Videospiel als Therapie – „Project EVO“ wartet auf FDA Freigabe

28.01.2020 Kampagnen
3 Minuten Lesezeit

Das erste Videospiel das als ADHS Therapie für Kinder verschrieben werden kann, wartet weiterhin auf die Freigabe durch die FDA. „Project EVO“ wurde bereits 2017 in einer Testphase ausprobiert und hat nach nur wenigen Wochen gute Erfolge gezeigt.

Bereits 2017 haben wir von dem Projekt berichtet, das heute immer noch auf eine FDA Zulassung wartet.

Enttäuschung über die Dauer des Zulassungsprozesses

Gegenüber STAT äußert Eddie Martucci, CEO von Akili Interative Labs, dass man sicherlich enttäuscht sei: „Der Prozess ist offensichtlich länger, als einige von uns gehofft hatten, so viel kann ich sagen. Und jede Enttäuschung besteht eher darin, dass wir den ADHS-Familien noch nicht das Produkt liefern, das sie wirklich brauchen“. Laut Martucci führt das Unternehmen derzeit Gespräche mit den Aufsichtsbehörden. Akili glaube daran, dass es sein Spiel genauestens studiert hat, und die Daten für sich selbst sprechen.

„Project EVO“ soll neuronale Netzwerke aktivieren

Akilis Videospiel „Project EVO“ wird auf einem Tablet gespielt. Es schickt die Spieler durch Landschaften wie einen geschmolzenen Lavafluss oder eisige Schneelandschaften im Winter, und belohnt sie mit Sternen und Punkten, wenn sie ihre Aufgaben erfolgreich beenden. Mit Hilfe von gezielten Algorithmen sollen dabei bestimmte neuronale Netzwerke im Gehirn der Spieler aktiviert werden. Dies sei im Vergleich zu herkömmlichen digitalen Anwendungen aus der Gesundheitsbranche ein ganz neuer Ansatz. Auch ist es das erste Videospiel, das zur Behandlung einer Krankheit von ÄrztInnen verschrieben werden soll. Bisherige digitale Tools dienen PatientInnen vielmehr zur Aufklärung, Beratung sowie Erinnerung bei der Bewältigung von Krankheiten.

Positive Reaktionen führender Experten

Dr. Sandra Loo ist ADHS-Spezialistin an der University of California in Los Angeles, hat keinerlei Verbindung zum Hersteller des Videospiels, und glaubt, dass es in Sachen ADHS „eine große Nachfrage nach nicht-pharmakologischen Behandlungen“ gibt. „Ein Produkt, das helfen kann, kognitive Probleme bei Kindern mit ADHS zu beheben, wäre meiner Meinung nach sehr hilfreich und bei Familien sehr beliebt,“ fügt sie hinzu und stärkt somit das Vorhaben von Akili.

Der Antrag, den Akili bei der FDA eingereicht hat, basiert auf den Ergebnissen einer Studie, in der das Spiel bei 348 Kindern im Alter von 8 bis 12 Jahren mit der Diagnose ADHS getestet wurde. Nach dem Zufallsprinzip spielten diese entweder Akilis Spiel oder ein Scrabble-ähnliches Spiel, bei dem sie Buchstaben auf einem Gitter miteinander verbinden und Wörter buchstabieren mussten. Nach vier Wochen konnte bei der Gruppe, die Akilis Spiel spielte, im Vergleich zur anderen Gruppe eine statistisch signifikante Verbesserung in der Aufmerksamkeit sowie der Hemmungskontrolle gemessen werden. Es gab jedoch Vorbehalte, denn einige Forscher hätten sich bei der Akili-Gruppe noch signifikantere Verbesserungen gewünscht.

Einnahme von Medikamenten nicht relevant für das Spiel

Vor kurzem gab Akili die Ergebnisse einer weiteren klinischen Studie bekannt, die das Unternehmen im vergangenen Jahr durchgeführt hat. Die neue Studie wurde bereits lange vor der Einreichung des Antrags bei der FDA geplant. Die Studie, bei der 206 Kinder mit ADHS teilnahmen, behandelte die Frage nach der Wirkung des Spiels während der Einnahme von ADHS-Medikamenten.

Die Studie bewertete das Spiel mit Hilfe der ADHS-Impairment-Rating-Skala, einem Fragebogen für Eltern. Laut dieser subjektiven Bewertung erfuhren die Kinder ungefähr gleichmäßige Verbesserungen, unabhängig davon, ob sie ADHS-Medikamente einnahmen oder nicht. Sie erfuhren jedoch weitere Verbesserungen, wenn sie das Spiel einen zweiten Monat lang spielten. Ob man diese Ergebnisse nun ebenfalls der FDA vorlegen wird, um eine Zulassung zu beschleunigen, wollte Martucci zwar nicht bestätigen, er erwähnte jedoch, dass man bereit sei, sämtliche klinische Daten, die das Unternehmen generiere, mit allen Beteiligten zu teilen.

Spiel soll gezielt an PatientInnen verschrieben werden

Dr. Loo erwartet, dass Akilis Spiel, wenn es auf den Markt kommt, einen präzisen medizinischen Ansatz verfolgt, und nur denjenigen Patienten verschrieben werde, die wahrscheinlich davon profitieren könnten – und nicht einfach allen Kindern mit ADHS. „Man muss wirklich analysieren, wer diese Art von Intervention brauchen würde und wer nicht und versuchen, Maßnahmen oder Wege zu finden, um abzuschätzen, wer möglicherweise darauf reagieren wird“, sagte sie. Dem schloss sich Akilis CEO Eddie Martucci an: „Wir versuchen nicht zu sagen, dass wir alle ADHS-PatientInnen behandeln. So funktioniert unser Produkt nicht. […] Unser Ziel sind Aufmerksamkeitsstörungen und damit verbundene kognitive Probleme bei ADHS.“

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