Medikation leicht gemacht: Amazon und der Medikamentenversandhandel

20.03.2019 Trends
2 Minuten Lesezeit

Apotheken klagen bereits seit einiger Zeit über die Konkurrenz „aus dem Internet“ – Der Medikamentenversandhandel von Amazon droht am Horizont mit ganz neuen Alternativen für Patienten.

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Die Pharmabranche zeigt sich zurückhaltend, obwohl auch sie von den Veränderungen betroffen sein wird. In Deutschland versucht Gesundheitsminister Jens Spahn diese zu bewältigen.

Pharma aus dem Internet – Patienten bekommen Boni

Viele Versandapotheken locken deutsche Kunden mit Boni – sie zahlen dafür, wenn Patienten ihre rezeptpflichtigen Medikamente dort bestellen. Dadurch sparen die Kunden im Vergleich zur örtlichen Apotheke auch bei diesen Medikamenten.

Viele Apotheken befürchten einen langsamen Untergang ihrer Branche – durch die Kosten für ein Ladengeschäft und das Personal können sie mit dem Onlineversandhandel nicht mithalten. Neben der Existenzangst der Unternehmen und ihrer Angestellten werfen sie auch die Beratungsqualität für Kunden in die Waagschale: Patienten sprechen in einer Apotheke direkt mit einem Experten und bei Stammkunden können Apotheker selbst zu Wechselwirkungen und ähnlichem beraten.

Diese Beratungsleistung ist den meisten Kunden allerdings die höheren Preise nicht wert und sie wandern ins Internet ab.

Amazons Medikamentenversand

Steigt jetzt auch Amazon in den Versandhandel von Medikamenten ein, ist ein ähnlicher Wandel wie in anderen Branchen zu erwarten: Kleine Händler können auch hier nicht mehr mithalten, wenn sie nicht hochspezifisch werden.

Amazons Service wird also zur Hauptkonkurrenz für Apotheken. Trotz miserabler Arbeitsbedingungen für die Angestellten von Amazon bleiben viele Kunden dem Riesen gerade wegen seines Kundenservices treu: Retouren und Anfragen werden meist zur Zufriedenheit des Kunden bearbeitet.

Amazons Pillpack verspricht auch im Bereich des Pharmaversandhandels besonderen Service:  Kunden bekommen nicht nur ihre Medikamente nach Hause geliefert. Alle Dosierungen sind auch auf ihre Rezepte abgestimmt und schon passend verpackt. Pillensortieren entfällt, weil die kleinen Tütchen für jeden Tag und für jede Tageszeit eines Monats richtig befüllt sind.

Dieser Service bietet tatsächlich eine enorme Erleichterung und Zeitersparnis für Patienten. Und die Rundumversorgung könnte tatsächlich Einnahmefehler vermeiden und verringern – ein Service, den Apotheken so nicht bieten (können).

Wie die Pharmabranche von Amazon beeinflusst werden könnte

Noch zeigt sich die Pharmabranche zurückhaltend, wenn es um Kommentare zu Amazons neuem Angebot geht. Auch Vorstöße von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn, die Einfuhr von Medikamenten aus dem Ausland zu begrenzen, werden eher beobachtet als kommentiert.

Die Auswirkungen könnten aber durchaus stark sein. Immerhin kann es sein, dass Amazon schnell das Marktmonopol an sich reißt. Damit verändern sich Preisverhandlungen – plötzlich verhandelt die Pharmabranche nicht mehr mit vielen einzelnen Apotheken, sondern dem Riesen Amazon.

Außerdem werden für Patienten gleichzeitig diejenigen Anbieter attraktiver, die über den komfortablen Service erreichbar sind. Das bedeutet: Tabletten, die sich besonders leicht in der passenden Dosis verteilen lassen.

Wenn Patienten ihre Pillen bisher zuhause selbst zertrennt haben, weil sie nicht in der richtigen Dosierung erhältlich waren, kann Amazon einen ganz anderen Druck gegenüber Pharmaherstellern aufbauen, die Dosierung flexibler zu machen.

Herausforderungen für die Pharmabranche

Steht die Pharmabranche den Apotheken nahe oder ist letztlich egal, auf welchem Wege Patienten die Medikamente einkaufen? Die Pharmabranche muss hier Entscheidungen treffen und im Zweifel Einfluss nehmen. Sei es dadurch, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Langfristige Konsequenzen sind nicht „unabsehbar“. Wenn die Entwicklung vorangeschritten sein wird, können Vertreter aus der Pharmabranche sich nicht darauf berufen, keine Möglichkeit zum Eingreifen gehabt zu haben.

Immerhin könnte Amazon bald zum Vermittler zwischen Pharma und Patienten werden – nicht nur für verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch alle freiwilligen und freien Ergänzungen. Von Vitamintabletten bis hin zu Tees kann Amazons Technologie alles an Patienten verschicken, was regelmäßig eingenommen wird. Und verpackt gerne ergänzende Medikamente gleich mit: Vom Inhalator bis zur Salbe sind alle Produkte der Pharmabranche potenziell betroffen.

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