„TikDocs“: Wie ÄrztInnen in den USA die Plattform TikTok nutzen

12.02.2020 Trends
2 Minuten Lesezeit

US-amerikanische ÄrztInnen nutzen die App, die ursprünglich unter dem Namen musical.ly bekannt wurde, um in Form von kurzen mobilen Videoclips medizinischen Rat an die Nutzer zu geben.

Durch die Nutzung von Medien der Generation Z gelingt es den ÄrztInnen in den USA, die Aufmerksamkeit jener Bevölkerungsgruppe auf sich zu ziehen und die Kommunikationshürden zwischen Generationen teilweise zu überwinden.

Die Sprache der Jugend sprechen

Dabei muss man jedoch beachten, dass es nicht ausreicht, sich auf den Kanälen der Zielgruppe zu bewegen, sondern vielmehr auch ihre „Sprache“ zu sprechen. Schließlich möchte niemand einfach so in seiner Freizeit von ÄrztInnen belehrt werden. So greifen erfolgreiche TikDocs auf simple Tricks zurück, indem sie ihre Botschaften tanzend vermitteln oder die Themen überdramatisieren, um so die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu erhalten. Dank der Fähigkeit, zielgruppengerecht zu kommunizieren, gelingt es den TikDocs, ihre Abonnenten selbst über unangenehme Themen, wie Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaftskontrolle, Impfungen und andere relevante Themen aufzuklären, ohne dabei oberlehrerhaft zu wirken.

Zusätzliche Möglichkeiten zu Videos

Aus den Videos lassen sich in der Folge zum Beispiel Memes erstellen, die dabei helfen, Botschaften knackig zu verpacken und einfacher zu teilen. Dies hat zur Folge, dass Botschaften auch von den Followern schnell geteilt werden und so eine Maximierung der Reichweite ermöglicht wird.

Erfolgreiche und bekannte TikDocs

Unter der wachsenden Zahl an medizinischen Influencern stechen, wie auf jeder Plattform, auch hier einige TikDocs besonders heraus. Dr. Rose Marie Lesle (@DrLeslie) verfügt über eine Reichweite von über 400.000 Followern, die sie mit ihren Posts zu Themen wie Vaping oder Schwangerschaft erreicht. Aber auch Ratschläge darüber, wie man mit ÄrztInnen kommunizieren kann, ohne dass es direkt unangenehm wird, sind von ihren Anhängern gern gesehen. Dr. Jess Andrade (@Doctor.Jess) hat knapp 123.000 Follower und postet regelmäßig über Themen, wie Nikotinsucht oder Depression, und erreicht mit ihren Videos teilweise sogar fast 1 Mio. Views pro Video. Weitere bekannte TikDocs sind Mama Doctor Jones (@mamadoctorjones) mit 157.000 sowie Dr. Autin Chiang (@austinchiangmd) mit 63.000 Followern, die ihr Publikum mit lustigen Videos zu Themen, wie geplatzten Kondomen, aber auch Pankreatitis erreichen. Einem Thema, das vielleicht nicht lustig klingt, dennoch eine stabile Reichweite erzielt.

Bedürfnisse der Zielgruppe verstehen

Diese fortschrittliche Herangehensweise von ÄrztInnen ist zwingend notwendig, um die Zielgruppe der Generation Z zu erreichen. Das Kommunikationsverhalten dieser Generation unterscheidet sich stark von jenem vorheriger Generationen. Sie sind mit dem Internet aufgewachsten und verbreiten auf der einen Seite ohne viel nachzudenken Nacktfotos über private Chats. Wenn es auf der anderen Seite aber um intime Gespräche mit Ärzten geht, sind sie schambehaftet. Dr. Christian Assad (@ChristianAssad) verfolgt auf seinem Kanal deshalb einen eher humoristischen Ansatz, obwohl er auch seriöse Videos auf seinem Kanal verbreitet. Diese erhalten jedoch nicht dieselbe Resonanz.

Chancen ja – aber auch Hindernisse

Problematisch an der Sache ist jedoch, dass medizinischer Rat, der über Social-Media-Plattformen verbreitet wird, nicht immer verlässlich ist. Da viele Teenager sich nicht mit den Quellen auseinandersetzen und prüfen, ob es sich um verlässliche Profile handelt, können schnell auch Fehlinformationen in Umlauf kommen. Auch rechtliche Fragen gilt es im Vorfeld zu klären. Dennoch glauben die meisten TikDocs in den USA, dass es wichtig sei, sich der Art wie jüngere Generationen ihre Informationen konsumieren, anzupassen und diese Technologien auch als Chance zu verstehen.

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