Krankentransport von Uber und Lyft – Vorteile für die Gesundheitsbranche?

08.07.2019 Trends
3 Minuten Lesezeit

Insbesondere für Ärzte ist es wichtig, dass Patienten ihre Termine einhalten. Uber und Lyft nehmen sich des Problems zu spät kommender Patienten nun an. Sie bieten ihre Dienstleistungen für den Krankentransport an und sind damit sehr erfolgreich. In Studien soll gezeigt werden, ob es wahrscheinlicher ist, dass Patienten mithilfe der Fahrservices ihre Arzttermine wahrnehmen.

Wie im eigenen Auto – Krankentransport mit Uber und Lyft

Die 75-jährige Carolyn Morrow hat Probleme mit einem eingeklemmten Nerv im Rücken, der ihr Gehen beeinträchtigt. Mindestens 1 Mal pro Monat besucht sie ihren Arzt, dessen Praxis in einiger Entfernung von ihrem Seniorenwohnheim in Redwood City, California liegt. Morrow nutzt den Shuttle-Bus des Wohnheims, wann immer sie kann. Da der Bus aber oft nicht zu den Zeiten ihrer Arzttermine fährt, nutzt sie den Krankentransport von Lyft. Das Seniorenwohnheim arbeitet schon seit 2016 mit dem Unternehmen zusammen.

Die Bewohner buchen einen „Lyft“ über ihren Pförtner und die Fahrten werden monatlich über die jeweilige Zimmernummer abgerechnet. Rund 35 Personen nutzen den Service jeden Monat, so das Heim. „Es ist wie eine Fahrt in meinem eigenen Auto und ich muss mir keine Sorgen machen, ob ich meinen Termin wahrnehmen kann“, sagte Morrow, die monatlich 20 bis 25 USD für die Fahrten ausgibt. Bevor es den Lyft-Service gab, hat sie oft darüber nachgedacht, Arzttermine abzusagen, so die 75-jährige.

Uber und Lyft nutzen eine Nische im Krankentransport-Markt. Sie wollen damit auf den Bedarf nach Krankentransporten zu Arztterminen hinweisen. Beide Unternehmen haben zahlreiche Partnerschaften mit Seniorenwohnheimen und anderen Gesundheitsorganisationen. Berechnet wird für den Krankentransport der gleiche Preis wie für eine normale Abholung. Allerdings gibt es weitere Services für Personen, die nicht so technikaffin sind oder keinen Zugang zu mobilen Apps haben.

Verringern von Arztterminen ohne Erscheinen

Laut einer Studie der National Institutes of Health versäumen rund 3,6 Millionen Amerikaner, bedingt durch schlechte Anbindung und die Transportsituation, mindestens einen Arzttermin pro Jahr oder erhalten ihre Behandlungen verspätet. Zusätzlich fanden Health Outreach Partners 2017 in einer Untersuchung heraus, dass 25 Prozent der versäumten Arzttermine in den USA durch die Probleme beim Transport verursacht sind. Patienten, die nicht zu ihren Arztterminen erscheinen, kosten das Gesundheitssystem geschätzt jährlich rund 150 Milliarden US Dollar.

Experten finden es derzeit noch zu früh, um die Verbesserungen durch die Krankentransporte von Uber und Lyft zu beurteilen. „Bisher gibt es noch keine aussagekräftigen Daten und die Details sind von Unternehmen zu Unternehmen verschieden“, sagte Rich Sampson, Communications Director der Community Transportation Association of America.

Erste Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse, dennoch ist Sampson überzeugt: „Wir können sicher sagen, dass bessere Transportoptionen die Zahl der versäumten Arzttermine insgesamt reduziert.“ Neben der geringeren Versäumnisrate der Termine ist vor allem die Kostenersparnis durch die Rideshare Unternehmen für die Healthcare-Organisationen von Bedeutung. So konnte das Boston Medical Center 500.000 US Dollar einsparen, indem anstelle von Shuttle Bussen zwischen Campus und Klinik Uber Fahrzeuge genutzt wurden. Die Patienten waren mit dem Uber-Service zufriedener.

Große Möglichkeiten und neue Apps

Bei Uber und Lyft wächst die Zusammenarbeit mit der Healthcare-Branche. Beide Unternehmen sind zahlreiche neue Partnerschaften mit Unternehmen und Krankenhäusern eingegangen. Im März 2018 launchte Uber das Programm Uber Health. Mit diesem können Arzthelfer und Pflegepersonal Krankentransporte für wartende Patienten oder für zukünftige Arzttermine buchen. Die Patienten erhalten bei erfolgreicher Terminbuchung eine Textnachricht oder eine Anruf. Dies ist sowohl für die Patienten als auch für das Pflegepersonal praktisch und einfach zu handhaben.

Laura Steingold, Head of Strategy bei Uber Health, sagte CNBC, dass seit Beginn der neuen Business Line Krankenhäuser und Gesundheitsorganisationen dem Unternehmen von deutlich weniger versäumten Arztterminen berichtet hätten. Steingold konnte aber keine genauen Zahlen liefern. Dieser Unternehmensbereich befindet sich gerade in einer Beta-Testphase und Uber teilt diese Daten nicht. Auch die Krankenhäuser, mit denen Uber die Tests durchführt, lieferten keine Daten.

Ähnlich verhielt sich auch David Baga, Chief Business Officer bei Lyft. Auch er gab keine genauen Unternehmenszahlen bekannt. Er teilte CNBC aber mit, dass „Patienten im zweistelligen Millionenbereich“ die Services seines Unternehmens nutzten. Baga sagte außerdem, dass der Krankentransport einer der größten Bereiche des Unternehmens ist. Er erwarte, dass sich mit der Zeit ein Milliarden-Dollar-Enterprise daraus entwickeln könnte.

Carolyn Morrow, Bewohner des Brookdale Seniorenheims, möchte den Lyft-Service in ihrer Wohnanlage auch in Zukunft nutzen. Sie findet den Krankentransport mit Uber und Lyft einfach praktisch und hat bisher auch ausschließlich gute Erfahrungen damit gemacht. „Ich finde es wirklich großartig“, sagte sie. „Die Fahrer, die ich bisher hatte, waren alle jung und freundlich und sehr unterhaltsam. Man hat das Gefühl, dass man sie am Ende der Fahrt fast schon kennt.“

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