Over The Dose – Kampange zu Folgen von Opioid-Konsum

25.09.2019 Kampagnen
3 Minuten Lesezeit

Unzähligen Kampagnen und Maßnahmen zum Trotz steigt die Zahl der Opfer durch eine Überdosis Opioide in den USA weiterhin an. In 40% der Todesfälle handelt es sich bei der Substanz um ein verschreibungspflichtiges Medikament wie zum Beispiel Schmerzmittel, die zur Behandlung in den USA teilweise seit den 1990er Jahren sehr stark beworben werden.

Screenshot Video: Over the Dose

Ursache der hohen Zahl an Überdosen ist die fehlende Aufklärung der Risikogruppen. Junge Erwachsene kennen weder die genauen Risiken, noch wissen sie häufig, welche Substanzen in die Kategorie der Opioide fallen. Sie kennen mögliche Schäden nicht, welche der Konsum mit sich bringt und folgen einem Irrglauben, nach dem ein gelegentlicher Konsum von Opioiden völlig ungefährlich sei. Eine Überdosierung könne nur durch erhöhte Einnahme sowohl in Menge als auch Häufigkeit geschehen, so die Annahme. Darüber soll die Kampagne „Over The Dose“ aufklären.

Over The Dose richtet Fokus auf innovativen Ansatz

Mit der Kampagne „Over The Dose“ möchte man nun endlich Abhilfe schaffen. Produzent „Rescue | The Behaviour Change Agency“ aus Vermont verfolgt mit einer Webseite einen neuen Ansatz der Aufklärung. Anstatt den Tod als krasseste Folge des Konsums in den Vordergrund zu stellen und mittels Angstmache eine Ablehnung des Konsums zu bewirken, möchte man durch ein positives und modernes Design sachliche Aufklärung leisten. Sobald ein Besucher auf der Webseite ankommt, begegnet ihm ein interaktives Bildungserlebnis. Dieses reicht vom grundlegenden Wissen, über das Verständnis der Wirkung, bis hin zu den Risiken des Konsums. Ein Video erklärt dem Besucher der Webseite zunächst einleitend die Gemeinsamkeiten von Opioiden und Heroin. Durch Runterscrollen erreicht der Nutzer einen Bereich, in dem mehrere kleine digitale Engagements warten. Zum Beispiel kann ein Regler verschoben werden, um die Langzeitfolgen von Opioidmissbrauch zu visualisieren oder Pillen werden zu einem digitalen Gehirn geschoben, woraufhin ein Text erscheint, der wichtige Informationen zur Wirkung von Opioiden enthält. Durch das Engagement erhält der Nutzer also zusätzliche Informationen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar waren. Mit Hilfe vieler kleiner Spielereien werden mehrere Sinne des Besuchers angeregt und fördern das Lernen und Verstehen der Inhalte.

Over The Dose geht auf Bedürfnisse der Zielgruppe ein

Für ihre Kampagne wurden die Macher für einen Shorty Social Good Award nominiert. Sie trifft den Zeitgeist und präsentiert sich in einem modernen Design mit interaktiven Möglichkeiten. Die Inhalte der Kampagne werden auf die Zielgruppe zugeschnitten präsentiert. Sie zielen nicht auf die Abschreckung, sondern möchten aufklären, in einem Tempo, das jeder Nutzer selbst bestimmen kann. Anstatt mit dem Finger auf die Opfer zu zeigen, geht die Kampagne mit einem pädagogischen Ansatz an das Thema heran. Man respektiert die Fähigkeit, Informationen eigenständig zu verarbeiten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Die Animationen sorgen zudem dafür, dass das Engagement den Nutzern Spaß bereitet und ermutigt sie zu weiteren Interaktionen. So wird die Neugier geweckt, sich weitere Informationen zu erarbeiten. Die Module klären auf über die Arten von Opioiden, ihre Auswirkungen auf den Körper, ihre Suchtgefährdung, die Risiken der Vermischung mit anderen Substanzen und die Folgen von Missbrauch.

Mehr Informationen als gewöhnliche Kampagnen

Der innovative Ansatz von „Over The Dose“ liefert zudem weitere Informationen, die andere Kampagnen zuvor übersehen oder als nicht relevant erachtet haben. Die Kombination eines Opioids mit Alkohol kann dazu führen, dass der Körper einer Person im Schlaf seine Funktion einstellt, unabhängig davon, wie hoch der Konsum von Opioiden ist. Obwohl dies ein sehr reales und häufig eintretendes Risiko ist, reagieren viele junge Erwachsene schockiert auf diese neue Information.

Innovative Möglichkeiten zur Erfassung von Opioid-Konsum

„Over The Dose“ kommuniziert weiterhin erfolgreich Bildungsbotschaften, um die Zielgruppe über die Ähnlichkeiten zwischen Heroin und Opioiden zu informieren, die falschen Annahmen von potenziellen Risiken zu korrigieren und zu erklären, warum ein Überdosierungsrisiko immer besteht. Die Besucher der Webseite verbrachten durchschnittlich vier Minuten auf der Seite. Der Branchendurchschnitt entspricht etwa einem Drittel. In den sozialen Medien erreichten die beworbenen Beiträge etwa die Fünffache Reichweite des Branchendurchschnitts. Eine besonders positive Folge der Kampagne ist, dass Zuschauer oft mit zusätzlichen Fragen zu ihrem eigenen persönlichen Risiko wieder zur Webseite zurück navigieren. So besteht zudem die Möglichkeit, Informationen über die Webseiten-Besucher zu erhalten, die selbst auch konsumieren. Diese Entwicklung wird auch von weiteren Public-Health-Kampagnen erforscht.

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