Verily präsentiert Gesundheitstracker zu Studienzwecken

15.05.2017 Studien
3 Minuten Lesezeit
(c) Verily Life Sciences LLC

Mitte April hat Verily, ehemals Google Life Sciences, seinen heiß diskutierten Gesundheitstracker vorgestellt. Study Watch, so heißt Verilys neuestes Gadget, ist anders als andere Wearables.

Laut Alphabet wurde der Gesundheitstracker designt, um in medizinischen Studien eingesetzt zu werden. Der Tracker hat mehr wissenschaftlich wertvolle Features als solche, die sich gut verkaufen lassen.

Unauffälliges Design, lange Batterielebensdauer

Die Study Watch dient, wie der Name bereits vermuten lässt, vor allem dem Sammeln von Daten für klinische Studien. Aus diesem Grund ist auch die Optik des Gesundheitstrackers eher unspektakulär. Im Gegensatz zu Herstellern von Wearables wie Apple, Fitbit usw. ging es Verily vielmehr darum, ein möglichst unauffälliges Gerät zu entwickeln.

Die Study Watch soll von den Patienten während der klinischen Studien so viel Zeit wie möglich getragen werden. Auf diese Weise werden mehr Daten gewonnen und das Risiko, wichtige Daten nicht aufzuzeichnen, sinkt.

In diesen Funktionen spiegelt sich die Sorge vieler Forscher wieder, dass Patienten die Devices während der Studie nicht tragen oder vergessen, ihre Daten hochzuladen. Ist dies der Fall, gehen viele Daten verloren, die für die Studie von Bedeutung wären.

Beim Design des Gesundheitstrackers wurde auch die allgemeine Unsicherheit zur sicheren Speicherung von Daten aus dem Gesundheits- und Forschungsbereich berücksichtigt. Verilys Study Watch hat deshalb eine Batterie mit langer Lebensdauer, viel Speicherplatz und mehr Features zur Sicherheit als andere Wearables.

Gesundheitstracker ohne medizinische Optik

Mit einer Batterielaufzeit von einer Woche liegt die Study Watch weit vor vielen anderen Wearables. Das von Garmins vivofit angestrebte eine Jahr, kann sie aber nicht überbieten. Teilnehmer von medizinischen Studien, in denen die Study Watch eingesetzt wird, müssen das Device nur einmal pro Woche abnehmen, um die Batterie aufzuladen. So wird das Risiko, den Gesundheitstracker zu wenig zu tragen, deutlich minimiert.

Rein äußerlich sieht die Study Watch aus wie eine einfache Uhr. Sie zeigt lediglich die Zeit und das Datum an. Auch dies ist von Verily so gewollt. Je unauffälliger ein medizinisches Devices ist, desto eher wird es regelmäßig getragen. Die optische Gestaltung des Trackers wurde mit Medizinern, Patienten und Forschern gemeinsam umgesetzt.

Speicherplatz für Wochen voller Daten

Neben der Optik war bei Verily auch der Sicherheitsaspekt des Gesundheitstrackers von Bedeutung. Alle Daten, die von dem Wearable aufgezeichnet werden, werden zunächst verschlüsselt. Erst nach erfolgreicher Verschlüsselung werden sie in die Cloud hochgeladen. Durch den großen Speicherplatz auf der Study Watch müssen Nutzer das Device auch nicht so häufig synchronisieren.

Laut Alphabet können auf der smarten Uhr Rohdaten von mehreren Wochen gespeichert werden. So werden Patienten während einer medizinischen Studie vom regelmäßigen Hochladen ihrer Daten befreit.

Allerdings ist zu bedenken, dass, je unregelmäßiger Daten hochgeladen werden, auch viel größere Datenmengen verloren gehen können, sollte es ein Problem mit dem Device geben. Mit einem Tracker, bei dem die Daten nach kürzeren Zeiten synchronisiert werden müssen, wird dieses Risiko minimiert.

2016 gab es Bemühungen von Verily um ein Device mit dem Namen „Connectivity Bridge“. Dieses Device sollte wireless Daten von Wearables sammeln und in die Cloud hochladen können. Sobald es diesen Hub gibt, könnte das Problem des Datentransfers gelöst sein. Bei der Vorstellung der Study Watch wurde dieses Device jedoch nicht erwähnt.

Erste Projekte: Baseline-Study und Parkinson-Forschung

Mit der Study Watch können, wie mit anderen Gesundheitstrackern auch, sowohl die Aktivität als auch die Herzfrequenz des Trägers gemessen werden. Außerdem kann die elektrodermale Aktivität aufgezeichnet werden. Diese gibt Einblicke in das sympathische Nervensystem. Der größte Unterschied zu anderen Wearables ist aber das Elektrokardiogramm, über das die Study Watch verfügt.

Verily wird den Gesundheitstracker in seiner Baseline-Studie einsetzen. Ziel dieser Studie ist es, definieren zu können, mit welchen Werten man einen Menschen als gesund bezeichnen kann. Außerdem wird die Study Watch in einer klinischen Studie in den Niederlanden eingesetzt.

In dieser Studie werden Parkinson-Patienten rund um die Uhr mit Wearables überwacht. Dies soll zu neuen Einblicken in die Krankheit führen, die durch normale ärztliche Kontrollen nicht gewonnen werden können. Verily unterstützt die niederländische Studie mit 650 Geräten und einer Geldspende.

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