Klartext: Pfizer übersetzt Studienergebnisse in Alltagssprache

11.08.2021 Kampagnen
2 Minuten Lesezeit

Die Ergebnisse klinischer Studien für ein bestimmtes Medikament zu finden, kann eine Herausforderung sein. Eine noch größere Challenge ist das Lesen der Daten. Wissenschaftlicher Jargon kann selbst für den intelligentesten Patienten frustrierend sein. Pfizer geht bei diesem Problem mit gutem Beispiel voraus.

Wissenschaftliche Studienergebnisse für die Allgemeinheit

Pfizer arbeitet seit einem Jahrzehnt an diesem Problem, weitet aber jetzt seine Bemühungen aus. Im Mai hat das Unternehmen damit begonnen, die Ergebnisse klinischer Studien in einem öffentlich zugänglichen Online-Portal im Klartext zu veröffentlichen. Ab nächstem Jahr wird Pfizer alle Studienergebnisse in einfacher Sprache veröffentlichen und sie ins Spanische, Französische und Deutsche übersetzen.

Warum jetzt? Pfizer und andere Arzneimittelhersteller gehen einen Schritt weiter. Grund dafür ist eine Verordnung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), die ab dem nächsten Jahr alle Unternehmen dazu verpflichtet, Studienergebnisse in einfacher Sprache zusammenzufassen.

Der Sponsor sollte eine Zusammenfassung der Ergebnisse der klinischen Prüfung zusammen mit einer für einen
Laien verständlichen Zusammenfassung sowie gegebenenfalls den Bericht über die klinische Prüfung innerhalb der
festgesetzten Fristen übermitteln.

VERORDNUNG (EU) Nr. 536/2014

Trotz Klartext-Version: Viele Studien nicht öffentlich einsehbar

Neben Pfizer bemühen sich auch Merck, Bristol Myers Squibb, Janssen von Johnson & Johnson und Novartis um Klartext. Eine Gruppe von Arzneimittelherstellern, darunter GlaxoSmithKline, Amgen und AstraZeneca, veröffentlicht einige Studien in einfacher Sprache auf einer durchsuchbaren Website, die von Informa betrieben wird.

Die EMA-Verordnung beschleunigt zwar die Verwendung von einfacher zu lesenden Arzneimittelstudien und -ergebnissen, doch eine im letzten Herbst veröffentlichte Studie von GSK-Forschern ergab, dass die Akzeptanz auf breiter Ebene noch aussteht.

Die Forscher untersuchten, inwieweit die 20 größten Pharmaunternehmen in ihren Zusammenfassungen von klinischen Studien eine einfache Sprache verwenden. Während sich 17 der 20 Pharmaunternehmen verpflichteten, einfache Zusammenfassungen an Patienten weiterzugeben, die an den Studien teilgenommen hatten, erklärten nur neun, sie würden sie mit der Öffentlichkeit teilen.

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass von den 99 Studien, die technische Zusammenfassungen in die European Clinical Trials Database eingestellt hatten, nur 14 Zusammenfassungen in einfacher Sprache veröffentlicht wurden.

„Die wenigen Zusammenfassungen in einfacher Sprache, die öffentlich zugänglich sind, werden von Internet-Suchmaschinen nicht leicht gefunden, was ihren Nutzen als Mittel zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheitskompetenz in Bezug auf klinische Studien einschränkt“, so die Schlussfolgerung der Studie.

Pfizer geht mit positivem Beispiel voran

Für Pfizer ist ein weiterer Grund für den Vorstoß, dass die Öffentlichkeit dies wünscht. Die Menschen erwarten in zunehmendem Maße Informationen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind, sagte J.R. Meloro, der bei Pfizers globaler Medizin- und Sicherheitsgruppe für die Verbreitung von Daten, Veröffentlichungen und Transparenz zuständig ist.

Das mag der Grund dafür sein, dass Bemühungen wie das kürzlich eröffnete Studienportal von Pfizer in einfacher Sprache auf ein „großartiges erstes Feedback“ stoßen, so Meloro. Das Pharmaunternehmen plant, die Datenbank über die sozialen Medien bekannter zu machen.

Die Verwendung der einfachen Zusammenfassungen passt auch zu den Zielen von Pfizer in Bezug auf die Gleichberechtigung, so Meloro.

Studien sollten „nicht nur für Forscher, sondern auch für Teilnehmer, Patientenvertreter, Pflegepersonal und die breite Öffentlichkeit zugänglich sein. Mit einem Wort, es geht um Transparenz“, sagte er.

 

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