Pokémon Go und Location Services

15.11.2016 Studien
2 Minuten Lesezeit
(c) Brian A Jackson/shutterstock.com

Die App Pokémon Go hatte nicht nur großen Einfluss auf das Alltagsverhalten vieler Menschen – sie sind kilometerweit gelaufen – sondern auch ihren Umgang mit Location Services in Apps.

Location Services einer App greifen auf den Standort eines Nutzers zu. Es gibt viele Anwendungsmöglichkeiten: Lokale Vorschläge durch die App, Nachverfolgen von Bewegungen, Erkennen von zurückgelegten Strecken, Anzeigen von anderen Nutzern in der Nähe… Noch vor einem Jahr haben die meisten Anwender allerdings eher zögerlich Apps gegenüber ihren Standort bekannt gegeben.

Jetzt beobachten Marketing- und Appexperten einen Wandel in dieser Tendenz. Viele Nutzer haben ihren Standort für Pokémon Go immer wieder an eine App gemeldet und sich sogar extra Ausrüstung gekauft. Die Standorterkennung der Nutzer kann viele Vorteile für App-Anbieter haben und so stellt sich zurzeit die Frage, wie die neue Bereitschaft aufgegriffen werden kann.

App-Anbieter profitieren von der Standorterkennung

App-Anbieter, auch aus der Healthcare-Branche können auf viele Arten von der Standorterkennung profitieren. Bei allen Standortinformationen ist der größte Vorteil für Anbieter der Informationsgewinn. Der Aufenthaltsort und die Bewegungsprofile von Nutzern lassen viele Rückschlüsse zu. Einige Apps können dadurch auch ihr Angebot verbessern. Sie können nahegelegene Anbieter eines Produkts anzeigen, Trainingsrouten oder vielleicht sogar die Möglichkeit, mit anderen Betroffenen aus der Nähe Kontakte zu knüpfen.

Ein Beispiel für den Nutzen der Informationen ist leicht zu finden: Wenn ein Nutzer einer Gesundheitsapp der App erlaubt, seine Bewegungen zu protokollieren, können die ausgewertet und auch für die Behandlung oder Forschung verwendet werden. Bewegt sich ein typischer Patient viel oder wenig? In welchen Bereichen hält er sich auf?

Es gibt bisher aber wenig Apps der Healthcarebranche, die Standortinformationen nutzen. Ausnahmen bilden aktuelle Entwicklungen wie Lyft und Circulation, die über GPS den Standort von Patienten bestimmen wollen, die zum Beispiel zu Studien transportiert werden.

Location Services aus Sicht der Nutzer

Die Standorterkennung durch Apps hat aus Sicht der Nutzer zwei Nachteile. Erstens ist die Abgabe von Informationen immer eine Frage des Datenschutzes. Will man diesem oder jenem Unternehmen wirklich seinen Standort permanent mitteilen? Zweitens verbraucht die genaue Standortbestimmung, gerade über GPS wesentlich mehr der Akkuladung eines Smartphones. Nicht ohne Grund haben viele Händler im Sommer „Pokémon-Pakete“ verkauft, die aus einer Taschenlampe für nächtliche Streifzüge und einer Powerbank für mehr „Laufzeit“ bestanden.

Beide Überlegungen halten Nutzer also oft davon ab, Location Services in einer App zu aktivieren. Wer trotzdem den Standort haben möchte, kann aber mit einem ganz einfachen Argument diese Aktivierung erreichen: Nutzen. Viele Menschen schalten bereitwillig GPS und andere Location Services für Apps ein, die ihnen beispielsweise helfen, einen Weg zu finden. Ortsgebundene Kommunikationsapps wie Jodel werden ebenfalls begeistert genutzt, weil sich jeder damit mit Leuten im Umkreis von 10 km austauschen kann.

Einfach, aber für viele überraschend

Location Services funktionieren und werden von Nutzern angeschaltet, wenn sie davon etwas haben. Das klingt vielleicht einfach, scheint aber viele App-Hersteller zu überraschen. So wird in einem aktuellen Bericht des Portals eMarketer zum Thema Mobile-Marketing Location diskutiert. Darin liest man, dass US-Bürger nur dann bereit sind, ihren Standort zu teilen, wenn die App nachvollziehbar etwas damit macht.

Interessanter ist aber wohl die Frage, was für Angebote eine App bieten kann, um den Standort von Nutzern zu bekommen. Für die Healthcarebranche bieten sich hier Apps an, die beispielsweise die Bewegung fördern. Andere Apps könnten Anwender zum Beispiel für das Eintragen von Trainingseinheiten belohnen, die an bestimmten Orten stattfinden.

Einige Anbieter der Pharma- und Healthcarebranche können auch „in der Realität“ von den Möglichkeiten der Standortabfrage profitieren: Lokale Angebote können von einer App hervorgehoben werden und so Nutzer zu Anbietern lotsen. Nutzer wiederum werden diese Apps nur dann anschalten, wenn sie von den nahen Angeboten tatsächlich profitieren.

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