller die Kosten für die Produtktion von Medikamenten reduzieren. Dabei kann Automatisierung eine wichtige Rolle spielen. Außerdem zeigt Johnson & Johnson durch den Kauf von Auris Health, dass die Pharmabranche ihre Rolle auch erweitert verstehen kann: Nicht mehr nur als Produzenten von Medikamenten, sondern Einflussnehmer in der gesamten Gesundheitsbranche. Die Übernahme von Unternehmen, die neue Gesundheitsprodukte wie Operations-Roboter herstellen, entspricht in Zukunft der Sparte der Hilfsmittel oder eben der HCPs.

Genetisch auf den Empfänger abgestimmte Medikamente

Automatisierte Prozesse können für Patienten perfekte Medikamente produzieren: Von der Analyse der Symptome durch KI-Systeme und die Untersuchung seiner DNA durch Roboter-Verfahren, bis hin zur Produktion von auf diese DNA abgestimmten, individuellen Medikamenten.

So erhalten Patienten eine auf sie abgestimmte Behandlung, bei der nur an wenigen Stellen menschliche Arbeit involviert sein muss. Pharmaunternehmen können sich andererseits so weiter darauf spezialisieren, wesentlich mehr Einfluss in der Behandlung von Patienten zu nehmen.

Bei allen ethischen Herausforderungen können sie dadurch auch die befürchteten Verluste durch Regulationen oder Einschnitte beim Verkauf von Medikamenten ausgleichen. Die hohen Anschaffungskosten von Robotern (oder auf Robotik spezialisierten Firmen) amortisieren sich mit der Zeit durch die Möglichkeiten, die sie eröffnen.

Günstigere Herstellung, Kontrolle und Verpackung durch Robotik

Neben der Individualisierung der Medikamente können auch Fließbandprozesse weiter automatisiert und dadurch kostengünstiger durchgeführt werden. Die Überprüfung von Medikamenten auf korrekte Inhaltsstoffe in der richtigen Dosis obliegt Medikamentenherstellern. Durch automatisierte Verfahren können sie die Qualitätstests, Beschriftung und Verpackung wesentlich günstiger als durch händische Bearbeitung sicherstellen.

An vielen Stellen können Pharmaunternehmen durch den Einsatz von Robotikverfahren neue Tätigkeitsfelder erschließen, ihre Services beschleunigen und Kosten einsparen. Johnson & Johnsons Kauf von Auris Health steht für die Bereitschaft der Branche, diesen Schritt zu machen.

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