Sinnlose Millionen für Migräne: Investieren Pharmariesen in Marketing, das nicht ankommt?

05.01.2022 Studien
2 Minuten Lesezeit

Amgen, Biohaven, Lilly und Teva buttern enorme Budgets in die Vermarktung ihrer Migräne-Mittel. Und am Ende, so scheint’s, ist es nicht die Migräne, die verpufft, sondern das viele Geld, das die Unternehmen in die Marketing-Kampagnen geschüttet haben.

Der Migräne-Markt ist angesichts von Millionen Betroffener ein einträglicher Markt. Pharmaunternehmen, die in dem Bereich aktiv sind, investieren viel in das Marketing ihrer Produkte. Hollywood-Stars und Spitzensportler werden da als Testimonials gekauft und in aufwendigen Kampagnen auf die Menschen losgelassen. Doch eine Umfrage unter US-Konsumenten zeigt, dass die Botschaften offenbar nicht ankommen.

Der Software-Anbieter Phreesia, der sich auf Healthcare-Applikationen spezialisiert hat, brachte in einer Umfrage zur Jahresmitte 2021 ernüchternde Tatsachen ans Tageslicht: Von 4.000 interviewten Migränepatienten konnte nicht einmal die Hälfte eine der derzeit am Markt befindlichen Topmarken nennen. Der meistgenannte Produktname war Topamax, ein Antiepileptikum, das seit 18 Jahren verkauft wird.

Jüngere Produkte durchgefallen

Ein Viertel der Befragten (26 %) konnte diesen Produktnamen von Johnson & Johnson nennen. Doch die neueren Marken fielen durch: Weniger als 10 % der Befragten konnte ein Produkt nennen, das in den letzten Jahren neu angeboten wurde. Bei all diesen Medikamenten handelt es sich um Wirkstoffe, die die auf die Hemmung von CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) bauen.

Das bekannteste von diesen ist Aimovig (Erenumab) von Amgen, das immerhin 8 % der Befragten ein Begriff ist, gefolgt von Emgality (Galcanezumab) von Eli Lilly und Nurtec ODT (Rimegepant) von Biohaven, von 7 % genannt. Schlusslicht ist Ajovy (Fremanezumab) von Teva, das lediglich 3 % der Interviewten kannten.

„Das offenbart einen großen Markt, der erschlossen werden kann“, sagte Liz Herbert, Senior Research Manager bei Phreesia. Denn fast drei Viertel der Befragten gab an, dass ihr Leben mäßig bis stark von Migräne beeinträchtigt sei, doch nur 37 % hätten jemals eine präventive Behandlung ausprobiert. Doch die Bereitschaft zum Testen ist da: Denn von denen, die noch nie eine Prophylaxe zu sich nahmen, sind laut Umfrage 40 % dazu bereit. Unter denen, die bereits einmal präventive Mittel akzeptierten, steigt die Bereitschaft sogar auf 60 %. Für Marketer in dem Bereich gibt es also noch viel zu holen!

Bereitschaft für Neues wäre da

„Betroffene Patienten sprechen ständig über ihre Migräne – und das nicht nur, aber auch mit ihrem Arzt“, sagt Joyce Wang, Phreesias stellvertretende Forschungsleiterin. Vielleicht sollte die Pharmaindustrie auch auf Ärzte stärker zugehen, meint Wang, denn mit 53 % gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass die Empfehlung ihres Hausarztes sie motivieren würde, sich mit einer neuen Behandlungsmethode auseinanderzusetzen.

Wang und Herbert, die beiden Verantwortlichen von Phreesia, empfehlen auch, stärker zu kommunizieren, wie die Medikamente wirken und welche Nebenwirkungen auftreten können. Denn einerseits offenbare die Umfrage, dass einige Betroffene gar nicht wüssten, dass ihre Migräne stark genug ist, eine ärztliche Verschreibung zu rechtfertigen, und andererseits hätten 28 % derer, die kein präventives Mittel mehr einnehmen, gesagt, dieses aufgrund von Nebenwirkungen abgesetzt zu haben.

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