Lachen ist gesund: Humor in der Patientenkommunikation

15.01.2019 Studien
3 Minuten Lesezeit

Es ist bereits wissenschaftlich erwiesen: Lachen ist gesund. Lachen ist außerdem schmerzlindernd, entspannend und hilft beim Umgang mit Ängsten. All dies sind wichtige Faktoren, mit denen Patienten häufig zu kämpfen haben.

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Wäre es nicht schön, wenn man während eines Arztbesuches oder eines Krankenhausaufenthaltes seine Schmerzen vergessen, entspannen und weniger ängstlich sein könnte, auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist? Wie häufig wird Humor tatsächlich in der Patientenkommunikation genutzt?

Abzielen auf positive Ergebnisse

In einer Studie zur Arzt-Patienten-Kommunikation konnte gezeigt werden, dass positive Interaktionen dazu beitragen, eine Beziehung und Vertrauen aufzubauen sowie den Austausch von echten und wichtigen Informationen unterstützen. All diese Dinge können dazu führen, dass positive Gesundheitsergebnisse erreicht werden.

Humor reduziert Angst, verändert die Perspektive, beeinflusst Verbundenheit und bringt Wärme und Nähe in Interaktionen, die ansonsten häufig formal, kühl und distanziert wirken. Kurz gesagt ist Humor eine echte Geheimwaffe für Mitarbeiter in der Gesundheitsbranche. Um etwas Humor in den medizinischen Alltag zu bringen, muss man sich aber keinesfalls eine Clownsnase aufsetzen.

Studie zum Lachen

Ein Forscherteam untersuchte verschiedene Parameter zum Thema Lachen in der Medizin. Wichtig waren ihnen dabei die Frequenz von Humor in Patientengesprächen, wer diesen einbringt und worüber gelacht wird. Dafür wurden verschiedene Video- und Audio-Aufnahmen analysiert. 51 dieser Videos stammten aus speziellen medizinischen Fachbereichen und 61 aus dem Bereich der Grundversorgung.

Die Forscher zielten darauf ab, den Humor in den Gesprächen zu quantifizieren und zu evaluieren. Im Vorfeld legten sie fest, was Humor für sie bedeutet, kalibrierten die Verschlüsselung und identifizierten feststellbare Variablen, wie zum Beispiel den Ausdruck von Lachen oder Witzen. Humor wurde wie folgt definiert: Eine Aussage mit dem Ziel, andere im Raum zum Lachen zu bringen oder eine positive Reaktion hervorzurufen, was auch erreicht wurde.

Für das Coding wurde die Software The Observer XT genutzt. Der Nutzen von Humor wurde als eine binäre Variable definiert (vorhandener oder nicht vorhandener Humor während des gesamten Besuchs) und als eine quantitative Variable (wie häufig Humor bzw. Lachen während des Besuchs festgestellt wurde). Für jedes Auftauchen von Humor während des Besuches konzentrierten sich die Forscher auf die folgenden Punkte:

  • Wer brachte den Humor ein (Patient, Arzt oder Gast)
  • Timing (Vorstellung, Anamnese, körperliche Untersuchung oder Beratung)
  • Thema
  • Sichtbare Funktion des Humors
  • Ob es sich um eine einmalige, lustige Aussage („dead end“) oder um einen Dialog aus humorvollen Kommentaren handelte

Im nächsten Schritt wurden die Situationen, in denen Humor genutzt wurde, miteinander verglichen. Die Forscher analysierten dabei das Umfeld der Situation, den Nutzen bei der Entscheidungshilfe und das Geschlecht der Teilnehmenden.

Vorteile von Humor während einer medizinischen Beratung

In 59 Prozent der untersuchten Besuche, die durchschnittlich 30 Minuten dauerten, konnten die Forscher das Vorhandensein von Humor feststellen. Im Schnitt wurde pro Besuch 2 Mal gelacht. Es konnten weder geschlechtsspezifische Unterschiede noch Unterschiede zwischen Gesprächen in den Fachbereichen im Vergleich zur medizinischen Grundversorgung festgestellt werden. Allerdings fanden die Forscher heraus, dass es eine größere Tendenz zum Lachen gab, wenn Arzt und Patient das gleiche Geschlecht hatten.

Am häufigsten lachten Patienten und Ärzte während des Beratungsteils des Besuchs. In diesem werden Themen wie die Diagnose, Behandlungsoptionen und andere schwierige Dinge angesprochen. Humor erlaubt es den Medizinern und Patienten, mit diesen sonst eher unangenehmen Themen leichter umzugehen.

Der Humor in den Arztgesprächen bezog sich in den meisten Fällen auf die medizinische Situation des Patienten, Behandlungen und Tests. Er beschränkte sich meist auf einen einzeiligen Austausch. Lachen wurde vor allem genutzt, um eine Beziehung zu Dingen aus dem Alltag und den Umständen herzustellen. So sprachen Ärzte und Patienten oft auf humorvolle Art über Haustiere oder Partner.

Dies ermöglicht eine Verbindung auf einem einfachen Niveau. Auf deren Basis kann in der Folge über ernstere und persönlichere Themen gesprochen werden. Patienten, die im Arztgespräch lachen konnten, waren zufriedener, wie die Studie zeigte. Dies kann durch die bessere persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patienten erklärt werden.

Auch Pharma sollte mehr auf Lachen setzen

Diese Studienergebnisse sind auch für die Pharma Industrie und ihre Marketingabteilungen interessant. Zeigte doch kürzlich eine Untersuchung, dass 51 Prozent der befragten Mediziner zugaben, nicht immer zu verstehen, worum es in Pharma Werbung gehe. Ganze 76 Prozent der Teilnehmenden bevorzugten einfache Formulierungen in der Werbung.

Ärzte könnten gut verstehen, warum manche Menschen durch die Werbung der pharmazeutischen Industrie verwirrt oder verunsichert werden, so GSW und Harris Poll. Mehr als ein Drittel der Befragten sei manchmal verwirrt durch die Werbung. 35 Prozent der Mediziner gaben an, dass sie gelegentlich von der Sprache in den Anzeigen überwältigt seien.

Auch wenn die Mehrheit der Ärzte einfache und verständliche Werbung bevorzugt, heißt das nicht, dass diese langweilig sein muss. Ganz im Gegenteil: 62 Prozent gaben an, dass ihnen lustige Werbung gut gefiele. Mediziner haben Humor und wissen es zu schätzen, wenn die Pharmaindustrie diesen auch berücksichtigt. 51 Prozent der Befragten legten außerdem Wert auf kreative Anzeigen und 41 Prozent fanden einzigartige Werbekonzepte besonders gut.

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