Sea Hero Quest: Studienergebnisse zeigen positiven Einfluss auf räumliche Navigations-Fähigkeit

01.10.2018 Studien
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Menschen, die aus nordischen Ländern, Nordamerika, Australien und Neuseeland kommen, haben laut einer aktuellen Studie die besten räumlichen Navigationsfähigkeiten.

Für ihre Forschung nutzten UCL und die University of East Anglia Daten aus dem Spiel Sea Hero Quest. Das speziell designte mobile Spiel wird in der Alzheimer Forschung genutzt.


Wie haben vor zwei Jahren, als das Spiel entwickelt wurde schon einmal darüber berichtet.


Sea Hero Quest – Demenzforschung mit dem Smartphone

Sea Hero Quest ist ein Spiel für mobile Devices, mit dem Forscher Daten zur räumlichen Navigationsfähigkeit sammeln. Der Verlust dieser Fähigkeit ist eines der Schlüsselmerkmale für eine Alzheimer Erkrankung. Mehr als eine halbe Million Menschen in über 57 Ländern haben das Spiel bereits gespielt.

Aufgrund der Teilnahme so vieler Menschen konnte das Forscherteam Trends schnell entdecken. Länderübergreifend zeigte sich, dass die räumliche Navigationsfähigkeit mit zunehmendem Alter im Erwachsenenleben abnimmt. Außerdem ließ sich eine generell besser ausgeprägte Navigationsfähigkeit im Raum bei Menschen aus nordischen Ländern, Nordamerika, Australien und Neuseeland feststellen.

Laut der Studie schnitten Männer besser als Frauen ab, wobei der Unterschied zwischen den Geschlechtern in Ländern, in denen Gleichberechtigung herrscht, nur gering war. Anfang August wurden diese und weitere Ergebnisse erstmals in dem wissenschaftlichen Journal Current Biology veröffentlicht.

Erfolgreiche Initiative der Deutschen Telekom

Die Untersuchung der räumlichen Navigationsfähigkeit mit Sea Hero Quest ist in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom durchgeführt worden. Mit dem Spiel sollen wichtige Bezugswerte in der Navigationsfähigkeit festgelegt werden, die für Demenzforschung von Bedeutung sind.

„Wir haben herausgefunden, dass die Umgebung, in der man lebt, Einfluss auf die räumliche Navigationsfähigkeit hat.“, so Prof. Dr. Hugo Spiers, Leiter der Studie. „Wir analysieren weiterhin die Daten und hoffen so ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum Menschen aus bestimmten Ländern besser abschneiden als andere.

Das Forscherteam hat bisher Daten von mehr als 4 Millionen Menschen gesammelt, die Sea Hero Quest gespielt haben. In dem mobilen Spiel sind die Spieler Meeresforscher, die eine Reihe von Aufgaben lösen müssen, um einen Weg zu finden. Für die aktuelle Untersuchung haben die Forscher die Daten eingegrenzt. Teilnehmen konnte nur, wer sein Alter, Geschlecht und seine Nationalität angegeben hatte und aus einem Land stammte, aus dem mindestens 500 Menschen teilnahmen.

Alter und Bruttoinlandsprodukt sind wichtige Faktoren

Alter und räumliche Navigationsfähigkeit hängen unbestritten voneinander ab. Allerdings fanden die Forscher auch heraus, dass das Bruttoinlandsprodukt, also der Reichtum eines Landes, einen Einfluss auf die Navigationsfähigkeit im Raum hat. Sie vermuten, dass dieser Zusammenhang durch Bildungsstandards, Gesundheit und die Möglichkeit zu Reisen bedingt ist.

Des Weiteren gibt es einige Faktoren, die die Forscher in Zukunft näher untersuchen werden. Dazu gehören die Daten, die zeigen, dass die Menschen in Finnland, Dänemark und Norwegen offensichtlich besonders gute räumliche Navigationsfähigkeiten besitzen. In diesen Ländern gibt es ein nationales Interesse an dem Sport „Orienteering“, einer Sportart, die auf Navigation beruht.

In Neuseeland, Kanada, den USA und Australien wurden ebenfalls auffallend viele gute Ergebnisse erzielt. Die Forscher begründen dies damit, dass in diesen Ländern viel gefahren und so die räumliche Navigationsfähigkeit geschult wird.

Mobile Game als Screening Tool?

Eine weiterentwickelte Form des Spiels könnte laut den Forschern zukünftig als Screening Tool für erste Demenzanzeichen genutzt werden. Außerdem wäre es zum Überwachen des Krankheitsverlaufs und für die Nutzung in anderen klinischen Studien denkbar. „Aktuelle Standardtests für Demenz prüfen nicht effizient auf das typische erste Anzeichen, im Raum desorientiert zu sein. Deshalb versuchen wir einen einfachen Weg zu finden, genau dies zu messen, erfolgreich validiert durch Crowd-Sourcing unserer Daten.“, so Spiers weiter.

„Es ist sehr vielversprechend zu sehen, dass der Einfluss der Nationalität relativ gering ist.“, sagte der Co-lead Autor der Studie, Professor Michael Hornberger. „So kann es sein, dass das Spiel als eine Art universeller Test für das räumliche Navigationsverhalten genutzt werden kann.“

Ab September 2018 wird die Deutsche Telekom den Zugriff auf anonymisierte Datensätze aus Sea Hero Quest ermöglichen, um zukünftige Entdeckungen zu unterstützen. Hierbei beschränkt sich das Unternehmen nicht nur auf Demenz, sondern möchte seine Daten für weitere Untersuchungen im Bereich der neurowissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stellen.

Die Studienergebnisse und die Motivation für die Entwicklung des Spiels werden in diesem Video anschaulich zusammengefasst.

 

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