Studie: So helfen Wearables, Krankheiten frühzeitig zu erkennen

07.02.2017 Studien
2 Minuten Lesezeit
(c)Burak Kebapci /Pexels.com

Wearables werden meistens mit Gesundheitszielen wie verbesserter Fitness in Verbindung gebracht. Sie zeigten sich in einer jüngsten Studie aber als mögliche Unterstützung bei der Diagnose von Krankheiten, noch bevor sie sichtbar werden.

Smartwatches und Fitnesstracker haben ihren Platz als Unterstützung beim Training von Sportlern gefunden. Sie könnten aber zukünftig auch ein ständiger Begleiter für jeden von uns sein und damit die Diagnose von Krankheiten erheblich erleichtern. Eine ausführliche Studie von Forschern der Stanford University in Kalifornien untersuchte jetzt, welche Möglichkeiten sich durch Wearables ergeben.

Studie zu Wearables aus Kalifornien

Die Studie aus Kalifornien stattete 60 Versuchspersonen mit Wearables aus, die jeden Tag verschiedene Daten von ihnen aufzeichneten. Dabei hatte jeder der Teilnehmer zwischen einem und acht Geräten gleichzeitig am Körper, die die unterschiedlichsten Details auswerteten. Dazu zählten beispielsweise Blutdruck, Puls, Sauerstoffgehalt des Bluts, Hauttemperatur und Atemfrequenz. Außerdem verfolgten sie die Aktivitäten der Teilnehmer am Tag.

Dadurch konnten 2 Milliarden Messwerte bestimmt werden – eine Datenmenge, die so in keiner anderen Studie bisher in ähnlicher Menge oder Weise zur Verfügung stand. Dadurch ergeben sich auch eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten.

Von jedem der Teilnehmer wurden Daten aufgezeichnet, während er unterschiedlichen Aktivitäten nachging. So konnte nicht nur festgestellt werden, wie beispielsweise die Blutwerte einer Person während eines Fluges aussehen – sondern auch, wie sie im Vergleich zum Ruhezustand zu bewerten sind.

Breitgefächerte Untersuchung fasst mehrere Studien zusammen

Ein großer Unterschied zu bisherigen Studien ergibt sich nicht einfach durch die Menge der Datenpunkte, sondern auch ihre Art. In den meisten Untersuchungen steht vorab eine bestimmte Fragestellung im Mittelpunkt und Versuche werden darum herum konstruiert. Das könnte beispielsweise der Blutdruck oder Sauerstoffgehalt im Blut von Passagieren eines Flugzeugs sein.

Klassisch würden die Messwerte der Versuchsteilnehmer vor, während und nach dem Flug verglichen. Ohne Wearables wären diese Messungen relativ aufwändig und langwierig. Mit Wearables können nicht nur eine ganze Reihe von Passagieren synchron untersucht werden, sondern sie können auch bei weiteren Flügen relativ bequem wieder Teilnehmer der Studie sein.

Die Forscher hatten zu Beginn keine konkreten Fragestellungen sondern können die Datenmenge nutzen, um Auffälligkeiten zu erkennen, die vorher nicht bekannt waren.

Individuelle Statistik ersetzt Population

Ein weiterer Unterschied zu klassischen Versuchen ist, dass die Messwerte der Teilnehmer in anderen Situationen aufgenommen werden. So können Forscher nicht nur, wie in klassischen Studien, erkennen, wie sich Werte während eines Flugs abhängig von Einflüssen wie Flugdauer, Tageszeit und Stresslevel verändern.

Sie können auch individuellere Ergebnisse berücksichtigen. Durch die Kombination mehrerer Parameter erkennen sie, welcher spezifische Anstieg des Pulses für einen bestimmten Menschen normal ist – und welcher Anstieg auf einen Notfall hinweist. Oder sogar auf eine bevorstehende Erkrankung. Vielleicht steigt der Blutdruck normalerweise auf einem Flug kaum – vor der Erkrankung aber schon.

Neue Möglichkeiten und Erkenntnisse

Während der Studie konnte einer der teilhabenden Professoren, Michael Snyder, eine bevorstehende Krankheit an sich selbst erkennen, bevor sie ausbrach. Während eines Flugs beobachtete er, dass seine persönlichen Werte (von Puls und Sauerstoffgehalt im Blut) sich nicht wie sonst für ihn üblich schnell wieder normalisierten. So entdeckte er erste Anzeichen einer Infektion, bevor andere Symptome für ihn erkennbar wurden.

In diese Richtung weisen auch Überlegungen dazu, wie Wearables zukünftig noch mehr zur Gesundheit ihrer Träger beitragen können. Die Lebenserwartung insgesamt kann ansteigen, weil Risikofaktoren eliminiert werden. Auch können Krankheiten durch die frühere Erkennung in vielen Fällen mit sanfteren Mitteln bekämpft werden.

Daraus lässt sich auch schließen, dass Ärzte in Zukunft weniger die persönliche Untersuchung ihrer Patienten übernehmen werden. Stattdessen müssen sie Fertigkeiten der Datenauswertung verfeinern. Diagnose- und Beratungsgespräche der Zukunft werden vielleicht wesentlich stärker von der Auswertung mitgebrachter Wearables wie Armbändern oder Uhren abhängen.

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