Studie: Ein Einblick in den digitalen Alltag von Medizinern

29.05.2019 Studien
3 Minuten Lesezeit

Eine neue Studie, die nun von SERMO veröffentlicht wurde, liefert neue Erkenntnisse zur Nutzung digitaler Medien im Gesundheitswesen. Das globale Netzwerk für Ärztinnen und Ärzte zählt weltweit über eine Million User und hat insbesondere die Nutzung von TV, Social Media sowie Tools für den medizinischen Alltag im täglichen Einsatz untersucht.

 

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Das Studiendesign

Die Studiendaten wurden im Mai 2019 von SERMO erhoben. Befragt wurden die Mitglieder des Ärztenetzwerks zu ihrem Nutzungsverhalten im Bereich TV, Social Media und digitale Tools für den medizinischen Alltag. SERMO ist ein soziales Netzwerk für Ärzte, das besonders in den USA aber auch im Rest der Welt in der HCP Community beliebt ist.

Digitale Medien haben sich im Alltag fest verankert

In der Regel beginnen drei Viertel der Befragten ihren Tag mit einem Blick auf das Smartphone oder andere digitale Medien. Lediglich vier Prozent geben an, morgens nicht zu einem digitalen Medium zu greifen. Auch am Abend nutzen über die Hälfte der Teilnehmenden digitale Medien. Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass 65% der Mitglieder von SERMO mindestens eine bis 4 Stunden täglich mit digitalen Medien verbringen. Bei der Nutzung von Social Media liegen die Befragten mit etwa 2-3 Stunden täglich auf einer Ebene mit dem Rest der Gesellschaft. Allerdings nutzen die Teilnehmenden diese hauptsächlich für den Konsum, nur die wenigsten produzieren eigenen Content. Lediglich 9% geben an, sich aktiv an Diskussionen zu beteiligen. Besonders interessant erscheint dabei vor allem die Möglichkeit, sich mit Kollegen in privaten Mediziner-Netzwerken auszutauschen. Über 90% der User geben an, mit Hilfe von eben solchen Netzwerken etwas neues erfahren zu haben, das sie in der täglichen Arbeit zu ihrem Vorteil umsetzen konnten.

Social Media Verhalten von HCPs

Verhalten von HCPs in Social Media verglichen mit den restlichen Social Media Nutzern

Eine Einschränkung bildet jedoch die Frage nach der Anonymität. Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt weder ihren echten Namen, noch ein echtes Foto in ihren Nutzerprofilen. Hier scheint die Angst vor Missbrauch immer noch recht groß. Gleichzeitig wird jedoch Vertrauen zu Online Profilen vor allem durch korrekte Angaben erzeugt. Die große Mehrheit gibt zudem an, dass man medizinischen Rat ausschließlich online suchen würde, wenn die Echtheit der Nutzerprofile garantiert werden könnte.

Wie löst man nun dieses Problem?

Mit einer neuen Plattform, die im Sommer eingeführt werden soll, möchte SERMO dieses Problem lösen, indem es eine erhöhte Flexibilität in der anonymen Interaktion erlaubt. So glaubt man, das Vertrauenslevel innerhalb der Community zu erhöhen. Vor allem was besonders sensible Themen angeht, fühlen sich 61% der Teilnehmenden in der Anonymität wohler. Die neue Plattform von SERMO soll den Usern die Möglichkeit bieten, zwischen ihrem echten Namen und einem Usernamen zu wählen sowie bei sensiblen Diskussionen vollkommen anonym kommunizieren zu können.

Eine weitere Herausforderung, die das Internet im Alltag von Ärztinnen und Ärzten darstellt, liefert die Selbstdiagnostik zahlreicher Patienten über die Google Suchmaschine. Der Großteil der Befragten gibt an, regelmäßige Aufklärung gegenüber falsch gestellter Diagnose über die eigene Onlinerecherche daheim leisten zu müssen. Gar 11% tun dies sogar ständig. Weniger als ein Fünftel der Befragten hat eher selten bis gar nicht mit dieser Problematik zu tun.

In welcher Form zeigt sich der Einsatz von digitalen Mitteln?

Über die Hälfte der befragten Ärztinnen und Ärzte nutzt im Rahmen der medizinischen Arbeit laut eigenen Angaben den Internetzugang weniger als 2 Stunden täglich. Während weniger als die Hälfte (31%) bereits mit elektronischen Krankenakten arbeitet, werden digitale Hilfsmittel am häufigsten zur Forschungszwecken genutzt (61%).

Wieviel Zeit verbringen Ärzte während der Arbeit im Internet?

Wonach suchen die Befragten online?

Gesucht werden vor allem klinische Studien, Expertenmeinungen zu Behandlungsmethoden, Case Studies sowie Informationen über die Verschreibung von Medikamenten. Grundsätzlich erhoffen sich die Teilnehmenden, Informationen zu finden, die neue Erkenntnisse liefern und zur eigenen Fortbildung dienen:

    • 30% → Ergebnisse von Medizinischen Kongressen
    • 23% → Case Studies
    • 19% → Weiterbildung
    • 15% → Unterstützung bei der Diagnostik
    • 12% → Lehrvideos

Die Teilnehmenden berichten über den großen Einfluss, den die Meinungen anderer Experten auf ihren eigenen Alltag haben. Der Großteil (93%) gibt an, dass Aussagen von Kollegen, ihr eigenes Verhalten in der Verschreibung von Medikamenten zukünftig beeinflussen würden und 75% geben zu, dies bereits als Konsequenz auf eine Expertenaussagen getan zu haben.

Social Media hat sich als Informationsmedium etabliert

Eine verbesserte Interaktion mit medizinischem Fachpersonal können die Anbieter solcher Portale also erreichen, indem man auf die Wünsche der Befragten eingeht und über einen regelmäßigen Austausch den Content liefert, nach dem gefragt wird. Auch im Gesundheitswesen bildet das Internet bereits eine wichtige Quelle für medizinische Informationen. Aus diesem Grund ist die Nutzung von Social Media im Alltag von Medizinern fest verankert. Content sollte daher bestenfalls von Medizinern für Mediziner geschrieben werden. Schließlich handelt es sich hier um ein Gebiet, auf dem die fachliche Expertise von Informationsquellen essentiell für eine erfolgreiche Arbeit ist.

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