Motivierende Gesprächsführung im Ärztezimmer?

25.09.2020 Studien
2 Minuten Lesezeit

Die motivierende Gesprächsführung ist eine Methodik um Veränderungen im Verhalten von Menschen zu moderieren. Warum die Methode in medizinischen Kontexten mehr Anwendung finden sollte, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist Motivierende Gesprächsführung?

Motivierende Gesprächsführung oder MI (Motivational Interviewing) ist eine Methode der Gesprächsführung zur Erhöhung der intrinsischen Motivation von Menschen. Sie wird häufig in der Psychologie, der sozialen Arbeit und in klinischen Kontexten angewandt.

Besonders in der Suchttherapie zeigen sich große Erfolge bei der Arbeit mit den Suchtkranken unter Verwendung der motivierenden Gesprächsführung. Durch das Nutzen der Methode können Ärzte und psychosoziale Fachkräfte Verhaltensänderungen der Patienten in Gang setzen und moderieren um zu deren Gesundheit beizutragen.

Warum ist die Motivierende Gesprächsführung in medizinischen Kontexten sinnvoll?

Wenn der Arzt eine Untersuchung anordnet, dann verlässt sich nicht jeder Patient auf das Urteil des Experten. Einigen Patienten fehlt die Krankheitseinsicht, andere fürchten sich vor medizinischen Untersuchungen oder Eingriffen.

Um diese Patienten trotzdem dazu zu bewegen eine wichtige Untersuchung oder Behandlung vornehmen zu lassen, bedient man sich im besten Fall der motivierenden Gesprächsführung. Diese kann die Veränderungsbereitschaft des Patienten langfristig beeinflussen, sodass der Patient letztlich aus eigenem Willen zustimmt.

Mit den Patienten zu diskutieren oder sie zu drängen ist selten eine erfolgreiche Taktik. Motivierende Gesprächsführung dagegen setzt auf ein kooperatives Interview auf Augenhöhe.

Die Ambivalenz im Kopf des Patienten

Vielen Patienten ist bewusst, dass einige ihrer Verhaltensweisen für die eigene Gesundheit schädlich sind. Ob Zigaretten rauchen, das Feierabendbier oder die fettige Pizza. Trotzdem legen Sie diese Verhaltensweisen nicht ab. Der Patient wägt in seinem Inneren ab, ob die negativen Konsumfolgen das positive Konsumerlebnis überwiegen.

Häufig ist es so, dass Menschen sich für den Status quo entscheiden, da sie die Gewohnheit schätzen und den Aufwand, der mit Veränderungen verbunden ist, vermeiden wollen. Das heißt jedoch nicht, dass das immer die beste Entscheidung ist.

Deshalb müssen die Patienten manchmal aktiviert werden und die schlummernden Veränderungsimpulse müssen freigesetzt werden.

Haltung des Arztes

Bei der motivierenden Gesprächsführung erachtet der Arzt den Patienten als Gesprächspartner auf Augenhöhe und respektiert seine Autonomie. Er ist empathisch und hört dem Patienten aktiv und interessiert zu. Der Patient und seine Werte und Ziele stehen im Mittelpunkt des Gesprächs. Die Zusammenarbeit verläuft partnerschaftlich und wertschätzend.

Vorgehensweise bei der motivierenden Gesprächsführung

Eine Intervention auf Basis der motivierenden Gesprächsführung gliedert sich in 4 Schritte auf:

  1. Entwicklung einer professionellen Beziehung
    Der Arzt muss eine Kontaktaufnahme mit den Patienten empathisch, wertschätzend und respektvoll gestalten und zu einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe einladen.
  2. Fokussieren
    Beim Fokussieren explorieren der Arzt und der Patient gemeinsam um welche Verhaltensänderung es konkret geht und welche Vor- und Nachteile das Verhalten für den Patienten derzeit haben.
  3. Auslösen von Veränderungsimpulsen
    Die Veränderungsbereitschaft des Patienten wird bestärkt und die benötigten Ressourcen werden aktiviert.
  4. Planung
    Gemeinsam wird eine Vorgehensweise abgestimmt, die dem Patienten befähigt die Veränderung selbstständig herbeizuführen.

Motivierende Gesprächsführung als Kurzintervention

Da ein ausführliches Beratungsgespräch bei Arztbesuchen nur selten möglich ist, sind Kurzinterventionen auf Basis der motivierenden Gesprächsführung wohl die praktischste Anwendungsform.

So können z.B. Personen mit geringem Veränderungswillen dazu angeregt werden, selbst über die Beweggründe für eine Verhaltensveränderung zu sprechen. Ebenso kann nach wichtigen Werten oder Zielen im Leben des Patienten gefragt werden, die unter dem Verhalten leiden.

Fazit

Die motivierende Gesprächsführung stellt eine geeignete Methode dar um in medizinischen Kontexten Veränderungen im Verhalten von Patienten zu bewirken. Die kooperative Beziehung zwischen Arzt und Patient ermöglicht einen widerstandsfreieren Beratungsablauf.

Besonders Kurzinterventionen im Sinne der motivierenden Gesprächsführung sind zweckmäßig, um im Praxisalltag Veränderungsprozesse bei den Patienten anzustoßen.

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