Künstliche Intelligenz liest, was wir über Medikamente denken

03.03.2022 Trends
2 Minuten Lesezeit

Wenn alles im Internet eine Bewertung erhält, dann wohl auch Medikamente, oder? Ein britisches Unternehmen will mit künstlicher Intelligenz unsere Gedanken über Medikamente lesen.

Jeder scheint heute online zu leben und seine eigenen Entscheidungen von der Community beeinflussen zu lassen. Ob Restaurant, Supermarkt, Taxi-FahrerInnen, oder Nachhilfe-Institute: Online-Bewertungen gibt es für alles, und so mancher ist mit fünf Sternen zum Star geworden. Aus der Sicht von Pharma-Marketing ist es nur konsequent, einmal nachzufragen, wie denn das mit Medikamenten aussieht.

Im schottischen Glasgow ist ein Unternehmen zu Hause, das mittels einer KI-Plattform Millionen von Online-Konversationen durchschnüffelt, um herauszufinden, was PatientInnen über ihre Medikamente sagen. Das Unternehmen heißt Talking Medicines, die Plattform PatientMetRx und das Ziel ist klar: herauszufinden, worauf es PatientInnen bei der Bewertung von Medikamenten ankommt.

Glasgow liest mit, was PatientInnen sagen oder schreiben

„Wir sehen die einzelnen Stimmen als Signale, und nicht als Meinungen von identifizierten PatientInnen“, sagt Jo Halliday, Mitbegründerin von Talking Medicine, „daher ist es uns wirklich sehr wichtig, dass wir da die Anonymität wahren.“

Den gelesen, gelernt und analysiert wird in großem Stil: Mit maschinellem Lernen und Spracherkennung werden Informationen aus Hunderten von Millionen von Beiträgen in sozialen Medien gefiltert. Die Quellen sind dabei ganz klar: Twitter, Reddit und so weiter, aber auch kleinere Medien, die dem Unternehmen Einblick gewähren.

„Da haben wir das Glück, dass wir Informationen aus vielen verschiedenen Quellen beziehen können“, sagt Halliday, „denn die Menschen sprechen an ganz verschiedenen Orten über ihre Medikamente – nicht nur in Gesundheitsforen.“ So liest die künstliche Intelligenz des Unternehmens in einem Auto-Forum mit, weil sich die Männer dort nicht nur über Reifen und Motoren unterhalten, sondern sich auch über ihre gesundheitlichen Probleme und ihre Medikamente austauschen.

Fehleranfälligkeit? Fast keine…

Stellt sich die Frage nach der Fehleranfälligkeit oder der Gefahr, böswillige Aktivisten als verärgerte PatientInnen zu missdeuten. Jo Halliday winkt ab: „Wenn wir Millionen von Signalen durchlaufen lassen, dann sind 94 % davon Rauschen. Und beim Rest können wir sehr gut zwischen Spam, medizinischem Fachpersonal und bezahlten Claqueuren unterscheiden. Unsere menschlichen MitarbeiterInnen sind sehr gut ausgebildet, um unsere Modelle entsprechend zu trainieren.“ Damit könne man genau identifizieren, ob Aussagen von PatientInnen oder von anderen Akteuren kämen. Das Unternehmen rühmt sich einer diesbezüglichen Treffergenauigkeit von 95 %.

Talking Medicine wurde 2013 als Beratungsunternehmen für die Pharmaindustrie gegründet. Und das Interesse haben sie offenbar bereits geweckt. Die schottischen Gründer sind nämlich gerade dabei, den Sprung über den großen Teich zu machen – und die US-Pharma-Branche zu beraten.

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