Studie zu Online Gesundheitsinfos: Viel Angebot aber auch viel Misstrauen

07.12.2018 Studien
3 Minuten Lesezeit

Die aktuelle Studie „Great American Search for Healthcare Information“ von Weber Shandwick zeigt, wie kritisch die Amerikaner online Gesundheitsinfos  gegenüber stehen.

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In einigen Artikeln wird von der Studie sogar als „Great American Search for Trust“ gesprochen. Mehr als 80 Prozent der Amerikaner suchen online nach gesundheitsrelevanten Themen. Mehr als 50 Prozent der Suchenden haben gleichzeitig Angst vor falschen oder irreführenden Ergebnissen.

Unzufrieden mit Pharma Unternehmen

Das Unternehmen für Kommunikation und Marketingservices Weber Shandwick führte seine Studie gemeinsam mit KRC Research durch. Eine große Mehrheit (81 %) der Befragten gab an, online nach Gesundheitsinformationen zu suchen. Allerdings waren 52 Prozent von ihnen besorgt, falsche oder irreführende Angaben online zu finden. Weitere 47 Prozent der Studienteilnehmer hatten Bedenken, dass die online Gesundheitsinfos nur dazu dienen, etwas zu verkaufen.

Insbesondere Pharma Unternehmen schnitten in der „Great American Search for Healthcare Information“ Studie schlecht ab. In einer Liste mit 28 unterschiedlichen Quellen für Healthcare Informationen belegten Pharma Unternehmen einen Platz deutlich unter dem Durchschnitt.

Nur 30 Prozent der Studienteilnehmer waren mit pharmazeutischen Unternehmen als Informationsquelle zufrieden. Damit lagen sie unter dem allgemeinen Durchschnitt von 40 Prozent und deutlich entfernt von der am besten bewerteten Quelle. 66 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie mit Arzthelfern und Krankenschwestern als Quelle für gesundheitsbezogene Informationen zufrieden waren.

Bei den Menschen, die aktiv nach Informationen zu Medikamenten suchen, gehörten Pharma Unternehmen als Quelle nicht einmal zu den Top 5. Als 5 wichtigste Informationsquellen wurden medizinische Webseiten, Ärzte, Apotheker, Krankenversicherungen und Freunde angegeben.

Online Gesundheitsinfos von Pharma zu komplex?

Ein möglicher Grund für das geringe Frequentieren von Pharma Unternehmen für online Gesundheitsinfos könnte laut Leslie Gaines-Ross sein, dass Pharma Informationen und deren Kommunikation eher kompliziert sind. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Millennials und die Generation Z diese Informationen als zu komplex empfinden. Hinzu kommen das Überangebot an Informationen und sich widersprechende Ergebnisse und dass man nicht weiß, wem man vertrauen kann. Es gibt einfach zu viele Kanäle und zu viele Informationen“, sagte sie. „Die Kernfrage ist, wie man mit Healthcare Informationen einen Durchbruch erreichen kann. Sie werden so dringend gebraucht, weil alle verwirrt erscheinen.“

Laura Schoen, Präsidentin von Weber Shandwicks Global Healthcare Practice, fügte hinzu: „Gesundheit ist jetzt jedermanns Territorium. Selbst Unternehmen aus Branchen, die mit Healthcare Services oder Lieferungen nichts zu tun haben, nutzen digitale Kanäle, um über Gesundheit zu sprechen. Sie sprechen meist mehr über Gesundheit in Verbindung mit Wellness, tragen aber dennoch zur allgemeinen Verwirrung in diesem Bereich bei.“

Überraschende Ergebnisse für Millennials

Weber Shandwick fasste die Studienergebnisse für die jeweiligen Altersgruppen der Teilnehmer zusammen. Allgemein ließen sich mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede finden, allerdings stach die Millennial Generation (Jahrgänge 1981-1996) in einigen Punkten hervor. In dieser Altersgruppe konnten einige überraschende Ergebnisse gefunden werden, so Schoen.

Millennials bildeten die größte Gruppe von Pflegenden. Dies macht sie zu einer neu entstehenden Schlüsselzielgruppe für Marketer. Außerdem stehen Millennials sämtlichen Kontakten mit Personen aus dem medizinischen Bereich skeptischer gegenüber als die anderen Altersgruppen. Sie gaben sogar an, dass ihre Freunde einen größeren Einfluss als Healthcare Professionals haben, wenn es um Gesundheitsinfos geht.

38 Prozent der befragten Millennials stimmten der folgenden Aussage zu: „Ich vertraue meinen Freunden und Bekannt mehr, als ich medizinischem Personal vertraue.“ Dies sind über 10 Prozent mehr im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen. Diese lagen im Durchschnitt bei 26 Prozent.

In Weber Shandwicks Studie gibt es diverse Tipps für Pharma Unternehmen und Healthcare Firmen, wie sie die Vertrauenslücke der online Gesundheitsinfos schließen können, so Schoen und Gaines-Ross. Das Schließen der Lücke wird zusehends an Bedeutung gewinnen, wenn Millennials und die Generation Z (Jahrgänge 1997-2000) älter werden.

Ein möglicher Weg ist die Überarbeitung von bestehendem Content. Unternehmen sollten sicherstellen, dass Inhalte weiterhin relevant und nützlich und nicht nur Masse sind und so zu Verwirrung beitragen. „Digitale und soziale Medien haben einen großen Einfluss und werden als Schlüsselquellen für Informationen angesehen“, so Schoen. „Leider mussten wir auch feststellen, dass man ihnen mit großer Skepsis begegnet. Dies sind wichtige Ansatzpunkte für Menschen, die Healthcare Produkte vermarkten, insbesondere Rx Produkte.“

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