EnkeApp: Neue Plattform zum Thema Depressionen

20.10.2016 App
3 Minuten Lesezeit
(c) Robert Enke Stiftung

Anfang Oktober 2016 stellte Teresa Enke bei einer Pressekonferenz die EnkeApp vor. Die App ist eines der vielen Projekte der Robert Enke Stiftung, die die Witwe des ehemaligen Nationaltorhüters nach seinem Suizid gründete.

„Robert Enke konnten wir nicht retten. Dich schon.“

Robert Enke nahm sich vor fast sieben Jahren das Leben. Der Profifußballer hatte im Jahr 2006 seine herzkranke Tochter Lara verloren und litt bereits seit längerem unter Depressionen. Seit 2010 engagiert sich Teresa Enke im Rahmen der Robert Enke Stiftung sowohl für die Unterstützung herzkranker Kinder als auch für mehr Aufklärung und Verständnis für die Krankheit Depressionen.

Nach dem Tod von Robert Enke wurde das Thema Depressionen viel in den Medien diskutiert. In den letzten Jahren ist es aber wieder aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwunden. Die EnkeApp soll der Krankheit wieder zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Teresa Enkes größter Wunsch ist es, dass Depressionen kein Tabuthema mehr sind.

Depressionen haben bedeutet schwach sein

Als Robert Enke 2009 Suizid beging, wusste außer seiner Frau kaum jemand von seinen Problemen. Auch Teresa Enke hatte damals die Hoffnung, die Krankheit mit Liebe besiegen zu können. Sie räumte aber bei der Pressekonferenz nach dem Tod ihres Mannes ein, dass „es doch nicht immer geht“.

Familie Enke hatte die Depressionen jahrelang vor der Öffentlichkeit verborgen. Robert Enke wollte nicht stigmatisiert werden. Depressionen werden oft verkannt und gelten bei vielen Menschen nicht als Krankheit. Wer Depressionen hat, ist schwach, überempfindlich oder einfach nicht belastbar. Insbesondere im Profisport gibt es nur sehr wenige Menschen, die über ihre Krankheit öffentlich sprechen.

Seit Gründung der Robert Enke Stiftung ist es deshalb eines der Hauptziele, dass Depressionen als Krankheit akzeptiert und behandelt werden. Teresa Enke setzt sich dafür ein, dass das Krankheitsbild in der Gesellschaft Verständnis findet.

Besonderheiten der EnkeApp: Informationsquelle und Notruf-Button

Die EnkeApp ist eine Erweiterung des Hilfsangebotes des DFB und der Robert Enke Stiftung für Menschen mit Depressionen. Mit der App erhoffen sich die Beteiligten neue Wege zur Aufklärung und Bekämpfung von Depressionen. In einer Welt, in der das Smartphone aus dem Alltag nicht wegdenkbar ist, sei eine mobile Anwendung für die Krankheit ein logischer Schritt, so Teresa Enke.

Zum einen dient die App als Informationsquelle für Menschen, die sich für das Thema Depressionen interessieren. Sie enthält auch einen Selbsttest. Durch die Beantwortung von fünf kurzen Fragen werden erste Hinweise geliefert, ob man an Depressionen erkrankt ist. Wenn dies der Fall ist, sollte man in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

Zum anderen bietet die EnkeApp einen Notruf-Button bzw. SOS-Knopf. Er bietet Suizid-Gefährdeten die Chance, im letzten Moment noch Hilfe zu rufen. Hilfskräfte können Betroffene nach Auslösen des Buttons über eine GPS-Lokalisierung finden. Dies ist sogar dann möglich, wenn die gefährdete Person eventuell nicht mehr sprechen kann. Um einen Notruf abzusetzen, muss man den SOS-Knopf lediglich 2 Sekunden lang gedrückt halten. Ein zuvor erstelltes Profil wird dann automatisch an eine Notrufzentrale gesendet.

6,7 Millionen Menschen leiden an Depressionen

Um die Aktualität des Themas zu verdeutlichen, stellte Teresa Enke bei der Pressekonferenz auch eine Erhebung vor. Laut der Robert Enke Stiftung leiden derzeit etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Depressionen.

Die EnkeApp ist nicht nur für die Erkrankten, sondern auch für ihre Angehörigen gedacht. Das reichhaltige Informationsangebot kann jeder nutzen, der mehr über Depressionen wissen möchte. Über die App kann man bei Bedarf mit Ärzten in Kontakt kommen. Außerdem ist es möglich, Gruppen mit Verwandten und Freunden zu bilden. In diesen Gruppen können alle Mitglieder schnell informiert werden, wie es dem Kranken geht.

Bereits am Tag des Launches wurde die App zahlreich heruntergeladen. Die EnkeApp ist kostenlos im App-Store von Apple und bei Google Play für Android-Smartphones verfügbar.

‎EnkeApp
‎EnkeApp
Entwickler: Robert-Enke-Stiftung
Preis: Gratis
Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. 🙁

Print Friendly, PDF & Email