Studie zeigt: Interesse an Telemedizin steigt stark

28.04.2020 Studien
3 Minuten Lesezeit

Telemedizin ist im Grunde ein selbstverständlicher Bestandteil des Digitalisierungsprozesses, der das 21. Jahrhundert wesentlich prägt. Obwohl speziell diese Entwicklung als modern zu betrachten ist, handelt es sich lediglich um eine vielschichtigere Bedeutung eines Begriffs, dessen Geburtsstunde in ersten telefonischen, ärztlichen Beratungen liegt. In den USA befindet sich die Telemedizin längst auf dem Vormarsch. Und auch in Österreich und Deutschland steigt das Interesse – nicht zuletzt auf Grund der aktuellen Situation – stetig.

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Welche Vorteile birgt die Telemedizin?

Informations- und Kommunikationstechnologien der Telemedizin beweisen insbesondere in Kosteneffizienz, Zugänglichkeit und höherer Qualität für bestimmte Zielgruppen enormes Potenzial. Durch Fachkräftemangel und weite Verbreitung zahlloser Krankheiten stehen vielen Menschen grundlegende Leistungen des Gesundheitswesens nicht zur Verfügung. Oft scheitert eine Konsultierung, Behandlung und dementsprechend auch eine mögliche Genesung an nicht tragbaren Reisekosten, Zeit und zusätzlich gesundheitsschädlichem Stress. Auch, wenn Applikationen keine Möglichkeiten der tatsächlichen Behandlung bergen, so überwinden sie doch geographische Grenzen und machen Beratungen durch Spezialisten leichter zugänglich.

Lichtblick während Corona Pandemie

In den Vereinigten Staaten erfuhr die Telemedizin seit Ausbruch des Corona-Virus einen massiven Aufschwung, bedingt durch signifikante Lücken im Gesundheitssystem. Rund 60% der jährlichen Privatinsolvenzen sind auf unbezahlbare Krankenhausrechnungen zurückzuführen. Die Attraktivität einer telemedizinischen Beratung im eigenen Wohnzimmer für $50 anstatt $2.000 in einer überfüllten Notaufnahme ist somit selbsterklärend.

Allerdings wird nicht nur die Finanzlast der Bevölkerung erleichtert, sondern auch die Ausbreitung von COVID-19 eingedämmt. STAT stellt das Start-up „Ro“ vor, eine App, konzipiert zur Entlastung der Kapazitäten und des Personals der Krankenhäuser mittels interaktiven Videoformats, Fernüberwachung und elektronischer Beurteilung. Ein automatisierter Fragenkatalog beginnt die Analyse der Symptome und im Verdachtsfall wird der Patient von einer lizenzierten Fachkraft persönlich kontaktiert, um eine detailliertere Befragung vorzunehmen. Sollte eine Infektion wahrscheinlich sein, wird ein Arzt vor Ort empfohlen; anderenfalls ist die Beobachtung des weiteren Verlaufs ratsam und es werden informative, digitale Ressourcen zur Verfügung gestellt.

Durch die herrschenden Ausgangsbeschränkungen durch COVID-19 greifen viele Ärzte, die dem Thema zuvor kritisch gegenüberstanden, mangels Alternative ebenfalls auf Telemedizin zurück.

Diskussion der Adaption in Österreich

Am Österreichischen Ärztekammertag 2018 begegnete man dem Prinzip der Telemedizin bereits aufgeschlossen, doch vor allem aus Datenschutzgründen gestaltet sich die Präsentation und Durchsetzung des Produkts als schwierig. Der sichere Umgang mit sensiblen Patientendaten in digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien muss durch ein Register für telemedizinische Anwendungen und ein europäisches Zertifikat gewährleistet werden.

Die Betrachtung der USA als Vorbild ist in diesem Zusammenhang jedoch generell sinnig, da auch in Österreich akuter Ärzte- und Pflegermangel herrscht, welcher nicht nur in ländlichen Gegenden, sondern auch in Städten Probleme darstellt. Im Detail würde dies verschiedenen Aspekten der Gesundheitsversorgung zu Gute kommen; beispielsweise könnte die Erfassung kurzfristiger Schwankungen der Vitalparameter verbessert werden oder aber medizinische Hilfe schneller angefordert werden, von der Kostendämpfung und Entlastung der Praxen und Krankenhäuser ganz zu schweigen.

Zu weiteren Erkenntnissen wird man sicher im TELEMED Austria Kongress kommen, welcher am 28. Mai online stattfinden soll – unbestreitbar ist jedoch die Notwendigkeit einer Re-Evaluierung, angesichts der stark angestiegenen Auslastung und gibt Anlass zur Hoffnung.

Und damit Sie mit all den Begriffen gut zurecht kommen, empfehlen wir Ihnen zum Schluss noch die folgende Infografik von TELEMED Austria:

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