Kommunikation in der Krise: Was kann Pharma von Ärzten lernen?

22.04.2020 Trends
2 Minuten Lesezeit

Kommunikation in der Krise: In Zeiten von Corona und sozialen Medien beweisen Ärzte weltweit größtes Anpassungsvermögen in ihren Bemühungen, diese Pandemie einzudämmen. Ein Unterfangen, das unkonventionelle Methoden erfordert, sowie die Bereitschaft mit der Aufgabe zu wachsen und über den Tellerrand hinauszuschauen.

Medical photo created by freepik - www.freepik.com

Social Media: Austausch unter Ärzten

Soziale Medien – ein Erfolgskonzept, dessen Zielgruppe bereits seit geraumer Zeit über seine anfängliche, primäre Nische, bestehend vor allem aus der Nutzung durch Jugendliche, hinausgewachsen ist.

Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter bieten Raum für den Austausch unter Ärzten und anderen Healthcare Professionals, um in Echtzeit über neue Erkenntnisse in den Behandlungsmethoden von Patienten und weitere relevante medizinische Entwicklungen zu diskutieren. Auch mobile Applikationen, wie z.B. Diagnosia in Österreich, erfreuen sich hoher Beliebtheit. Die Notwendigkeit dieses kontinuierlichen Informationsflusses, welcher zahlreiche Ländergrenzen überwindet, fußt in massiven Wissenslücken, die es vordergründig zu füllen gilt; nur so können alle Puzzleteile zusammengefügt werden.

So erklärte beispielsweise Dr. Kurt Kloss, Arzt in einer New Yorker Notfallaufnahme, in einem Beitrag der NY Times seine Adaption dieser Herangehensweise. Regelmäßiges Durchforsten verschiedener sozialer Plattformen nach wertvollen Hinweisen habe ihn schließlich zu einer Facebookgruppe geführt, gegründet von Dr. Kabir Rezvankhoo zum Zweck der Bündelung von kompetenten Anlaufstellen. In einem solchen Rahmen wurde man auch auf die direkte Intubation bei Corona Patienten aufmerksam, nachdem die hohe Sterberate unter Menschen, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen waren, die jeweils behandelnden Ärzte vor ein Rätsel gestellt hatte.

Social Media: Aufklärungspotenzial

Über den Austausch unter Ärzten und anderen Healthcare Professionals hinaus, ist die Nutzung von Instagram und Co. zur Aufklärung der Allgemeinheit durch Gesundheitsdienstleister enorm gestiegen.

Im Jahr 2020 ist es unumstrittener Fakt, dass die Mehrheit der Bevölkerung bei Sorgen erst einmal das Internet und insbesondere soziale Plattformen zu Rate zieht. Kurze Beiträge mit großer Reichweite, meist in Form von Videos, bilden dabei beliebte Kategorie. Ob es sich um ein speziell auf COVID-19 zugeschneidertes Hygiene-1×1 oder den simplen Aufruf, die Situation ernst zu nehmen, handelt – die Mobilisierung der Fachkräfte verbreitet seriöse Nachrichten wie ein Lauffeuer und erreicht dank einer komplexen Vernetzung so viele Menschen, wie es auf anderem Weg vermutlich nicht möglich wäre.

Kommunikation in der Krise: Wo könnte die Pharmabranche anknüpfen?

So komplex die Pharmabranche ist, so schwierig ist auch das Pflaster auf Kommunikationsebene. Während HCPs in dieser Beziehung mit gutem Beispiel vorangehen und die Patientenkommunikation grundlegend neu definieren, indem sie ihnen auf Augenhöhe begegnen und Informationen leicht zugänglich machen, ist die Reaktion der Branche auf aktuelle Entwicklungen in Richtung Digitalisierung vergleichsweise zögerlich. Grund dafür sind strenge, rechtliche Vorgaben, unter anderem das Arzneimittelgesetz, welches die werbliche Präsentation von Medikamenten gegenüber Konsumenten verbietet und die Möglichkeiten im Patientengespräch somit erheblich einschränkt. Marketing Agenturen sollten die Industrie gut kennen und in jedem Fall Spezialisten in ihrem Team vorweisen, die mit der Entstehung der Produkte und den Zulassungsprozessen vertraut sind.

Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen die Pharmaindustrie sich konfrontiert sieht, muss eine metaphorische Brücke zwischen Produzent und Verbraucher geschaffen werden. Der Gesprächsbedarf seitens Konsumenten ist größer denn je und es empfiehlt sich die von HCPs auf der ganzen Welt unter Beweis gestellte Innovation, Empathie und Flexibilität im Hinterkopf zu behalten, während an neuen Konzepten gearbeitet wird, die sich möglicherweise an dieses Vorbild anlehnen könnten.

Bereits das Filtern der Informationsflut durch sorgfältig abgewägte, öffentliche Statements unter Sicherstellung leichter Zugänglichkeit auf Webseiten und sozialen Medien gibt den Menschen mehr Zuversicht im Alltag.

Print Friendly, PDF & Email