Made in China: Der nächste Schritt in der Biopharmazie

15.10.2018 Trends
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In vielen Bereichen gilt immer noch, dass „Made in China“ für Billigware steht – oft sogar kopierte Markenprodukte. Das ändert sich allerdings langsam in bestimmten Bereichen und China wird zu einem Herstellungsland, auf das auch viele große Unternehmen vertrauen.

China möchte einen neuen Schritt wagen und nicht mehr einfach Billigproduzent sein. Stattdessen sollen eigene Produkte entwickelt werden, die die Gewinne vollständig in China bewahren.

Made in China 2025 beinhaltet auch Pharma

Präsident Xi Jinping hat den großen Anteil importierter Medikamente nach China als kritisches Problem des Landes erkannt und will Chinas Pharma-Welt schnell modernisieren.

Dazu gehören auch Veränderungen, die beispielsweise erlauben, Testdaten von Medikamenten, die außerhalb von China gewonnen wurden, in China für die Zulassung zu verwenden.

Außerdem wurde das chinesische Äquivalent der FDA einer Reform unterzogen und heißt jetzt „National Medical Products Administration of China“ (NMPA, Chinesische nationale Behörde für medizinische Produkte). Schon nach der Gründung wurden direkt einige neue  Medikamente genehmigt, wie beispielswiese MSDs Keytruda und Pfizers Ibrance.

Neue Versicherungen und Krankenversorgung

Zum Plan gehört auch die Ausdehnung des Gesundheitssystems in China. Eine nahezu vollständige Krankenversicherung soll das gesamte Land erreichen. Unter dem Namen Healthy China 2030 soll moderne Medizin, mit neuen Medikamenten, das Land versorgen.

Und es ist ein riesiges Land, in dem Medikamente im Wert von über 120 Billiarden Dollar vertrieben werden. Der Markt wird sicher noch weiter wachsen – Vorhersagen sprechen von etwa 5 % jährlich bis 2022.

Gleichzeitig breiten sich in China „westliche“ Zivilisationskrankheiten wie Herzprobleme, Diabetes und Krebs immer weiter aus.

Chinas eigene Pharmaunternehmen werden profitieren

Die Reformen in China wirkten zunächst auch auf Pharmaunternehmen aus anderen Ländern wie ein Segen. Nicht nur, dass mehr Medikamente zugelassen werden, sie können auch leichter verkauft und vertrieben werden.

Aber China hat in der Vergangenheit auch häufig gezeigt, dass Märkte schnell mit Talenten und Ressourcen aus dem Binnenmarkt gefüllt werden können.

Ein großer Antrieb für diese Entwicklungen sind Talente aus China, die in anderen Ländern studiert haben, um dann zurückzukehren. In China werden sie auch “haigui” oder “Schildkröten” genannt, weil sie zurück zu ihrem Heimatort kommen, um ihr Wissen einzusetzen.

Die großen Player in Biopharma in China

Eins der größten Unternehmen in diesem Bereich ist BeiGene, das neben chinesischen Mitarbeitern auch viele Amerikaner beschäftigt.

Die Zukunftsperspektive von BeiGene sieht aus China wesentliche Entwicklungen entwachsen: Statt einerseits zu importieren und andererseits zu exportieren sollen chinesische Produktionen für China genutzt werden.

Neben pharmazeutischen Entwicklungen bei Unternehmen wie BeiGene gibt es auch in China selbstverständlich die Entwicklung der Digitalisierung. Hier sehen der Markt und die Bereitschaft der Konsumenten, elektronische Lösungen anzunehmen, allerdings ganz anders aus. Viele Investoren sind optimistisch, dass elektronische und Online-Produkte in China wirklich Profite einbringen werden.

Chinas Politik verbat bisher viele Medikamente

Chinas frühere harte Kontrollen von Medikamenten haben es für viele Patienten unmöglich gemacht, bezahlbare Versorgung zu bekommen. Beispielsweise waren günstige Generika kaum erhältlich, sodass Krebspatienten an mangelnder Versorgung sterben mussten.

Medikamente, die in “westlichen“ Ländern etabliert sind, bekamen keine Zulassung und so konnten nur große Pharmafirmen mit viel Investitionspotenzial sich die zusätzlichen Tests in China leisten.

Die Veränderungen an den Zulassungskriterien werden also auch europäische und amerikanische Firmen positiv betreffen. Auch wenn dabei günstigere Produkte einen Vorteil haben, können die unglaublich riesigen Aufträge einen Ausgleich für niedrige Preise bedeuten.

In China neue Wege gehen

Für Pharma bedeuten die Veränderungen in China auch, dass Unternehmen neue Wege gehen müssen. Beispielsweise, indem sie lokales Wissen ausnutzen und sich nicht mehr auf reine Importe verlassen. Die Akzeptanz der Konsumenten vor Ort hängt von anderen Faktoren ab. Neben kulturellen Unterschieden sind auch weiterhin Experten für chinesisches Recht für geschäftliche Vorgänge unabdingbar.

Unternehmen müssen, um in China erfolgreich zu sein, in China angesiedelt sein und viele chinesische Experten beschäftigen. Einerseits, um lokales Wissen auszunutzen und weil die Versorgung vor Ort sicher sinnvoll ist. Andererseits, weil die chinesische Regierung sich in weniger demokratischen Momenten auf Werte wie lokale Mitarbeiter besinnen könnte.

Chinas Einfluss auf die USA und Europa

Die Produktionen in China werden einen riesigen Marktanteil haben und können damit schnell auch in die andere Richtung Einflüsse bedeuten. Viele Unternehmen erwarten disruptive Veränderungen aus China durch die Veränderungen der letzten Jahre.

Gleichzeitig bleiben einige Probleme für Pharmaunternehmen bestehen, die ihren Anteil an dem neuen Markt sichern wollen. Sie müssen sich mit einer ganz anderen Wirtschaftssituation beschäftigen, als in Europa oder den USA üblich. Bestechung und Korruption sind üblich – ebenso wie die eher geringe Gewichtung menschlichen Lebens oder der Rechte beispielsweise von Angestellten.

Es ist fraglich, inwiefern Produkte „Made in China“ in Zukunft nicht die jetzt von China aufgegebenen Regelungen für die Zulassung von Medikamenten in anderen Ländern einführen werden. Denn auf die Tests in einem Land, in dem immer wieder Skandale zu Bestechung und Betrug Schatten auf die Pharma-Industrie werden, können sich die Menschen anderer Märkte kaum verlassen.

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