Studie: Einfluss von SMS auf Compliance bei Medikamenteneinnahme

19.06.2017 Studien
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(c) Syda Productions / Shutterstock.com

Die Compliance von Patienten ist eine der großen Herausforderungen der Medizin der heutigen Zeit. Durch nicht genommene Medikamente entstehen nicht nur enorme Kosten, es sterben auch jährlich tausende Patienten (früher), weil sie ihre Behandlung nicht wie verschrieben zu Ende führen.

Die jeweiligen Gründe dafür sind Zentrum vieler neuer Untersuchungen. Erste Studien haben bereits gezeigt, dass längst nicht so oft wie ursprünglich angenommen „Vergessen“ der Hauptgrund für verpasste Medikamenteneinnahmen ist. Vielmehr spielen Kostenfaktoren eine Rolle (gerade in Amerika und anderen Ländern ohne flächendeckende Krankenversicherungen), aber auch Nebenwirkungen. Einige Patienten setzen das Medikament auch zu früh ab, weil sie nicht wissen, was sie von der Behandlung erwarten sollen.

Studie zum Thema Compliance und Einfluss von Nachrichten

In der kleinen Studie zum Thema wurden 25 Patienten einbezogen. Diese mussten über längere Zeit Medikamente einnehmen und konnten bei einer verpassten Dosis jeweils aus sechs Begründungen auswählen.

  • Vergessen – etwa 30 Prozent
    Die Erwartung vieler bisheriger Studien und Gegenansätze zum Thema lag hier weitaus höher. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass Patienten diesen Grund auch auswählen, wenn sie einen komplexen Grund haben, die Einnahme zu vermeiden. Die Wahl von „Andere“ bewirkt, dass ein Arzt nachfragt. Das ist keine gute Basis.
  • Sich besser fühlen – etwa 27 Prozent
    Wenn Patienten eine Besserung bemerken, setzen sie ein Medikament oft ab. Alltäglich bemerken das viele Ärzte, wenn sie Antibiotika verschreiben. Hier gibt es mittlerweile ein größeres Bewusstsein dafür, dass ein entsprechender Hinweis in der Packungsbeilage nicht fehlen darf. Bei anderen Medikamenten ist die Erwähnung offenbar ebenfalls entscheidend.
  • Sich krank fühlen – etwa 17 Prozent
    Wenn Patienten starke Nebenwirkungen eines Medikaments bemerken oder sich durch andere Gründe krank fühlen, setzen sie ein Medikament oft ab. Die Medizin wirkt zwar gegen die ursprüngliche Krankheit, aber schwächt beispielsweise zu sehr. Oder die Nebenwirkungen scheinen belastender als die ursprünglichen Symptome. Eine andere Studie hat bereits gezeigt, dass hier Informationen zu „typischen Nebenwirkungen zu dieser Zeit“ Patienten helfen, den Einnahmeplan einzuhalten.
  • Keine Medikamente mehr haben – etwa 18 Prozent
    Diese erstaunlich hohe Zahl betrifft ein einfach zu behebendes Problem – zumindest in Bereichen, in denen die Lösung schlicht ein neues Rezept ist oder sogar die automatische Nachlieferung der Medikamente.
  • Andere – etwa 3 Prozent
    Wie erwähnt ist der eigentliche Anteil dieses Grundes eventuell höher, weil Patienten durch die Auswahl von „Vergessen“ eine Diskussion mit ihrem behandelnden Arzt vermeiden möchten.
  • Nehme ich nicht mehr – nicht ausgewählt
  • Ohne Grund verpasst – 4 Prozent.
    In einigen Fällen haben Patienten keinen Grund gewählt – vielleicht gilt hier ein ähnlicher Hintergrund, wie zum Punkt „Andere“.

Compliance verbessern durch Kommunikation

Der Lösungsansatz des Projekts zur Studie war eine direkte Benachrichtigung des jeweils behandelnden Arztes, wenn die Gründe eine Gesundheitsänderung (sich gesund oder schlechter fühlen) oder das Fehlen von Medikamenten waren. Der behandelnde Arzt kann Kontakt aufnehmen und versuchen, das (wahrgenommene) Problem der Patienten zu lösen.

Eine alternative Lösung wird in anderen Projekten verfolgt: Hier unterstützen automatisch versendete Nachrichten Patienten während der Einnahme und geben Anreize, das Medikament weiterhin einzunehmen.

Spezifische Untersuchungen stehen aus

Diese und andere Studien stützen sich vor allem auf chronisch kranke Patienten, die lange und viele verschiedene Medikamente einnehmen müssen. Diese Teilnehmer sind besonders gut zu erreichen.

Tatsächlich betrifft das Problem der verpassten Einnahmen aber auch Krankheiten, die nur kurzfristig sind. Als Beispiel seien hier noch einmal die Antibiotika erwähnt, bei denen die Nichteinnahme zum Misserfolg und größeren Resistenzen führt. Auch wenn diese Patienten schwieriger als „spontane“ Studienteilnehmer zu gewinnen sind, bilden sie eine wichtige Gruppe, die vielleicht andere Bedürfnisse hat, als chronisch Kranke.

Pharmaunternehmen können auf diesen Teil der Behandlung starken Einfluss nehmen, wenn sie Patienten Apps und andere Programme anbieten, die die Behandlung begleiten. Damit erweitert sich das Einflussgebiet bis in den Bereich der Behandlungen – ein weiterer guter Grund also, wieso die Kommunikation zwischen Ärzten und Pharmaunternehmen noch verstärkt werden sollte.

 

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