HIV Heroes: Magazin aus Tinte mit Blut von HIV-Infizierten

Ein mit dem Blut von HIV-positiven Menschen gedrucktes Magazin – der VANGARDIST hat diese Aktion unter dem Teitel „HIV Heroes“ umgesetzt.

Die Aktion „HIV Heroes“ soll zum Nachdenken anregen – und vielleicht auch ein bisschen schockieren. Sie soll auf jeden Fall konfrontieren mit dem Thema HIV und den Berührungsängsten, die es in der Welt gibt.

Die Grundidee der Kampagne ist relativ schnell erklärt: Eine begrenzte Auflage der letzten Print-Ausgabe des Magazins VANGARDIST wurde nicht mit normaler Tinte gedruckt, sondern einer Tinte, der das Blut von drei HIV-Infizierten beigemischt wurde. Das Motto „Now the issue is in your Hands“ nutzt die englische Doppelbedeutung von „issue“ – Ausgabe und Anliegen, Problematik – um insbesondere auf Berührungsängste mit HIV-infizierten hinzuweisen.

 

Der Hintergrund

Mit HIV Heroes soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass HIV eine Krankheit ist, die in der heutigen Gesellschaft immer noch zu starker Ausgrenzung führt. Es gibt viele Berührungsängste im wahrsten Sinne des Wortes: Einige Menschen glauben, dass sie krank werden können, wenn sie HIV-positive Patienten berühren, mit ihnen sprechen oder wenn sie im gleichen Schwimmbad schwimmen gehen.

Auf der anderen Seite wird HIV immer noch nicht ernst genug genommen: In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Infizierten um 80 % gestiegen. Die meisten Infektionen entstehen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit HIV-Positiven, die ihre Krankheit nicht oder nicht ausreichend behandeln.

[Tweet theme=“tweet-box-shadow“]In den letzten 10 Jahren ist die Zahl der HIV-Infizierten um 80% gestiegen – Zeit für mehr Aufmerksamkeit.[/Tweet]

Denn eine weitere Aktualisierung der Vorurteile zu HIV ist beim Thema der Behandlung notwendig: Viele Patienten können ein normales Leben führen, haben eine normale Lebenserwartung und auch ihr Blut ist nur in sehr geringem Maße ansteckend. Denn es gibt immer bessere Therapien.

 

Die Umsetzung

HIV soll wieder ins Gespräch gebracht werden, um darauf aufmerksam zu machen, welche tiefsitzenden Ängste in den meisten von uns sitzen. Das Magazin anzufassen stellt kein Gesundheitsrisiko dar. Zunächst einmal sind alle Ausgaben, die im Handel erhältlich sind, gar nicht mit der speziellen Tinte gedruckt. Die wurde nur für 3000 Exemplare verwendet, die an ausgewählte Personen verschickt wurden oder für 50$ auf der Webseite gekauft werden können.

Aber auch für diese Magazine wurde nicht etwa unverdünntes Blut als Tintenersatz verwendet. Drei HIV-Infizierte – ein heterosexueller Mann, ein homosexueller Mann und eine heterosexuelle Frau – haben Blut für die Ausgabe gespendet. Das wurde in der Med-Uni Innsbruck erhitzt, bis die Viren abgetötet waren. Erst dann wurde das Blut – 90ml auf 2,5 kg rote Farbe – der Tinte beigemischt.

 

Die Aufmerksamkeit für HIV Heroes

Der VANGARDIST erscheint selten in gedruckter Form. Er erreicht also meist kein sehr großes Publikum. Viel Aufmerksamkeit erhält das Magazin jetzt jedoch für das HIV Heroes Projekt. Über 8 Millionen Likes, Shares und Kommentare wurden bereits gezählt. In den Kommentaren unter den Artikeln in größeren Magazinen online finden sich zum Großteil interessiert positive Kommentare – aber auch angeekelte oder entsetzte Beiträge.

Das Blut infizierter Patienten zu verwenden, um zu demonstrieren, dass Berührungsängste nicht bestehen sollten, wird als sehr gewagt betrachtet. Einerseits, weil das Blut ja zunächst aufwändig behandelt wurde, um es tatsächlich unschädlich zu machen. Andererseits weil der Luxus, durch eine Behandlung tatsächlich gut mit HIV leben zu können, weltweit nur wenigen zur Verfügung steht. Und drittens, weil eine solche „Schockaktion“ – denn der Druck mit Blut von Fremden ist für die wenigsten Menschen ein angenehmer Gedanke – nicht gerade dazu beiträgt, zu einem normalen und alltäglichen Umgang mit HIV zu bewegen.

 

Enorme Reichweite und große Auszeichnung

Dennoch hat die Kampagne weltweit über 55 Millionen Menschen erreicht und in Cannes acht goldene Löwen abgestaubt – das ist einzigartig in der Geschichte des Werbepreises. Neben den heimischen Zeitungen haben zahlreiche führende internationale Medien über die Aktion berichtet. Darunter die Washington Post, Al Jazeera America, Huffington Post und das Time Magazine.

Auch in der Kunstszene ist die VANGARDIST-Sonderausgabe ein großes Thema. So hat beispielsweise das Denver Art Museum bereits zwei Exemplare für seine Sammlung angefordert.

Die HIV Heroes Sonderausgabe von VANGARDIST ist eine einzigartige Aktion, die es so bisher noch nie gegeben hat.

 

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